Aus LinuxUser 06/2006

GNU-Desktop runderneuert (Seite 2)

Epiphany und Evolution

Den Web-Browser Epiphany befreiten die Entwickler von unnötigem Ballast, was die Ladezeit für HTML-Seiten deutlich verkürzt. Auf ein Parallelinstallation von Mozilla oder Firefox kann man nun verzichten: Epiphany greift direkt auf XULRunner [8] zu, den Kern von Mozilla/Firefox. Mithilfe des Pakets Network-Manager erkennt der Browser automatisch den Netzwerkstatus (Online/Offline) erkennen, was besonders für Laptop-Nutzer von großem Vorteil ist. Die neue Version besticht durch „intelligente“ Lesezeichen (Abbildung 5). Epiphany ordnet diese nicht wie andere Web-Browsern hierarchisch, sondern nach Themen. Ein Lesezeichen kann auch zu mehreren Themen gehören. Daher warnt Epiphany, falls man ein Lesezeichen für die selbe Adresse mehrfach anzugelegen versucht.

Bei Evolution nahmen die Entwickler die Ladezeiten genauer unter die Lupe – bei einem Code-Umfang von über einer halben Million Zeilen kein leichtes Unterfangen. Dennoch konnten sie den Code straffen und so die Wartezeit beim Start verkürzen. Trotzdem bleibt noch einiges an Arbeit zu tun – in der nächsten Release soll Evolution noch effizienter und einfacher in der Bedienung werden.

Dem Evolution-Groupware-Client spendierten die Gnome-Entwickler jetzt die schon vor einem halben Jahr angekündigte CalDAV-Unterstützung. So kooperiert der Client jetzt problemlos mit verschiedensten Groupware-Serven inklusive dem freien Hula [9]. Desweiteren unterstützt Evolution in der neuesten Version Memo-Einträge (VJOURNAL) in iCal-Dateien.

Abbildung 5: Epiphanys intelligente Lesezeichenverwaltung in Aktion.
Abbildung 5: Epiphanys intelligente Lesezeichenverwaltung in Aktion.

Desktop unter Kontrolle

In der neuesten Version des Gnome-Kontrollzentrums flossen einige kleinere, aber wichtige Erweiterungen ein. Der Konfigurationsdialog Bevorzugte Anwendungen stellt die Optionen für Webbrowser, E-Mail-Client und Terminal-Programm nun übersichtlicher dar (Abbildung 6). Gleiches gilt für den Dialog Audio-Einstellungen. Die Klänge, die bei einer Aktion wiedergegeben werden sollen, lassen sich nun präziser einstellen (Abbildung 7).

Abbildung 6: Der Dialog <code>Bevorzugte Anwendungen</code> stellt die Optionen nun übersichtlicher dar.
Abbildung 6: Der Dialog Bevorzugte Anwendungen stellt die Optionen nun übersichtlicher dar.
Abbildung 7: Der Dialog <code>Audioeinstellungen</code> wirkt nun aufgeräumter und ist einfacher zu bedienen.
Abbildung 7: Der Dialog Audioeinstellungen wirkt nun aufgeräumter und ist einfacher zu bedienen.

Einige Distributoren stellen dem Kontrollzentrum ein neues Programm zur Seite, mit dessen Hilfe man die Stromsparfunktionen eines Laptops besser nutzen kann. Die Energieverwaltung bietet Optionen, wie man sie bisher nur von Windows oder Mac OS X gewohnt war: etwa das Dimmen des Screens bei Inaktivität. In Zukunft sollen weitere Funktion in das Programm einfließen. HAL[7] bietet eine gute Basis, um unabhängig von der eingesetzten Hardware das System bis in die kleinsten Winkel zu konfigurieren.

An die Stelle von XScreensaver, der bisher bei Gnome zur Konfiguration des Bildschirmschoners diente, tritt nun Gnome Screensaver (Abbildung 8). Man merkt den Programm allerdings sein jugendliches Alter an, derzeit bietet es nur drei Optionen an:

  • die Art und Motiv des Bildschirmschoners,
  • wann dieser aktiviert wird,
  • und ob nach der Aktivierung der Bildschirm gesperrt werden soll.
Abbildung 8: Der GnomeScreensaver löst in Gnome 2.14 den bisherigen XScreensaver ab.
Abbildung 8: Der GnomeScreensaver löst in Gnome 2.14 den bisherigen XScreensaver ab.

Das „Fast User-Switcher Applet“ alias FUSA ermöglicht einen Wechsel zwischen den Benutzerkonten, wie man das aus der Windows- und Mac-OS-X-Welt kennt. Den neuen Benutzer meldet es optional in einem XNest-Fenster an. Versucht man, zum Account eines bereits angemeldeten Benutzers zu wechseln, warnt das System und bietet den Abbruch der Aktion an. Dabei fügt sich FUSA nahtlos in Gnome ein und lässt sich auch aus dem Gnome-Panel bedienen.

Über das Applet lassen sich zudem Benutzer verwalten, der Anmeldebildschirm konfigurieren und die persönlichen Angaben bearbeiten.

Metacity

Auch der Standard-Fenstermanager Metacity hält in Gnome 2.14 einige Neuerungen bereit. Dazu zählt etwa der „Kantenmagentismus“: Die Desktop-Kanten ziehen in ihre Nähe geratende Fenster an, wodurch sich die Anwendungen auf dem Desktop schneller anordnen lassen. Fenster von entfernten Rechnern kennzeichnet der Fenstermanager mit einem entsprechenden Hinweis in der Titelleiste.

Daneben haben die Entwickler die Multimonitor-Unterstützung weiter ausgebaut. Dialoge fremder Toolkits erscheinen nun nicht mehr in der Mitte (also je zur Hälfte auf jedem Monitor), sondern komplett auf einem Bildschirm. Dabei spielt es keine Rolle, ob Xinerama aktiviert ist.

Ziel der neuen Version war auch, den brachliegenden Composition-Manager wieder zu reaktivieren und mit neuer Funktionalität auszustatten. Damit rüstet Metacity bestens für neue Gimmicks wie wobbelnde, transparente oder ausblendende Fenster auf. Erste Einblicke, was mit Metacity alles möglich ist, erlaubt Fedora Core 5 [10], das einen passenden X-Server [11] mitbringt. Einen ähnlichen Weg geht Novell, das jedoch Metacity durch Compiz [12] ersetzt.

GStreamer – satte Töne

Der Sprung auf die neue Version von GStreamer bringt allerhand Positives mit sich. Der Quasi-Standard unter den Multimedia-Frameworks für Linux zeigt sich jetzt dem produktiven Einsatz gewachsen. Gegenüber der Vergängerversion ist GStreamer stabiler, schneller und bietet eine weitaus bessere Synchronisation von Audio und Video. Plugins lädt er jetzt dynamisch nach, das Threading wurde deutlich verbessert.

LinuxUser 06/2006 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: