Aus LinuxUser 03/2007

Kauftest: Gebrauchte Notebooks im Internet

Augen auf beim Notebook-Kauf!

Manch einer liebäugelt mit dem Kauf eines Second-Hand-Notebooks für Linux. Unser Kauftest zeigt, wie sehr man mit dem Online-Handel hereinfallen kann.

Linux eilt nicht nur der Ruf voraus, sehr stabil und robust zu arbeiten, sondern auch der Nimbus, schonend mit Hardwareressourcen umzugehen. Bestimmte Distributionen, wie etwa Damn Small Linux, geben sogar noch auf Maschinen mit 80486-Prozessoren ordentlich Gas – und zwar mit einer brauchbaren grafischen Oberfläche. Auch wird die Treiberentwicklung wegen des im Allgemeinen geringen Interesses der Industrie sehr oft von freien Entwicklern vorangetrieben, sodass Linux am besten auf etwas älteren Rechnern, die nicht über brandneue Hardware verfügen, seine Fähigkeiten entfaltet. Es liegt also für den Einsteiger nahe, sich einen gebrauchten PC für Linux zu beschaffen. In Zeiten nahezu unbegrenzter Mobilität liebäugeln viele Anwender zudem mit gebrauchten Notebooks – Grund genug für uns, das Angebot von Online-Händlern im Rahmen eines Kauftests näher unter die Lupe zu nehmen.

Kaufkriterien für den „Gebrauchten“

Wer sich für Linux als Betriebssystem entschieden hat und ein Notebook aus zweiter Hand dazu verwenden möchte, steht zunächst vor einigen Problemen: Die Hardware gängiger Notebooks kommt größtenteils nicht „von der Stange“. Mobile Geräte sollen mit der vorhandenen Energie möglichst sparsam umgehen, zugleich auch noch klein und kompakt sein und trotzdem hohen Bedienkomfort bieten. Daher kommen in Notebooks viele Komponenten zum Einsatz, die speziell auf diese Anforderungen hin entwickelt wurden.

So verwenden nahezu alle Geräte besondere Onboard-Grafikchips, deren Videospeicher (sofern überhaupt vorhanden) sich nicht aufrüsten lässt. Zur Ausstattung zählen oft auch spezielle Mini-PCI-Karten, die in der Regel ein Modem und einen Netzwerkanschluss beherbergen. Neuere Geräte verfügen außerdem manchmal noch über Firewire-, Bluetooth- und Infrarot-Anschlüsse. Alle diese besonderen Komponenten benötigen besondere Treiber, so dass nicht immer sofort klar ist, ob ein Notebook auch unter Linux zufriedenstellend funktioniert.

Einsteiger wie auch „alte Hasen“ sollten sich daher zunächst vor dem Kauf kundig machen, ob das Wunschgerät überhaupt mit Linux harmoniert. Hierzu bieten sich verschiedene Seiten im Internet an [1], die jedoch in beträchtlichem Umfang auf veralteten Daten beruhen. Doch in Zeiten, in denen Linux in manchen Bereichen mit steigender Tendenz bereits 20 Prozent Marktanteil verzeichnet, sollte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass der Händler, der solche erklärungsbedürftigen Geräte verkauft, dazu kompetent Auskunft erteilen kann.

Marke vs. Billigheimer

Der Markt für Notebooks teilt sich in zwei große Gruppen: Auf der einen Seite stehen die Consumer-Geräte von Anbietern wie Acer, Asus, Dell, Fujitsu-Siemens, Gericom, Medion, Panasonic, Sony oder Targa. Auf der anderen Seite finden sich Systeme für den Business-Sektor, vor allem von IBM, gefolgt von HP und Toshiba.

Während HP und Toshiba mit einigen besonders kostengünstigen Baureihen mehr oder weniger erfolgreich versuchen, auch im Segment der Billigheimer mit zu mischen, bedienen die Thinkpad-Baureihen von IBM/Lenovo ausschließlich den Profi-Sektor. Das zeigt sich unter anderem daran, dass kein anderer Hersteller weltweit so viele Patente auf mobile IT-Technologien angemeldet hat wie IBM. Auch haben die Thinkpad-Baureihen über die Jahre hinweg mehrere hundert Preise der Fachpresse für herausragende Eigenschaften gewonnen.

Die Profi-Geräte aller Hersteller bestehen aus hochwertigeren Komponenten, besseren Gehäusen, weisen eine bessere Verarbeitung auf und bieten in aller Regel auch eine längere Ersatzteilversorgung. Wer schon einmal versucht hat, für ein fünf Jahre altes Notebook eines Billiganbieters eine neue CPU oder ein neues Motherboard zu bekommen, weiß davon ein Lied zu singen. Zudem betätigen sich Hersteller wie IBM und HP zum Teil bereits seit Jahren aktiv im Linux-Segment. Sie testen und zertifizieren ihre Geräte auch für Linux, so dass man hier eine gute Kompatibilität erwarten darf. Last but not least ist auch der Wiederverkaufswert von Profigeräten, speziell jener von IBM, deutlich höher als der anderer Marken.

Online-Händler

Durch die rasante Verbreitung des Internets haben sich inzwischen in großer Zahl Online-Händler etabliert, die gebrauchte Notebooks feilbieten. Bei den Gebrauchtgeräten handelt es sich nahezu ausschließlich um Geräte der Hersteller Dell, Fujitsu-Siemens, HP, IBM und Toshiba. Bei den Geräten handelt es sich überwiegend so genannte Leasing-Rückläufer: also Systeme, die aus ausgelaufenen Verträgen vom Leasingnehmer nicht übernommen wurden.

Die Remarketer kaufen solche Geräte international auf, was man beispielsweise daran erkennt, dass die Notebooks nicht über eine deutsche Tastatur verfügen. Diese ausländische Tastatur – gelegentlich sogar mit anderer Tastenanzahl – wird dann „umgelabelt“, also mit deutschen Aufklebern versehen. Manche Geräte verfügen auch über eine in Deutschland nicht übliche Ausstattung: So bieten längst nicht alle Systeme, die aus den USA oder Japan stammen, die gleiche Hardware wie deutsche Geräte. Dies betrifft insbesondere Komponenten der Kommunikation, also Modems, LAN- und WLAN-Karten: Teils operieren sie nach US-Standard, teils fehlen sie ganz.

Die auf diese Weise recycelten Maschinen bieten die Händler sodann online an. Dabei nutzen sie verschiedenste Vertriebswege: So landen die Rechner sowohl im Onlineshop des Händlers als auch in Internet-Foren und Auktionshäusern wie Ebay. Dass ein Webshop diverse Geräte anpreist, bedeutet noch lange nicht, dass diese Systeme auch beim Händler im Lager liegen. Weist der Onlineshop längere Lieferzeiten aus (etwa acht oder zehn Tage), so heißt das in der Regel, dass der Händler das gewünschte Gerät erst bestellen muss. Ist es dann beim Hersteller vergriffen, muss der Kunde möglicherweise noch länger warten, falls er nicht den Auftrag stornieren kann.

Testabwicklung

Unsere Testkäuferin – eine Hochschuldozentin im Fremdsprachenbereich – entscheidet sich als Linux-Einsteigerin zum Kauf eines gebrauchten IBM Thinkpads. Das Anforderungsprofil ist klar umrissen: Das Gerät soll neben der Nutzung des Internets in erster Linie Übersetzungen in Fremdsprachen sowie Nachbearbeitungen digital aufgenommener Fotos ermöglichen, wobei die Übersetzungen im Zwei-Fenster-Betrieb, mit deutschem Text auf der einen Seite und fremdsprachlichem Text daneben, dargestellt werden sollen. Da vor Ort kein entsprechendes Angebot vorhanden und unsere Testkäuferin zusätzlich allem Neuen gegenüber aufgeschlossen ist, entscheidet sie sich zum Kauf über das Internet.

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