Aus LinuxUser 03/2006

Distribits

Sam wird erwachsen

Die auf Mandriva basierende Live-Distribution Sam (http://www.sam-linux.org/), hat sich von einem Mini-Linux zu einem kompletten Arbeitsplatz gewandelt. Sam verwendet den Desktop Xfce in einer aktuellen Version und läuft so auch auf älterer Hardware. Die Software-Ausstattung ist komplett: Für Büroarbeiten liefert Sam OpenOffice 2, Abiword und Gnumeric mit, als Browser ist der aktuelle Firefox dabei, zum E-Mail-Schreiben dient Thunderbird. Benutzerdaten legt Sam auf Wunsch auf der Festplatte oder einem USB-Stick ab. Das sorgfältig zusammengestellte System lässt sich mit Hilfe eines grafischen Installationsprogramms auf der Festplatte einrichten und mit Paketen aus dem Mandriva-Fundus erweitern.

Sam hat sich von einer Mini-Distribution zu einem vollwertigen Desktop-System gemausert.
Sam hat sich von einer Mini-Distribution zu einem vollwertigen Desktop-System gemausert.

Dapper Drake die Dritte

Die Entwickler von Ubuntu Linux (http://www.ubuntulinux.org) haben die dritte Vorschau der kommenden Version 2006.4 fertig gestellt. Der Schwerpunkt des neues Releases liegt auf der Korrektur von Fehlern, zusätzlich gab es für den Desktop ein Facelifting. Im System werkelt Kernel 2.6.15, bei der grafischen Oberfläche kommt das modulare X.org 7.0 zum Einsatz. Auf der Live-CD findet sich eine aktuelle Entwicklerversion von Gnome 2.13.4, die für Ubuntu optisch und funktionell angepasst wurde. Die Live-CD ist dank Unionfs und Squashfs kleiner und schneller geworden.

Auch die Ubuntu-Abkömmlinge Edubuntu und Kubuntu stehen in aktualisierten Versionen zum Testen bereit. Neu in der Ubuntu-Familie ist Nubuntu, das zusätzlich Programme zur System- und Netzwerkdiagnose enthält und sich vor allem an Systemverwalter und erfahrene Benutzer richtet.

Update leicht gemacht

Michael Vogt hat für Ubuntu einen Update-Manager (https://lists.ubuntu.com/archives/ubuntu-devel/2006-January/014700.html) entwickelt, der unerfahrenen Benutzern den Umstieg auf eine neue Ubuntu-Version erleichtern soll.

Nach Erscheinen einer neuen Ubuntu-Version meldet der Update-Manager dem Benutzer die neue Version, lädt dann alle notwendigen Informationen aus dem Netz und passt die Datei /etc/apt/sources.list an. Anschließend holt der Update-Manager die neuen Pakete von einem Ubuntu-Server und installiert sie. Die Einstellungen des Benutzers bleiben davon unberührt. Der Update-Manager soll rechtzeitig zur neuen Ubuntu-Version „Dapper Drake“ fertig sein.

Administrators Toolbox

Die Live-CD Grml http://www.grml.org ist unter dem Namen „Winterschlapfn“ in Version 0.6 erschienen. Grml basiert auf Knoppix, zielt auf Systemadministratoren und wartet vor allem mit Programmen zur Systemkonfiguration und Datenträgerwartung auf. Das System verfügt über eine vorkonfigurierte zshell, bash ist ebenfalls vorhanden. Neben Kernel 2.6.15, den die Entwickler unter anderem für die Unterstützung von ReiserFS, Speakup und SquasFS gepatcht haben, wartet „Winterschlapfn“ mit einer neuen Hardware-Erkennung und der Möglichkeit auf, das System so zu starten, dass keine Zugriffe auf die Festplatte erfolgen. Letzteres ermöglicht forensische Untersuchungen mit Hilfe der Programme foremost und sleuthkit. Mit der Boot-Option swspeak startet der Screenreader Speakup auch ohne Hardware-Synthesizer. Das neu entwickelten Programms grml2USB hilft dabei, das Live-System auf einem USB-Datenträger zu installieren und grml2hd kopiert es auf die Festplatte.

Wer auf eine grafische Oberfläche nicht verzichten mag, startet mit dem Befehl grml-x wm-ng ein X-Windowsystem mit dem Windowmanager Fluxbox. Zusätzlich steht mit Grml-small eine stark abgespeckte Variante von Grml zur Verfügung, die nur etwa 50 MByte groß ist und auf eine CD im Visitenkartenformat passt.

Unter der Tarnkappe

AnonymOS (http://theory.kaos.to/projects.html) ist eine auf FreeBSD-basierende Live-Distribution, die anonymisiertes Surfen im Netz verspricht. Dazu verschlüsselt die Distribution jeden ausgehenden Traffic und verhindert Zugriffe auf Ports – abgesehen von denen, die für HTTP und E-Mail nötig sind. AnonymOS eignet sich daher gut als System für unterwegs, etwa um aus dem Hotel auf das Internet zuzugreifen, ohne im Host-System Spuren zu hinterlassen.

Nach dem Start fordert das System zur Eingabe eines Passwortes auf, das jeweils nur für eine Sitzung gilt. Auf Wunsch verschleiert AnonymOS auch die MAC-Adresse des Netzwerkadapters. Nach Auswahl der Zeitzone startet das System in einen Fluxbox-Desktop.

Die Software-Ausstattung beschränkt sich auf das Nötigste: Firefox als Browser, Thunderbird als Mail-Client, Gaim als Instant Messenger. Firefox ist schon um die Erweiterungen Customize Google zur Filterung von Werbung und um Fasterfox ergänzt. Als Dateimanager findet RoxFiler Verwendung.

Beim Einsatz von AnonymOS fiel auf, dass der Zugriff auf das Internet sehr viel langsamer vonstatten ging, als unter anderen Systemen.

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