Aus LinuxUser 04/2006

Server-Distribution Eisfair

Size Watchers

Auf gerade einmal 20 MByte Umfang bietet die Server-Distribution Eisfair genug Substanz, um mit über 100 Anwendungen aus dem Betriebssystem einen modularen Tausendsassa zu machen.

Seit geraumer Zeit spielt Jörg L. schon mit dem Gedanken, endlich seinen im Regal verstaubenden Pentium-90-Rechner wieder einer nützlichen Verwendung zuzuführen. Um ihm ein unrühmliches Ende beim Elektroverwerter zu ersparen, könnte man den alten PC ja zum Server umfunktionieren – nur: womit? Moderne Distributionen überfordern den antiken Rechenknecht bei weitem. Ein schlankes Betriebssystem, das als Mail-Server mit Spamfilter, Entwicklungsplattform für Web-Auftritte oder Datenspeicher dient, wäre der zweite Frühling für diesen alten Rechner. Wehmütig erinnert sich Jörg an den winzigen Linux-Router fli4l [1] und denkt: „Der wäre genau das richtige, wenn…“ – ja, wenn es kein Router wäre.

Etwas ähnliches müssen sich auch die Entwickler gedacht haben, als sie das Projekt Eisfair aus der Taufe hoben. Die auf fli4l basierende Distribution besteht nach der Installation aus einem Grundsystem ohne besondere Fähigkeiten. Über einhundert Pakete, die Sie über die integrierte Paketverwaltung einspielen können, erlauben es Ihnen, das System den ganz persönlichen Vorstellungen anzupassen. Wie der Name der Distribution schon verrät (Easy Internet Server), zielt die Distribution auf das Anbieten von Server-Diensleistungen aller Art. Einige Anwendungsbeispiele im Überblick:

  • Web-Server
  • FTP/SFTP-Server
  • Mail-Server
  • News-Server
  • Name-Server
  • Datenbank-Server
  • Proxy-Dienste
  • Fax-Server
  • Telefonanlage/Anrufbeantworter
  • File-Server (Samba/NFS)
  • Print-Server

Trotz seiner vielseitigen Fähigkeiten verlangt Eisfair als minimale Hardware-Ausstattung lediglich eine CPU mit 66 MHz Taktrate, 32 MByte Arbeitsspeicher, eine 500 MByte große Festplatte sowie eine Netzwerkkarte.

Erstes Bild

Möchten Sie zum Einstieg testen, ob Eisfair das Richtige für Sie ist, starten Sie einen Probelauf im VMPlayer. Sie finden diesen zusammen mit dem benötigten Image auf der Heft-CD im Verzeichnis LinuxUser/eisfair/vmware. Vor dem Start kopieren Sie das Image auf die Festplatte zu kopieren, da VMPlayer anderenfalls nicht in der Lage ist, die notwendigen Log-Dateien zu schreiben und daher den Start verweigert.

Installation

Ist der elektronische Weggefährte von einst entstaubt und betriebsbereit, kann die Show beginnen. Legen Sie die Heft-CD ein und booten Sie den Rechner davon. Die Installationsroutine fragt zuerst nach eventuell vorhandenen SCSI-Karten, um gegebenenfalls das passende Modul mit zu installieren. Danach folgt die Wahl, auf welche Festplatte die Distribution zu installieren ist. Bei der folgenden Abfrage der Swap-Größe sollten Sie einen Wert angeben, der etwa der doppelten Größe des verwendeten Arbeitsspeichers beträgt.

TIPP

Eisfair beansprucht stets die gesamte zugewiesene Festplatte für sich. Die Distribution eignet sich also nicht für Dual-Boot-Systeme.

Mit der Eingabe der Passwörter für die User root, eis, halt und reboot schließen Sie die Installation ab. Die einzelnen Accounts zeichnen für unterschiedliche Aktionen zuständig: Ein Login des Users eis öffnet das Setup von Eisfair, root erhält die Bash-Shell, halt und reboot stoppen beim Einloggen den Rechner respektive starten ihn neu.

Ein Bug in der Installationsroutine verursacht bei einem Betätigen von [Eingabe] nach dem Abschluß der Installation eine Kernel-Panik. Das hat jedoch keinen negativen Einfluss auf die spätere Stabilität des installierten Systems.

Eisfair auf USB-Stick

Möchten Sie Eisfair nicht fest auf den Rechner einrichten, installieren Sie es alternativ auf einem USB-Stick. Dieser muss mindestens 128 MByte groß sein. Die USB-Variante beinhaltet nicht die integrierten Erweiterungen der bootfähigen Heft-CD, diese lassen sich jedoch bei Bedarf vom Online-Repository Pack-Eis [3] nachladen und installieren.

Um die USB-Version zu verwenden, brennen Sie das auf der Heft-CD befindliche ISO-Image eisfair-usb.iso auf eine CD, die Sie anschließend booten. Öffnen Sie dann bei eingestecktem Stick die USB-Optionen des BIOS. Der Stick muss als Massenspeicher erkannt werden, und eine Emulation als Festplatte möglich sein. Diese virtuelle Festplatte stellen Sie in der Boot-Reihenfolge an die erste Stelle. Ein Booten als virtuelles USB-ZIP-Drive ist nicht möglich.

Da die USB-Version über keine Swap-Partition verfügt, muss der Hauptspeicher des Rechners mindestens 128 MByte groß sein. Die Installation verläuft ebenso wie jene der Festplattenvariante, dauert jedoch etwas länger – etwa 15 Minuten. Um eine sichere Installation zu gewährleisten, sollten Sie vor Beginn der Installation eventuell vorhandene USB-Festplatten abklemmen.

Einstellungssache

Zum Einrichten des Rechners bringt Eisfair eine komfortable Konfigurationsoberfläche wahlweise im Text- oder Curses-Stil (Abbildung 1) mit.

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