Aus LinuxUser 07/2006

Was taugt die neue „Suse“?

Roter Wind

In der April-Ausgabe des LinuxUser warfen wir einen Blick auf die Neuerungen der kommenden Suse-Version. Lesen Sie hier, ob die finale Version das Update Wert ist.

Am 12. Mai war es endlich soweit: Novell stellte Suse Linux 10.1 auf diversen Servern für i386, x86_64 und ppc zum Download bereit – zuerst nur als 5-CD-Version, inzwischen bieten die Mirrors auch DVDs an. Da die von der Redaktion getestete Beta-Version noch zahlreiche Fehler aufwies, haben wir die offizielle Version noch einmal gründlich evaluiert.

Installation und Hardware

Die Installation von Suse Linux 10.1 bereit auf aktuellen Rechnern keine Schwierigkeiten. Auch die Aktualisierung einer 10.0 verlief in unseren Tests problemlos, allerdings müssen Sie beim Update Abhängigkeitskonflikte einzeln auflösen. Bei einer umfangreichen Installation bedeutet das zahlreiche Klicks auf keep Paketname oder delete Paketname. Ein Button Alle behalten oder Alle löschen hätte hier manchem Anwender das Leben erleichtert. YaST richtet bei der Installation neu einen zufälligen Rechnernamen nach dem Muster linux-abcd ein. Das ist vor allem bei der parallelen Installation mehrerer Systeme in einem Netzwerk praktisch.

Die Hardware-Erkennung von Suse Linux arbeitet weiterhin zuverlässig. Dass Suse eine Hardware erkennt, bedeutet jedoch noch lange nicht, dass es diese auch unterstützt. Gerade bei WLAN-Treibern sieht es nicht allzu gut aus: Die Treiber für Realtek-Karten der Serien 2400 und 2500 lassen sich mit aktuellen Kerneln nicht übersetzen und fehlen daher bei Suse Linux 10.1. Auch nach Support für Atheros-Karten sucht man vergeblich. Hier lassen sich jedoch die Treiber von der Madwifi-Seite [1] ohne größere Probleme nachinstallieren, auch Packman hat bereits erste Kernelmodule in sein Repository aufgenommen. Wer die Treiber von Hand installieren möchte, dem hilft dabei eine Anleitung im Opensuse-Wiki [2] weiter. Für optimale WLAN-Unterstützung sorgt erst der neue Netzwerkmanager.

Treiber, die nicht Teil des offiziellen Kernels sind, bringt Suse Linux in einzelnen Paketen mit. Die WLAN-Treiber finden sich im Paket wlan-kmp-default, der Ndiswrapper im Paket ndiswrapper-kmp-default. Suse Linux unterstützt auch die 3945-Chipsätze von Intel. Die passende Firmware gibt es auf den Mirrors im Zweig non-oss-inst-source.

Datensperre

Wer Suse 10.1 in Verbindung mit mehreren Linux-Partionen nutzen will, den bremst die neue Sicherheitspolitik von Novell aus: Benutzer dürfen nur noch dann auf lokale Laufwerke zugreifen, wenn der Systemadministrator diese explizit in der Datei /etc/fstab einträgt. HAL verhindert anderenfalls das Einbinden solcher Partitionen. Erhalten Sie also beim Klick auf eine Festplattenpartition in Konqueror sogar als Root eine Fehlermeldung wie in Abbildung 1, müssen Sie keinen Fehlerbericht schreiben: Das ist kein Bug, sondern ein Feature…

Abbildung 1: Neues Sicherheitsfeature: Das Einhängen lokaler Partitionen ist in der Grundeinstellung verboten.
Abbildung 1: Neues Sicherheitsfeature: Das Einhängen lokaler Partitionen ist in der Grundeinstellung verboten.

Dank Open Source lässt sich diese Vorsichtsmaßnahme aber leicht umgehen: Ändern Sie in der Datei /usr/share/hal/fdi/policy/10osvendor/99-storage-policy-fixed-drives.fdi in Zeile 7 den Eintrag < ... type="bool">true</merge> zu < ... type="bool">false</merge> und starten Sie danach den HAL-Daemon als root mit dem Befehl rchal restart neu.

Keine Sperre, aber zumindest eine Schranke hat Novell auch dem Online-Update (YaST Online Update, YOU) eingebaut. Es funktioniert erst dann, wenn Sie Ihren Rechner nach einer Art Registrierung bei den zentralen Novell-Servern angemeldet haben. Dazu dient das YaST-Modul Online Update Configuration. Viele Linux-Benutzer reagieren auf das Stichwort Registrierung allergisch. Bevor Sie uns deshalb einen Leserbrief schreiben, sei hier erwähnt, dass der Hauptzweck der Anmeldung darin besteht:

  • Hardware-Daten zu sammeln (in erster Linie für den Business-Support) und
  • einen festen Update-Server einzurichten, der sich in Ihrer geografischen Nähe befindet (bisher wählte das Online-Update zufällig einen Mirror aus einer vorgegebenen Liste).

Möchten Sie auf die Registrierung verzichten, tragen Sie im YaST-Modul Installationsquelle wechseln einfach den gewünschten YOU-Server ein.

Xgl und Gnome

Für Gnome-Liebhaber ist Suse Linux 10.1 eine gute Wahl, obwohl es nicht das aktuelle Gnome 2.14, sondern die Vorgängerversion 2.12 mitbringt. Der Desktop macht dennoch einen frischen Eindruck und arbeitet spürbar schneller als KDE. Gnome als KDE-Ersatz zu preisen, wäre aber etwas viel versprochen: So gibt es zum Beispiel unter Gnome kein GUI, um die Mount-Optionen externer Festplatten einzurichten, den hilfreichen Übersichtsdialog unter der Adresse sysinfo:/ (Abbildung 2) sucht man im GNU-Desktop vergeblich. Auch für K3b oder KPowersave gibt es immer noch keine adäquaten Gnome-Programme.

Abbildung 2: Nur mit Konqueror zu haben: Der nützliche Übersichtsbildschirm von Suse Linux 10.1.
Abbildung 2: Nur mit Konqueror zu haben: Der nützliche Übersichtsbildschirm von Suse Linux 10.1.

Gnome bietet sich auch dann als Standard-Desktop an, wenn Sie Xgl – die 3D-Oberfläche von Novell – ausprobieren möchten. Besitzer einer unterstützten Grafikkarte können sich so über den Cube und zahlreiche 3D-Spielereien freuen, auf die Windows-Benutzer noch lange warten müssen. Das Setup muss zwar von Hand erfolgen, es sollte aber auch Anfänger vor keine allzugroßen Probleme stellen. Eine Anleitung inklusive Tipps für einzelne Grafikkarten findet sich im Opensuse-Wiki [3]. Xgl funktioniert zwar auch unter KDE, allerdings nur mit Einschränkungen: So müssen Sie als Fensterleiste die Gnome-Fensterdekoration verwenden, und der Arbeitsflächenumschalter des KDE-Panels kommt mit Xgl nicht klar.

Nicht gut genug

Novell hat es endlich geschafft, die Lizenzvereinbarung ins Deutsche zu übertragen. Nach dieser großen Anstrengung strich man den Nürnbergern wohl das Budget für weitere Übersetzungen. So sind zum Beispiel die Hinweise zur aktuellen Version eine sprachliche Katastrophe: Überschriften in Deutsch, Texte in Deutsch/Englisch gemischt. Dabei standen die finalen englischen Texte bereits mehrere Wochen vor der Release zur Verfügung – Zeit zur Übersetzung wäre also genügend geblieben.

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