Aus LinuxUser 02/2006

Professioneller Textsatz mit LaTeX (Seite 2)

Kommentare bewirken, dass der LaTeX-Interpreter alles bis zum Zeilenende folgende ignoriert. Sie beginnen mit einem Prozentzeichen (%).

LaTeX und Unicode (UTF-8)

Immer mehr Linux-Distributionen benutzen als Standard die Zeichensatzkodierung UTF-8 (Unicode) und nicht mehr ISO 8859-1 (Latin1) oder ISO 8859-15 (Latin-9). Unicode soll das Problem der verschiedenen, zueinander inkompatiblen Zeichensatzkodierungen beseitigen, denn hier stehen pro Zeichen nicht nur 1 Byte (8 Bit), sondern bis zu 4 Byte zur Verfügung. Wenn Ihre Distribution als Zeichensatzkodierung Unicode verwendet, deklarieren Sie das im Vorspann Ihrer TeX-Datei.

Anstelle von \usepackage[latin1]{inputenc} verwenden Sie dazu \usepackage[utf8]{inputenc}. Unter Debian und darauf basierenden Distributionen wie Ubuntu benötigen Sie dazu das Paket latex-ucs. Die Zeichensatzkodierung ändern Sie als Root mit dem Befehl dpkg-reconfigure locales. Die momentane Einstellung erfahren Sie über die Umgebungsvariable LANG, die Sie sich beispielsweise über das Kommando locale anzeigen lassen. de_DE@euro beispielsweise weist auf ISO 8859-15 hin, de_DE.UTF-8 steht für Unicode.

Das Inhalt des Dokuments befindet sich in der document-Umgebung. Der letzte Eintrag einer TeX-Datei lautet normalerweise \end{document}, alle darauf folgenden Einträge ignoriert der LaTeX-Interpreter.

Zeilenumbrüche erzwingen Sie mit \\ oder \newline. Das sollten Sie aber möglichst vermeiden, da es dem Prinzip widerspricht, Layout und Inhalt strikt zu trennen. Stattdessen beginnen Sie gewöhnlich einen neuen Absatz.

Haben Sie eine LaTeX-Datei fertiggestellt, speichern Sie diese unter einem Namen wie beispiel1.tex. Rufen Sie dann über auf der Kommandozeile latex mit dem Dateinamen als Argument auf, etwa latex beispiel1.tex.

Die Ausgabe des Befehls liefert einen detaillierten Bericht über die Übersetzung. Enthält Ihr Dokument Fehler, unterrichtet LaTeX Sie darüber an dieser Stelle mittels Fehlermeldungen und Warnungen. Im Erfolgsfall erzeugt der LaTeX-Aufruf vier Dateien im aktuellen Verzeichnis:

  • beispiel1.aux – Eine Hilfsdatei, die Querverweise enthält, so dass beispielsweise Fußnoten und Referenzen korrekt nummeriert werden.
  • beispiel1.dvi – Die Ausgabe des LaTeX-Dokuments als device independent-Datei.
  • beispiel1.log – Das Protokoll des letzten LaTeX-Aufrufs.
  • beispiel1.toc – Das Inhaltsverzeichnis erscheint nur, falls Sie den Befehl \tableofcontents im LaTeX-Dokument verwenden.

Das erzeugte Dokument in der DVI-Datei lässt sich mit DVI-Betrachtern wie Kdvi und Xdvi anzeigen und ausdrucken, beispielsweise mit dem Befehl xdvi beispiel1.tex.

DVI-Dateien wandeln Sie bei Bedarf in eines der inzwischen gebräuchlicheren Formate wie PostScript oder PDF um. Dazu dienen die Kommandos dvips und dvipdf. Ersteres gehört zum Basisumfang des Paket TeTeX, Dvipdf finden Sie als Teil des Ghostscript-Pakets (gs oder gs-common) bei den meisten Distributionen vorinstalliert. Um eine DVI-Datei zu konvertieren, verwenden Sie folgenden Befehl:

dvips beispiel1.dvi -o beispiel1.ps

Das Ghostscript-Paket enthält außerdem das Programm Ps2pdf. Es verwandelt PostScript-Dateien in PDF-Dokumente:

ps2pdf -dOptimize=true beispiel1.ps beispiel1.pdf

Um PostScript-Dateien zu betrachten, stehen zahlreiche Anwendungen zur Auswahl: Gv (Abbildung 1), KGhostview oder Ggv (Gnome Ghostview), die auch auch DVI-Dateien anzeigen. Im Falle von PDF-Dateien kommen die einschlägig bekannten Programme wie Xpdf, Kpdf, Evince oder der Adobe Reader zum Einsatz. Die Möglichkeiten zum Konvertieren zwischen den einzelnen Formaten zeigt Abbildung 2.

Abbildung 1: Der LaTeX-Interpreter erzeugt aus LaTeX-Quelltext zunächst DVI-Dateien. Sie lassen sich ins PostScript- oder PDF-Format konvertieren.
Abbildung 1: Der LaTeX-Interpreter erzeugt aus LaTeX-Quelltext zunächst DVI-Dateien. Sie lassen sich ins PostScript- oder PDF-Format konvertieren.
Abbildung 2: Aus dem Quelltext eines LaTeX-Dokuments (.tex) entstehen DVI-, PS- und PDF-Dateien.
Abbildung 2: Aus dem Quelltext eines LaTeX-Dokuments (.tex) entstehen DVI-, PS- und PDF-Dateien.

TIPP

Wer mit den LaTeX-Befehlen nicht zurecht kommt, dem hilft das Programm LyX [4]. Dabei handelt es sich um eine grafische Oberfläche, die praktisch alle LaTeX-Funktionen und -Befehle über Menüs und Buttons in ein Dokument einfügt.

Schrift und Ausrichtung

Die Schriftart definieren Sie mit den in Abbildung 3 illustrierten Auszeichnungen. Die gesetzte Schriftart bezieht sich jeweils auf den Inhalt der geschweiften Klammern. Kombinieren Sie die Kommandos miteinander, um beispielsweise in unterstrichenen Kapitälchen zu schreiben.

Abbildung 3: Die Schriftart definieren Sie mit diesen Befehlen. Sie lassen sich miteinander kombinieren.
Abbildung 3: Die Schriftart definieren Sie mit diesen Befehlen. Sie lassen sich miteinander kombinieren.

Als Schriftgröße verwendet LaTeX ohne nähere Angaben einen Standard, den Sie auch mit dem Befehl \normalsize erreichen. Die anderen verfügbaren Buchstabenmaße sehen Sie in Abbildung 4. Sie verwenden keine geschweiften Klammern; stattdessen gilt eine Schriftgröße bis zum Ende der betreffenden Umgebung oder bis zur nächsten Schriftgrößendefinition.

Abbildung 4: Angaben zur Schriftgröße beziehen sich auf eine Umgebung. Sie gelten bis zu deren Ende oder bis zur nächsten Definition der Schriftgröße.
Abbildung 4: Angaben zur Schriftgröße beziehen sich auf eine Umgebung. Sie gelten bis zu deren Ende oder bis zur nächsten Definition der Schriftgröße.

Ohne anderweitige Angabe gibt LaTeX stets Blocksatz aus. Für eine Umgebung ändern Sie das mit \begin{Umgebung}. Zur Auswahl stehen \begin{center} für zentrierten, \begin{flushleft} für linksbündigen und \begin{flushright} für rechtsbündigen Textfluss.

Zitate rücken Sie beidseitig mit Hilfe von \begin{quote} ein. Eine Variante davon erreichen Sie über \begin{quotation}; in diesem Fall rückt LaTeX die erste Zeile des Abschnitts um einen zusätzlichen halben Zentimeter ein und lässt keinen zusätzlichen Abstand zwischen den Absätzen. Selbst für Gedichte hält LaTeX ein eigenes Format bereit: \begin{verse}.

LinuxUser 02/2006 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: