Aus LinuxUser 08/2006

Anwendungsbeispiele zu LaTeX und PDF (Seite 2)

Wenn Sie Attachfile noch nicht installiert haben, finden Sie es auf der Heft-CD unter LinuxUser/latex/attachfile oder laden es unter [3] herunter. Zuerst entpacken Sie das ZIP-Archiv in ein beliebiges Verzeichnis und geben den Befehl tex attachfile.ins auf der Kommandozeile ein. Legen Sie dann im Verzeichnis texmef Ihrer LaTeX-Installation (beispielsweise /usr/local/share/texmf) das Unterverzeichnis tex/latex/attachfile an – gewöhnlich benötigen Sie dazu Root-Rechte – und kopieren die Datei attachfile.sty hinein. Abschließend führen Sie das Kommando mktexlsr aus.

In Listing 3 finden Sie ein Beispieldokument, mit dem Sie das neue Paket testen können. Es bindet den Quelltext aus der Datei attach01.tex ein. In einer daraus erzeugten PDF-Datei zeigt Acrobat Reader ein kleines Pin-Symbol an. Version 6 des Acrobat Reader bietet die Möglichkeit, den Anhang als separate Datei abzuspeichern, Version 7 bringt ihn als Liste in einem eigenen Unterfenster auf den Bildschirm.

Listing 3

\listfiles
\documentclass[]{article}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[latin1]{inputenc}
\usepackage{attachfile}
\begin{document}
\attachfile{attach01.tex}
\end{document}

Beim Einbinden der Anhänge haben Sie die Wahl zwischen den vier vordefinierten Symbolen Graph, Pushpin, Paperclip und Tag (siehe Abbildung 1). Diese Miniaturgrafiken färben Sie mit der Option color={RotGrünBlau} auf Wunsch ein, wobei die Rot-, Grün und Blau-Anteile jeweils zwischen Null und Eins liegen.

Abbildung 1: PDF-Dateien versehen Sie auf Wunsch mit Anhängen. Vier vorgefertigte Symbole stehen zur Auswahl, mit denen der PDF-Betrachter auf Attachments hinweist.
Abbildung 1: PDF-Dateien versehen Sie auf Wunsch mit Anhängen. Vier vorgefertigte Symbole stehen zur Auswahl, mit denen der PDF-Betrachter auf Attachments hinweist.

Das Attachfile-Paket kann noch mehr: Sie nutzen bei Bedarf auch eigene grafische Symbole und setzen beispielsweise für alle angehängten Tabellen ein selbstgewähltes Icon ein. Die Datei, die das Symbol enthält, binden Sie mit der Option \textattachfile[]{tabelle.txt}{\includegraphics{tab}} ein. Dabei sucht \includegraphics zunächst nach einer Datei mit der Endung .pdf, dann nach .png und schließlich nach JPEG-Grafiken. Geben Sie den vollständigen Dateinamen an, um die Auswahl eindeutig festzulegen.

Wer statt grafischer Symbole einen beschreibenden Text bevorzugt, erreicht das über den Befehl \textattachfile[color={0 0 0.8}]{fragment.c}{Quelltextbeispiel}. Im PDF-Viewer erscheint nun der dunkelblau gefärbte und anklickbare Schriftzug Quelltextbeispiel. Optional fügen Sie dem Link mit der Option author={Vorname Name} auch den Namen des Autors hinzu.

Alternativ zum Acrobat Reader entpackt das Kommandozeilenwerkzeug Pdftk die Anhänge einer PDF-Datei. Es steht unter allen gängigen Distributionen zur Installation via Paketmanager bereit. Mit dem Aufruf:

pdftk attach01.pdf unpack_files?
 output dir

entpacken Sie die Anhänge der Datei attach01.pdf ins Verzeichnis dir, das bereits existieren muss.

