Aus LinuxUser 07/2007

Internetseiten aktuell halten

Doppeltes Lottchen

Wer seinen Webauftritt laufend aktualisieren möchte, kämpft häufig gegen die Tücken seines FTP-Clients. Einfacher funktioniert es mit dem kleinen Programm Sitecopy.

Alice ist frustriert. Ihr privater Internetauftritt soll einen neuen Anstrich erhalten. Doch nun das. Um sich nicht mit dem mittlerweile recht buschigen Datenwildwuchs herumzuschlagen, hat sie mit ihrem Lieblings-FTP-Programm einfach die neue Fassung über die alte gestülpt. Das Ergebnis: Über das neue Foto ihrer geliebten Katze gelangen die Besucher nun direkt auf die alten Seiten einer Metzgerei.

Irgendwo anders in Deutschland parkt Bob derweilen einige wichtige Dateien auf seinem WebDAV-Server. Den hat er extra angemietet, um auch von unterwegs immer auf seine aktuellen Dokumente zuzugreifen. Gerade in diesem Moment kopiert er aus Versehen eine falsche Datei – bemerken wird er das jedoch erst zwei Tage später in einem Hotel in Rom.

Wenn Sie vermeiden wollen, dass Ihnen bei der Datensynchronisation mit Server im Internet ähnliche Missgeschicke passieren, dann greifen Sie am besten zu Sitecopy [1].

Multitalent Sitecopy

Das kleine Programm Sitecopy überwacht den Dateibestand auf einem entfernten Computer und führt nach entsprechender Aufforderung eine Aktualisierung durch. Haben Sie beispielsweise der lokalen Kopie Ihrer Webseite neue Dateien hinzugefügt, schiebt Sitecopy diese automatisch auf den entfernten Server. Es löscht dabei auch gleich nicht mehr benötigte Files und bringt geänderte Dateien auf den neuesten Stand. Das alles geschieht mit nur einem kurzen Befehl auf der Kommandozeile (Abbildung 1). Einzige Voraussetzung: Sie brauchen einen Server, der das FTP- oder WebDAV-Protokoll spricht (Kasten „Hochadel“).

Abbildung 1: Geänderte Dateien laden Sie mit Sitecopy und dem Update-Befehl auf einen entfernten Server. Mit dem Fetch-Kommando gleichen Sie vorher den Datenbestand zwischen dem lokalen und dem entfernten Rechner ab.
Abbildung 1: Geänderte Dateien laden Sie mit Sitecopy und dem Update-Befehl auf einen entfernten Server. Mit dem Fetch-Kommando gleichen Sie vorher den Datenbestand zwischen dem lokalen und dem entfernten Rechner ab.

Hochadel

Computer in einem Netzwerk können nicht einfach gedankenlos Daten verschicken. Ähnlich wie auf einer gut besuchten Party würde dies in einem unverständlichen Geschnatter enden. Folglich muss die Kommunikation ein paar Regeln befolgen. Letztere legen für jeden Anlass genau fest, wer wann was zu wem sagen darf. Genau wie beim britischen Hochadel heißt ein solcher Satz an Verhaltensregeln „Protokoll“.

Während beim „Hyper Text Transfer Protocol“ (HTTP) die bekannten Internetseiten durch das Netzwerk flitzen, dient das „File Transfer Protocol“ (FTP) ausschließlich der Übertragung von Dateien. Da das unkomfortable FTP langsam an seine Grenzen stößt, entstand unter dem Namen WebDAV eine Alternative. Das Akronym steht für den Zungenbrecher „Web-based Distributed Authoring and Versioning“. Es basiert auf HTTP und erlaubt es, entfernten Speicherplatz wie eine lokale Festplatte zu nutzen.

Installation

Sitecopy schlummert recht unbeachtet von der breiten Öffentlichkeit in vielen Distributionen. Unter Ubuntu genügt es, den Paketmanager anzuwerfen, das Paket sitecopy zu suchen und einzuspielen. Nutzer von Mandriva 2007, Suse Linux 10.1 und OpenSuse 10.2 verwenden am besten die fertigen RPM-Pakete von der Heft-CD. Zur Installation geben Sie mit Root-Rechten rpm -Uhv Paket.rpm ein, wobei Sie Paket durch die Sitecopy-Version ersetzen. Alternativ finden Sie das Werkzeug auch im Internet [1] (Abbildung 2). Dort stehen für verschiedene Distributionen fertige Pakete bereit, die Sie auf dem eben erwähnten Weg einspielen.

Abbildung 2: Die eher schlichte Internetseite von Sitecopy: Hier finden Sie den Quellcode der Software, falls es kein Paket für Ihre Distribution gibt.
Abbildung 2: Die eher schlichte Internetseite von Sitecopy: Hier finden Sie den Quellcode der Software, falls es kein Paket für Ihre Distribution gibt.

Werden Sie wider erwartend auch dort nicht fündig, bleibt nur der Griff zum Quellcode, den Sie ebenfalls auf der Heft-CD finden. Sie wandeln ihn mithilfe des C-Compilers GCC manuell in ein ausführbares Programm um. Entpacken Sie das Archiv in ein Verzeichnis Ihrer Wahl, öffnen Sie ein Terminalfenster, wechseln Sie in das neue Verzeichnis und rufen Sie dort ./configure && make und mit Root-Rechten make install auf.

Informationsbedarf

Damit Sitecopy weiß, welche Daten es auf welchem Server überwachen soll, braucht es anfangs ein paar grundlegende Informationen. Diese erwartet das Werkzeug in der versteckten Datei .sitecopyrc in Ihrem Heimatverzeichnis. Legen Sie also im ersten Schritt besagte Datei mit einem Texteditor Ihrer Wahl an. Dort hinein kommen jetzt alle Informationen über Ihren Server. Ein Beispiel zeigt Listing 1.

Listing 1
# ~/.sitecopyrc
# Beispielkonfiguration fuer FTP
site alicecat
        server www.alice.de
        protocol ftp
        username alice
        password sehrgeheim
        local /home/alice/webseite/katzen
        remote ~/katzen

Alle Zeilen mit einer Raute ignoriert Sitecopy später. Ansonsten enthält jede Zeile den Namen einer Einstellung, gefolgt von einem Leerzeichen und dem eigentlichen Wert. Das Ganze sieht etwas kryptisch aus, lässt sich aber recht schnell aufdröseln.

Beginnen Sie mit der ersten eingerückten Zeile, welche die Adresse des Servers enthält. Im Beispiel hat Alice ihre eigene Homepage vermerkt: server www.alice.de. Anstelle dieses DNS-Namens dürfen Sie hier auch direkt eine IP-Adresse eintragen.

In die nächste Zeile gehört hinter protocol das beim Datenaustausch eingesetzte Protokoll (mehr dazu im Kasten „Hochadel“). Wie vom Provider vorgeschrieben, verwendet Alice für ihre Internetseite einen FTP-Zugang.

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