Aus LinuxUser 03/2006

USB-Festplatte als Mediaplayer

© sxc.hu

Ungleiches Paar

Multimedia-Player mit interner Festplatte gibt es viele. Mit den Grab’n’Go-Produkten von Conceptronic existieren neuerdings auch externe Festplatten mit integriertem Multimedia-Player. LinuxUser hatte sie auf dem Prüfstand.

Grab’n’Go bedeutet frei übersetzt „packen und gehen“. Das Konzept Grab’n’Go-Player besteht denn auch darin, dass Sie Multimedia-Dateien einfach auf die USB-Festplatte packen und dann damit dahin gehen können, wohin Sie wollen. Dort schließen Sie die Platte an einen Fernseher, Videorecorder oder PC-Monitor an (nur beim CMED3PL160) und schon können Sie Ihre Bilder und Videos anschauen oder Musik hören.

Mal dick mal dünn

Die zwei Modelle von Conceptronic [1] unterscheiden sich nicht nur in der Kapazität der Festplatte, sondern auch in puncto Abmessungen und Features. So nimmt der kleinere CMED2PL40 gerade mal die Ausmaße einer DVD-Hülle an. Auch die Fernbedienung ist nicht viel größer als zwei Kreditkarten. Der größere CMED3PL160 gleicht vom Umfang und Gewicht her eher einem dicken Karl-May-Buch, als einer externen Festplatte. Zusätzlich zum Composite-Videoausgang verfügt er auch über einen S-Video- und einen VGA-Ausgang sowie einen Mikrofon-Eingang und einen optischen Ausgang. Die Fernbedienung zum Gerät unterscheidet sich kaum von den üblichen DVD-Player- oder TV-Fernsteuerungen. Weitere Informationen zu beiden Geräten finden Sie in der Tabelle „Technische Details“.

Technische Details

  Conceptronic CMED2PL40 Conceptronic CMED3PL160
 
Unterstützte Audioformate: MP3 MP3
Unterstützte Videoformate: MPEG1/2/4, XviD, AVI, (S)VCD, VOB MPEG1/2/4, XviD, AVI, (S)VCD, VOB
Unterstützte Bildformate: JPEG JPEG
Eingänge: USB 2.0 (OGT) USB 2.0 (OGT), Mikrofon
Ausgänge: Composite Video, Audio Composite Video, Audio, S-Video, VGA, digital Audio
Zubehör: Fernbedienung, Audio- und Videokabel, Scart-Stecker, USB-Kabel, OTG-Adapter wie CMED2PL40, optisches Kabel
Abmessungen (LxBxH): 16x11x1,7 cm 20×14,5×5 cm
Gewicht: ca. 320g ca. 1,1 kg
Preis: ca. 170 Euro ca. 190 Euro

Anschließen, kopieren

Für den Anschluss an den PC verfügen beide Player über eine USB 2.0-Schnittstelle, die mit dem beiliegenden Adapter auch als OTG-Anschluss benutzt werden kann. In unseren Tests erreichte die flotte 2,5-Zoll-Festplatte des kleineren Players laut Dateimanager Konqueror eine Schreibrate von guten 20 MByte pro Sekunde. Beim Lesen kam die Harddisk auf eine Durchsatzrate von 15 MByte/s. Die größere 3,5-Zoll Festplatte des CMED3PL160 erreichte beim Lesen ebenfalls 15 MByte/s, der Schreibvorgang verlief mit 19 MByte/s leicht langsamer.

Während die Notebook-Platte des kleineren Players die Spannungsversorgung über USB löst, benötigt die normale IDE-Harddisk des CMED3PL160 Strom aus der Steckdose. Der größere Player braucht aber nicht nur mehr Energie, sondern arbeitet wegen des Gehäuselüfters auch wesentlich lauter. Schade, dass Conceptronic hier an einem leisen Lüfter gespart hat. Die Aluminium-Abdeckung des Gehäuses lässt sich aber leicht öffnen und Sie können den Stecker des lästigen Lüfters ziehen. Bei einem 2-Stunden-Dauertest erwärmte sich die Samsung-Festplatte dabei nicht überdurchschnittlich, eine saubere Lösung ist dies allerdings nicht. Sie müssen zudem das berüchtigte Siegel mit der Aufschrift „Warranty void if seel is damaged“ durchbrechen.

So lange die Grab’n’Go-Player per USB mit einem Computer verbunden sind, sendet der Videoausgang kein Signal. Es ist also nicht möglich, gleichzeitig einen Spielfilm zu schauen und die Platte zu füllen. Die Zusammenarbeit mit einem TV- oder Video-Gerät stellt aufgrund der beiliegenden Adapter kein Problem dar. Im Test traten lediglich beim Anschluss des größeren Grab’no’Go-Players an einen LCD-Monitor leichte Schwierigkeiten auf, da dieser zunächst die Frequenz nicht akzeptierte und in den Standby-Modus schaltete. Nach mehrmaligem Betätigen der [VGA]-Taste zeigte aber auch dieser Bildschirm das Hauptmenü des Conceptronic-Gerätes an.

