Aus LinuxUser 06/2006

Professioneller Textsatz mit LaTeX – Teil 3 (Seite 2)

Es existieren zwei Befehle, die Teildokumente ins Hauptdokument einbinden: \input und \include. Geben Sie an der Stelle eines Dokuments, an der der Inhalt einer anderen LaTeX-Datei erscheinen soll, den Befehl \input{Dateiname} oder \include{Dateiname} ein. Das Kommando \input darf an allen Stellen des Dokumentes auftauchen, auch im Vorspann. Dagegen steht \include immer im Textteil eines Dokumentes, also zwischen \begin{document} und \end{document}.

Im Unterschied zu \include erlaubt \input rekursive Anwendung. Das heißt, ein mit \input eingebundenes Teildokument, darf mit \input wiederum weitere Dateien einlesen.

Literaturverzeichnisse mit BibTeX

Literaturverzeichnisse erstellen Sie mit dem Programm BibTeX. Die Literaturangaben schreiben Sie in eine oder mehrere Textdateien der Endung .bib. Darin befinden sich die bibliografischen Daten: also Autor, Titel, Untertitel, Erscheinungsjahr und Verlag der Werke, auf die Sie in einem Text referenzieren.

Die Einträge des Literaturverzeichnisses müssen dabei einer festen Syntax folgen. Es kann sich bei ihnen um Bücher, Artikel, Aufsätze, Internet-Adressen oder beliebige andere Publikationen handeln. Jedes Werk in den .bib-Dateien erhält einen eindeutigen Bezeichner, auf den Sie im LaTeX-Dokument verweisen. Ein Beispiel für die Einträge eines Literaturverzeichnisses finden Sie in Listing 1.

Listing 1

@article{ReSc04,
 author = {{Reinefeld, Alexander und Florian Schintke}},
 title = {Grid Services. Web Services zur Nutzung verteilter Ressourcen},
 journal = {Informatik Spektrum},
 number = {2},
 year = {2004},
 volume = {27}
}
@Book{KopkaLaTeX05,
 editor = {{Kopka, Helmut}},
 title = {LaTeX Band 1: Einführung},
 publisher = {Pearson Studium},
 year = {2005},
 edition = {Dritte Auflage}
}

Um im Text einen Eintrag im Literaturverzeichnis zu referenzieren, verwenden Sie den Befehl \cite{Bezeichner}. Die Verzeichnisdatei selbst binden Sie mit \bibliography{BibDatei1, BibDatei2, ...} ein. Die Arbeitsweise mit BibTeX folgt immer dem folgenden Schema:

  • LaTeX-Durchlauf des Dokuments, das die Referenzierungen mit dem cite-Befehl enthält: latex dokument.tex. Dabei entsteht eine .aux-Datei mit den Kürzeln der zitierten Werke.
  • BibTeX-Durchlauf: bibtex dokument.tex. Der Befehl erzeugt aus den .bib-Dateien eine .bbl-Datei mit den formatierten Einträgen des Literaturverzeichnisses.
  • Erneuter LaTeX-Durchlauf mit latex dokument.tex. Er liest die .bbl-Dateien ein.
  • Abschließender LaTeX-Durchlauf, um alle Referenzen aufzulösen: latex dokument.tex

Das Aussehen des Literaturverzeichnisses bestimmen Sie ebenfalls selbst. Dazu binden Sie eine der zahlreiche Stildateien mit der Endung .bst über das Kommando \bibliographystyle{Stil} ein. Welcher Stil Ihnen am besten gefällt, ist natürlich Geschmackssache – weit verbreitet sind beispielsweise plain und unsrt.

PDF-Dokumente aufwerten

LaTeX bietet vielfältige Möglichkeiten, PDF-Dokumente aufzuwerten. Beispielsweise setzt es Dokumentinformationen (Abbildung 2) und hebt Links, Internet-Adressen, Zitate und ähnliches farblich hervor. Dazu binden Sie im Vorspann Ihrer Dokumente das Erweiterungspaket hyperref[3] ein. Das Kommando \usepackage[Optionen]{hyperref} sollte nach allen anderen \usepackage-Kommandos des Dokuments stehen, da es einige LaTeX-Befehle und -Definitionen ändert.

Abbildung 2: Mit Hilfe des Pakets <code>hyperref</code> gelangen Dokumentinformationen auch in PDF-Dateien.
Abbildung 2: Mit Hilfe des Pakets hyperref gelangen Dokumentinformationen auch in PDF-Dateien.

Eine Besonderheit des hyperref-Pakets besteht darin, dass Sie sein Verhalten nicht nur über das Optionsfeld des \usepackage-Befehls steuern, sondern auch mit Hilfe von \hypersetup{Optionen}. Listing 2 führt ein beispielhafte hyperref-Konfiguration auf.

Listing 2

\usepackage[
 ps2pdf,
 bookmarks=true,
 colorlinks,
 linkcolor=blue,
 urlcolor=blue,
 citecolor=blue]{hyperref}
\hypersetup{% ä=\344, ö=\366, ü=\374, Ä=\304, Ö=\326, Ü=\334, ß=\377
 pdftitle={Textsatz mit LaTeX},
 pdfauthor={Katrin Jost, Christian Baun},
 pdfsubject={Teil 3},
 pdfkeywords={PDF, LaTeX},
 pdfcreator={LaTeX},
 pdfproducer={LaTeX mit hyperref}
}

Zudem ermöglicht hyperref, Links auf Internet-Adressen (URLs), E-Mail-Adressen oder andere Dateien in PDF-Dateien einzufügen. Dafür existiert der Befehl \href{LinkAdresse}{LinkText}:

\href{http://www.linux-user?
.de}{LinuxUser}
\href{mailto:benutzer@linuxuser?
.de}{Vorname Nachname}

Die Farbe der Links in einem PDF-Dokument legen Sie mit den Optionen beim Aufruf von hyperref oder im Befehl \hypersetup fest. Die weiteren Möglichkeiten, PDF-Dateien mit LaTeX zu gestalten, stellt der nächste Teil des LaTeX-Workshops vor.

Präsentationen und Folien

Die Dokumentklasse beamer ermöglicht, Präsentationen und Folien zu erzeugen. Der Befehl \frame{} enthält auf Wunsch mehrere übereinander liegende Seiten, von denen einige zunächst unsichtbar oder transparent sind. Die unsichtbaren Abschnitte umfassen beispielsweise Aufzählungspunkte, die nacheinander auf der Präsentation erscheinen sollen. Auch eine Version zum Ausdrucken und Verteilen auf Papier, die sämtliche Punkte enthält, erzeugt beamer automatisch. Die Homepage von LaTeX-Beamer [4] enthält Beispiele, die die Möglichkeiten demonstrieren.

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