Präsentationen mit der Beamer-Klasse

Die Klasse Beamer [4] kombiniert die Vorteile von LaTeX mit den Möglichkeiten einer Präsentation im PDF-Format. Sie bietet fertige Vorlagen für zahlreiche Zwecke wie Präsentationen auf Folienprojektoren und Video-Beamern an, die sich um eigene erweitern lassen. In Abbildung 2 sehen Sie am rechten unteren Bildrand die Symbole, über die Sie bei einer Präsentation durch die Folien navigieren.

Abbildung 2: Mit der Beamer-Klasse erstellen Sie aus LaTeX-Quelltext Präsentationen mit allen Möglichkeiten herkömmlicher Präsentationsprogramme.
Abbildung 2: Mit der Beamer-Klasse erstellen Sie aus LaTeX-Quelltext Präsentationen mit allen Möglichkeiten herkömmlicher Präsentationsprogramme.

Die meisten Befehle der Beamer-Klasse gleichen denen der Standardklassen, so dass der Einarbeitungsaufwand gering ausfällt. Zusätzlich zu den Standardelementen bietet Beamer beispielsweise die Möglichkeit, Elemente einer Folie wie in einem Präsentationsprogramm schrittweise einzublenden und unterschiedliche Arten der Druckausgabe festzulegen. Dazu bedient sich Beamer so genannter Themes (Vorlagen), die Vorgaben für Folientitel, Aufzählungen und die Navigation für ein Dokument global festlegen.

Listing 4 zeigt das Gerüst des Quelltextes der Präsentation aus Abbildung 2. Das Beispiel lädt zunächst die Klasse Beamer und bindet dann die Vorlage beamerthemelined ein. Die darauf folgenden Gliederungsbefehle erfüllen dieselben Funktionen wie in den Standardklassen.

Listing 4

\documentclass[german,notes]{beamer}
\mode<presentation>
\usepackage{beamerthemelined}
\usepackage{babel}
\usepackage[T1]{fontenc}
\usepackage[latin1]{inputenc}
\title{Anhänge an PDF-Dateien}
\author{Stefan Lagotzki}
\date{\today}
\begin{document}
\frame{\titlepage}
\section{Inhalt}
\begin{frame}
  \frametitle{Inhalt}
  \tableofcontents[pausesections]
\end{frame}
\section{Das Entpacken der Anhänge}
\subsection{Entpacken mit dem Adobe Reader}
\frame{}
\subsection{Entpacken mit pdftk}
\begin{frame}
\begin{itemize}
  \item<1-> Aufruf von pdftk
  \item<2-> Verarbeiten der Anhänge
\end{itemize}
\end{frame}
\end{document}

Die einzelnen Folien heißen im Beamer-Vokabular Frames. Diese definieren Sie als Umgebungen oder als Befehle. Die einzelnen Folien erhalten mit \frametitle einen Titel.

Die Beamer-Klasse ermöglicht es, PDF-Dokumente zu erzeugen, in denen auf einer Seite einzelne Elemente erst nach und und nach erscheinen. Es gibt zwei Möglichkeiten, eine solche Unterbrechung in die Präsentation einzufügen: Der Befehl \pause hält die Präsentation solange an, bis der Benutzer die nächste Folie aufruft. Eine Alternative bietet das Kommando \item, das innerhalb von Aufzählungen oder Nummerierungen in spitzen Klammern eine Zahl als Parameter entgegennimmt. Diese gibt die Reihenfolgen an, in der die Listenelemente auf den Bildschirm gelangen. Das folgende Beispiel blendet zuerst die Punkte A und C ein, nach dem Weiterblättern zusätzlich Punkt B:

\begin{itemize}
\item<1-> A
\item<2-> B
\item<1-> C
\end{itemize}

Sollen aus der Präsentation druckbare Folien entstehen, müssen darauf natürlich von Beginn an alle Punkte stehen. Die Klassenoption handout nimmt zu diesem Zweck die kompletten und druckbaren Folien in die PDF-Datei auf.

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