Unterschiedliche Bedienung

Die Steuerung des Players erfolgt ausschließlich über die Fernbedienung. Am Gerät selber sind außer der USB-To-Go-Taste keine weiteren Bedienelemente vorhanden. Ordnerstrukturen erleichtern zwar die Navigation am PC, für den kleineren Conceptronic-Player sind sie aber nicht nötig. Er durchsucht die Festplatte beim Start nach bekannten Dateien und zeigt dann unter dem jeweiligen Menüpunkt nur die passenden Dateien an. Befinden sich also zum Beispiel im Ordner bestof auf dem PC Filme, Musikstücke und Bilder, zeigt der Player im Menü Videos sämtliche Filme an (Abbildung 1), unter Musiksammlung alle Songs und so weiter. Ein Dateimanager erlaubt zudem auch das Browsen in Verzeichnissen. Sehr gut gefallen hat im Test, dass der CMED2PL40 bei Filmen nicht nur ein Vorschaubild anzeigen, sondern in der Vorschau auch gleich die Wiedergabe starten. So können Sie sich in kürzester Zeit ein Bild vom Film machen.

Abbildung 1: Der kleinere Grab'n'Go-Player sortiert die unterstützten Dateien nach Typ automatisch und zeigt ein nützliches Vorschaumenü an.
Abbildung 1: Der kleinere Grab’n’Go-Player sortiert die unterstützten Dateien nach Typ automatisch und zeigt ein nützliches Vorschaumenü an.

Der größere Conceptronic-Player lässt diese bequeme Navigation leider vermissen. Hier müssen Sie von Hand die Ordner VIDEO***, AUDIO*** oder PHOTO*** anlegen, um über die Schnelltasten der Fernbedienung Zugriff auf die entsprechenden Dateitypen zu bekommen. Anstelle von *** können Sie dabei eine beliebige dreistellige Nummer eingeben. So lassen sich die einzelnen Ordner per Fernsteuerung anwählen. Die Einordnung der Dateien in das passende Verzeichnis müssen Sie allerdings von Hand vornehmen. Verzichten Sie auf diese Einordnung, bleibt der Weg über den File-Browser (Abbildung 2). Im Gegenzug lässt sich die Festplatte leicht gegen eine andere austauschen, sofern sich darauf eine FAT32-Partition befindet. Der CMED3PL160 kommt zudem auch mit mehreren Partitionen klar.

Abbildung 2: Beim 3,5-Zoll-Modell erfolgt die Navigation ausschließlich über den File-Browser. Er zeigt auch nur beschränkt Vorschaubilder an.
Abbildung 2: Beim 3,5-Zoll-Modell erfolgt die Navigation ausschließlich über den File-Browser. Er zeigt auch nur beschränkt Vorschaubilder an.

Kompatible Formate

Die Unterstützung für Videoformate ist bei beiden Playern sehr gut. Außer Filmen im Quicktime-Format spielten Sie sämtliche Testvideos ab, die uns zur Verfügung standen. In die Irre führt hingegen der Hinweis auf Support für ISO-Dateien, der sich auf der Verpackung beider Player findet. Keines der beiden Grab’n’Go-Geräte unterstützt zum Beispiel ISO-Abbilddateien von DVDs oder Video-CDs. Bei den meisten DVDs schließt schon das FAT32-Dateisystem mit einer maximalen Dateigröße von 4 GByte ein Übertragen auf die Festplatte aus. Unverschlüsselte VOB-Dateien spielen hingegen beide Player ab.

Mager sieht es beim Ton- und Bild-Support der Conceptronic-Player aus. Hier unterstützt der Hersteller lediglich MP3 und JPEG.

Fazit

Die Grab’n’Go-Mediaplayer von Conceptronic stellen ein innovatives Team dar, das auch unter Linux einwandfrei funktioniert. Der kleine Bruder mit 40 GByte Speicherplatz hinterließ in den Tests den besseren Eindruck, weil er sich leichter transportieren lässt und als USB-Festplatte auch ohne externe Stromversorgung arbeitet. Zudem gestaltet sich die Menüführung deutlich einfacher. Mittlerweile bietet Conceptronic davon auch Versionen mit bis zu 100 GByte-Festplatten-Kapazität an. Der größere CMED3PL160 mit 160 GByte ist dann interessant, wenn Sie Filme nicht nur über den Fernseher betrachten möchten, sondern auch über einen normalen VGA-Monitor oder ein Gerät mit S-Video-Eingang. Die IDE-Festplatte lässt sich zudem leicht durch eine eigene Festplatte ersetzen.

LinuxUser 03/2006 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: