Aus LinuxUser 01/2007

Astronomie mit dem PC: Cartes du Ciel 3 Beta

Zeig mir die Sterne

Um sich am nächtlichen Sternenhimmel zurechtzufinden, haben inzwischen auch Linux-User die Qual der Wahl an Astronomie-Software. Neuester Stern am Linux-Himmel ist Cartes du Ciel.

Sicherlich haben Sie sich manchmal schon nachts an einem sternenübersäten Himmel erfreut und sich gefragt, wie wohl der helle Stern dort oben heißt; oder ist es ein Planet? Nicht nur diese Frage lässt sich mit dem Programm Cartes du Ciel (CdC) klären. Wie der Name bereits andeutet, handelt es sich dabei um das Werk eines französischsprachigen Programmierers, genauer gesagt, eines Schweizers. Amateurastronom Patrick Chevalley stammt aus der französischen Schweiz und betritt mit Version 3 seines Astronomieprogramms erstmals die Linux-Welt.

Er stellt auf der speziell für die neue Version 3 kreierten Homepage [1] RPM- und DEB-Pakete sowie ein distributionsunabhängiges Tar-Archiv seines Programms zur bereit. Die Dateigröße von gut sieben MByte lässt auch die Benutzer eines analogen Modems nicht allzulange warten; auf CD-ROM gibt es Cartes du Ciel 3, im Gegensatz zu der Vorgängerversion 2.76, (noch) nicht – außer auf unserer aktuellen Heft-CD.

Einfache Installation

Mit den Paketen von der Heft-CD sollten Sie CdC ohne größere Probleme installieren können. Die Applikation benötigt lediglich Libsqlite Version 3 oder einen MySQL-Server als relationale Datenbank, welche die meisten Distributionen schon enthalten. Nach dem Programmstart präsentiert sich CdC aufgeräumt, mit den wichtigsten Funktionen links, rechts und oben um die Himmelskarte angeordnet.

Wie in Abbildung 1 zu sehen, erlaubt es CdC den Benutzern, mit mehreren Fenstern zu arbeiten. Damit Sie den Überblick auf ihrem Desktop nicht verlieren, ordnet CdC diese immer innerhalb des Hauptfensters ein. Die Konfigurationseinstellungen im Setup-Dialog wirken immer global auf alle Unterfenster (etwa Datum, Zeit, Standort), Veränderungen mittels Toolbar oder Maus (zum Beispiel Zeitsprünge, Beobachtungsrichtung, Blickfeldgröße, Anzahl der Sterne) wirken dagegen nur auf das aktive Fenster.

Abbildung 1: Die ansprechend gestaltete Himmelskarte, hier vertikal aufgeteilt. Über die Toolbar haben Sie zahlreiche Möglichkeiten, die Ansicht zu verändern.
Abbildung 1: Die ansprechend gestaltete Himmelskarte, hier vertikal aufgeteilt. Über die Toolbar haben Sie zahlreiche Möglichkeiten, die Ansicht zu verändern.

Umfangreiche Konfiguration

Nachdem Sie CdC zum ersten Mal gestartet haben, setzen Sie die ersten Konfigurationsparameter. Sie erreichen den entsprechenden Dialog über den Menüpunkt Setup | Configuration (Abbildung 2). Er bietet viele Abschnitte für detaillierte Einstellungen, wobei Sie sich wohl zunächst dem Beobachtungsdatum samt Uhrzeit und Beobachtungsort widmen wollen.

Abbildung 2: Das umfangreiche Konfigurationsfenster. Per Weltkarte wählen Sie hier etwa Ihren Beobachtungsort aus.
Abbildung 2: Das umfangreiche Konfigurationsfenster. Per Weltkarte wählen Sie hier etwa Ihren Beobachtungsort aus.

Schon die Einstellung des Beobachtungsortes geschieht recht komfortabel: Entweder picken Sie einen Ort aus der (zoombaren) Weltkarte auf, wählen aus einer umfangreichen Länder- und Städteliste oder geben die Koordinaten direkt ein. Dabei können Sie neu eingegebene Orte gleich speichern.

Cartes du Ciel berücksichtigt auch den Luftdruck und die Temperatur zur Berechnung der atmosphärischen Lichtbrechung und damit der korrekten Höhe der Gestirne über dem Horizont. Das Beobachtungsdatum darf sich im Bereich von -20?000 bis +20.*000 Jahren bewegen (mit Berücksichtigung der Präzession), wobei das Programm die Planetenpositionen „nur“ für den Zeitraum von 3000 vor Christus bis 3000 nach Christus berechnet.

Der Bereich für Datum und Uhrzeit im Setupdialog ermöglicht zusätzlich die Berechnung der Bewegung von Objekten des Sonnensystems am Himmel: Nach der Eingabe des Zeitintervalls und der gewünschten Anzahl an Positionen zeichnet CdC die scheinbaren Bahnen der im gewählten Himmelsausschnitt sichtbaren Planeten, Kometen und Asteroiden vor dem Sternenhintergrund.

Sie haben dabei die Wahl, welche Objekte Sie tatsächlich sehen wollen – zum Beispiel nur Kometen. Wie in Abbildung 3 zu sehen, zeichnet CdC Kometen je nach Gusto entweder möglichst realistisch, wobei es die geschätzte Schweiflänge und -richtung darstellt, oder auch einfach als Symbol. Asteroiden erscheinen dagegen nur als Symbol oder als ein der Helligkeit entsprechendes Scheibchen.

Abbildung 3: Auch die Darstellung von Kometen (mit möglicher Schweifentwicklung) unterstützt Cartes du Ciel. Hier sehen Sie den Kometen 4P/Faye.
Abbildung 3: Auch die Darstellung von Kometen (mit möglicher Schweifentwicklung) unterstützt Cartes du Ciel. Hier sehen Sie den Kometen 4P/Faye.

Im Setupfenster aktivieren Sie zudem die Objektkataloge für Sterne, Nebel oder Galaxien. Neben optischen Feinheiten wie Farbzuordnungen oder Größe und Art der Schriften bestimmen Sie im Konfigurationsdialog auch die Größe der Sternscheiben und legen fest, ob CdC Deep-Sky-Objekte und Planeten lediglich als geometrische Formen oder realistisch zeichnen soll. CdC zeigt wahlweise auch die Namen von Sternbildern und Sternbildfiguren sowie deren Grenzen an. Zudem bestimmen Sie, ob CdC die Milchstraße darstellen und ausfüllen soll.

Wollen Sie zusätzliche Daten von Asteroiden oder Kometen aktivieren, müssen Sie dies auch im Setupdialog erledigen. Das gilt sowohl für die von CdC mitgelieferten als auch für im Internet oder von der Heft-CD heruntergeladene Dateien.

Dem Himmel so nah

Kommen wir nun zur Sternkarte und deren Bedienung. Cartes du Ciel stellt die Himmelskarte grundsätzlich in vier verschiedenen Koordinatensystemen dar: äquatorial, azimutal, ekliptikal oder galaktisch. Äquatorial entspricht der Darstellung eines typischen Sternatlanten. Es gibt also keinen Horizont; Datum und Uhrzeit haben keinen Einfluss auf die Sichtweise. Beim azimutalen System dagegen wird der Sternenhimmel so dargestellt, wie ihn der Beobachter an einem bestimmten Ort zu einem gegebenen Zeitpunkt sieht.

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