Aus LinuxUser 10/2006

Bildschirmvideos mit Demorecorder auzeichnen (Seite 2)

Hör mal

Damit die Software auch gleich den Sound aufzeichnet, müssen Sie erst die Lautstärkeregler für Ihr Mikrofon öffnen. Unter KDE geben Sie zum Beispiel kmix ein, um den Mixer aufzurufen, die Regler tragen unter Gnome und Xfce dieselben Namen. Sie öffnen die Regler Master, PCM und Mic, unter KDE aktivieren Sie auch die grünen und roten Lämpchen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Um das Mikro zu benutzen, öffnen Sie es zunächst. Im Mixer ziehen Sie die dazu notwendigen Regler auf.
Abbildung 3: Um das Mikro zu benutzen, öffnen Sie es zunächst. Im Mixer ziehen Sie die dazu notwendigen Regler auf.

Zusätzlich schalten Sie die Option Mic Boost (+20 dB) ein, um den Lautstärkepegel für die Aufnahme zu erhöhen. Den Erfolg Ihrer Bemühungen sehen Sie, wenn Sie im Demorecorder-Fenster auf Record klicken und der kleine Balken unter rec level ausschlägt, sobald Sie ins Mikro sprechen. Wenn Sie auf Break drücken, beendet der Demorecorder seine Aufnahme, ein Klick auf Save speichert den Screencast. Nach dem Speichern spielen Sie das gerade aufgezeichnete Material über Play wieder ab. Wollen Sie eine Aufnahme löschen, wechseln Sie in das Verzeichnis ~/demorec und löschen den Ordner rekursiv über den Befehl cp -R. Ein Blick in einen der Ordner offenbart, dass die Daten zunächst im Format dispRec vorliegen. In dieser Form können Sie nichts damit anfangen, also verwandeln Sie die aufgezeichnete Sequenz nun über die Konsole in ein Filmformat.

Kleine Helfer

Im Verzeichnis /opt/DemoRecorder/bin finden Sie Skripte wie demorec-to-avi oder demorec-to-mpeg4, die aus dem Rohmaterial eine AVI- oder MPEG-Datei erzeugen. Den Skripten geben Sie wahlweise Parameter mit: Starten Sie ein Skript mit der Option --help, um mehr über die Auswirkungen dieser Parameter zu erfahren. Die Option --sound-volume hilft zum Beispiel, die Lautstärke einer Aufnahme nachträglich zu korrigieren. Rufen Sie die Skripte mit folgender Syntax auf:

./demorec-to-avi /home/User/demo?
rec/Daten /home/User/Demo.avi

Bei Daten handelt es sich um den Quellordner mit den Rohdaten, der Film heißt hier Demo und landet im AVI-Format in Ihrem Homeverzeichnis. Geben Sie unbedingt die Endungen avi, mpg oder flv für die erzeugten Dateien an; andernfalls misslingt die Transformation.

Fescher Flasher

Um einen Flash-Film zu erzeugen, bietet Ihnen Demorecorder zwei Möglichkeiten: Sie generieren den Film entweder mit oder ohne integrierten Player. Im ersten Fall erscheint der Film zusätzlich mit einem Bedienfeld, über das Sie ihn anhalten und die Lautstärke regeln. Folgendes Kommando erzeugt drei Dateien mit den Endungen flv, html und swf:

./demorec-to-flv-with-player?
 /home/User/demorec/Daten?
 /home/User/flash.flv

Die Auflösung das Flash-Films ändern Sie über zusätzliche Parameter, die Sie über den Aufruf der Option --help kennenlernen. Der Parameter --output-sound-bitrate verbessert die Sprachqualität, die standardmäßig bei 64 kbit/s liegt. Die Option --no-logo blendet das Demorecorder-Logo im fertigen Flash-Film aus. Um den Flash-Film zu betrachten, braucht Ihr Browser ein Flashplayer-Plugin (siehe Kasten „Flashplayer für den Browser“). Zusätzlich müssen die drei Dateien auf einem Webserver laufen.

Flashplayer für den Browser

Während es für Windows- und Mac-Anwender bereits den Adobe Flashplayer 9 gibt, müssen sich Linux-Anwender noch mit der Version 7 begnügen, die auf der Adobe-Webseite zum Herunterladen [4] bereit steht. Nach dem Download entpacken Sie den Player über tar xvzf install_flash_player_7_linux.tar.gz, wechseln in das Unterverzeichnis und starten die Installation mit ./flashplayer-installer. Nach Beantwortung einiger Fragen legt der Installer zwei Dateien im Verzeichnis /home/User/.mozilla/plugins ab. Kopieren Sie diese mit Root-Rechten in das Plugin-Verzeichnis für Ihren Browser, zum Beispiel /usr/lib/mozilla/plugins.

Deshalb installieren Sie über Ihren Paketmanager den Webserver apache2 und kopieren danach die drei erzeugten Dateien in das Verzeichnis /var/www/. Sie rufen den Film auf, indem Sie einen Browser öffnen und http://127.0.0.1/Flash.html eingeben, wobei Sie Flash durch den Namen Ihrer erzeugten HTML-Datei ersetzen.

Fazit

Mit dem Demorecorder zeichnen Sie komfortabel Bildschirmaktionen auf und erstellen Screencasts mit Soundunterstützung. Das kommerzielle Programm arbeitet zuverlässig und ist einfach zu handhaben.

Allerdings gibt es auch ein paar Kleinigkeiten zu bemängeln: So stört es ein wenig, dass man alte Aufnahmen nicht direkt überschreiben darf, so dass bei jeder Aufnahme eine neue Datei entsteht. Auch die Ausflüge auf die Kommandozeile goutieren sicher nicht alle Nutzer: Eine GUI, die das Umwandeln der Rohdaten in Filme per Knopfdruck erledigt, wäre benutzerfreundlicher.

Dass die Dokumentation auf der Webseite recht spärlich ausfällt, ist zwar schade. Allerdings macht der Anspruch auf deutsch- und englischsprachigen E-Mail-Support, den Sie beim Kauf einer Version erhalten, diesen Mangel wieder wett. Die Software läuft insgesamt sehr stabil, die Ergebnisse können sich tatsächlich sehen lassen: Es gibt keine Ruckler oder Aussetzer, Ton und Bild laufen synchron.

Insgesamt fällt das Urteil also positiv aus: Wer regelmäßig Screencasts erstellen will, ohne dabei Stunden mit dem Synchronisieren von Bild und Ton zu verbringen, der kommt zur Zeit nicht an Demorecorder vorbei.

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