Aus LinuxUser 12/2005

Mpeg Menu System V2

© photocase.com

Leckeres Menü

Linux und Multimedia, das ist nicht immer eine glückliche Verbindung. Wir stellen das Mpeg Menu System vor, das verspricht, Filme und Musik in vielen Formaten abzuspielen – sogar ohne KDE & Co.

Wer im Keller noch einen alten Computer lagert, macht daraus mit dem Mpeg Menu System V2 [1] im Handumdrehen ein Multimedia-Center. Nach der Einrichtung können Sie damit der eigenen MP3-Sammlung, einer Audio-CD oder dem Internet Radioprogramm im Internet lauschen, Filme von Festplatte und DVD ansehen oder die Urlaubsbilder als Diashow abspielen. Und das alles, ohne auf dem Desktop nach speziellen Playern zu suchen.

MMSV2 bietet über ein eigenes Menüsystem direkten Zugriff auf jede Multimediafunktion. Dabei kann das zugrunde liegende Linux-System via Netzwerk kommunizieren und somit auf Server zugreifen oder selbst als Server dienen. Zur Steuerung des ganzen reicht eine Infrarot-Fernbedienung. Wenn der multimediale Rechner noch von der leisen Sorte ist, ersetzt das System problemlos den DVD-Player, das Radio sowie den MP3-Player im Wohnzimmer.

Dreharbeiten

Der Weg zum Multimedia-Genuss führen im Fall von MMSV2 über den Quellcode [1]. Zum Kompilieren benötigen Sie die Entwicklungspakete von imlib2, libalsaplayer, lirc und X11 nötig, sowie die Tools gcc, autoconf und libtool. Fehlt eine dieser Komponenten, weist das obligatorische ./configure im Quellcode-Verzeichnis darauf hin.

Nun heißt es, dem Konfigurationsskript die richtigen Parameter zu übergeben. Eine genaue Aufstellung aller möglichen Einstellungen gibt das Programm mit dem Schalter --help. Für den Artikel kam ./configure --disable-dxr3 --enable-eject-tray --enable-mpeg --enable-fancy-audio --enable-fancy-movie --enable-sdl zum Einsatz. Der Parameter --disable-dxr3 schaltet die Unterstützung von DXR3-Hardware ab. Sollten sie eine solche Mpeg-Dekoderkarte besitzen, müssen Sie diese zuerst einrichten. Eine detaillierte Anleitung dazu liefert eine Howto unter [2].

Obwohl das Konfigurationsskript ohne Fehlermeldung ablief, ließ sich das Paket nicht kompilieren. Da der Configure-Schalter --enable-fancy-audio zusätzliche Audiofunktionen einstellt, setzt das Kompilieren noch die Pakete pcre-devel, sqlite-devel und taglib-devel voraus. Haben Sie --enable-sdl gewählt, benötigen Sie außerdem das SDL-Entwicklungspaket sdl-devel.

MMSV2 lässt sich auch ohne X11 benutzen. In diesem Fall verwendet das Programm die SVGAlib, dessen Entwicklungspaket Sie dann ebenfalls installieren müssen. Der entsprechende Parameter für das Konfigurationsskript lautet dann --enable-vgagl.

Aktuelle Distributionen bringen häufig nur Media-Player mit, die in ihrer Funktion beschnitten sind. Da MMSV2 zum Abspielen von Videos Xine oder MPlayer benutzt, sollte der jeweilige Player möglichst viele Datei- und Medienformate unterstützen. Nach Meinung mancher Experten verbietet das deutsche Urheberrecht, den Kopierschutz (CSS) von DVDs zu umgehen. Die zum Abspielen von DVDs nötige Bibliothek Libdvdcss fehlt deshalb bei allen großen Distributionen.

Vorhang auf

Beim Starten von mms erhalten Sie den Hinweis, dass dem Programm die DXR3-Unterstützung fehlt und Sie ein alternatives Ausgabegerät einstellen sollen. Mit dem Schalter -o sdl wählen Sie zum Beispiel die SDL-Ausgabe, mit -o mpeg die Ausgabe als MPEG-Datei. Mögliche weitere Startparameter sind -d um MMSV2 als Hintergrundprogramm zu starten. Der Parameter -i legt mögliche Eingabegeräte fest, beispielsweise lirc für die Fernbedienung und keyboard für die Tastatur.

Da nur der User root in das Verzeichnis /etc/mms schreiben darf, müssen Sie ein eigenes Konfigurationsverzeichnis wählen, sofern Sie die Schreibrechte nicht angepasst haben. Als Ausgangsbasis empfiehlt es sich, die mitgebrachte Konfiguration mittels cp -R /etc/mms ~/.mms zu kopieren. Das Verzeichnis ~/.mms findet das Programm auch ohne zusätzlichen Parameter. Wo Sie schon am Kopieren sind, befördern Sie gleich noch die Themes und die Schriftart Vera mit cp -R /usr/local/share/mms/* ~/.mms an die richtige Stelle. Starten Sie das Programm nun mit mms -o sdl, sehen Sie das in Abbildung 1 dargestellte Hauptmenü.

Abbildung 1: Das MMSV2-Hauptmenü zeigt alle Funktionen auf einen Blick.
Abbildung 1: Das MMSV2-Hauptmenü zeigt alle Funktionen auf einen Blick.

Die Navigation im Menü erfolgt mit der Tastatur. Mit den Pfeiltasten (hoch und runter) navigieren Sie, mit der Eingabetaste wählen Sie Menüpunkte aus. Besitzt ein Menüpunkt weitere Unterpunkte, erreichen Sie diese mit den Pfeiltasten nach links und rechts. Beispielsweise verbergen sich hinter dem Punkt Musik abspielen (Festplatte) noch zwei weitere Musik abspielen (CD/DVD) und Musik abspielen (Radio/Netz).

Tasten zuweisen

Die Datei ~/.mms/input-keyboard legt die Tastenbelegung bei der Tastatur fest. Erfolgt dagegen die Navigation via Fernbedienung, ist ~/.mms/input-lirc zuständig. Der Aufbau der Konfigurationsdatei ist leicht verständlich, die meisten Einträge gehorchen der Form Modus,Kommando,Taste. MMSV2 unterscheidet verschiedene Modi. Allgemeine Tastenkürzel (general) gelten auch in allen anderen Modi: Das Navigieren im Wiedergabelisten-Modus ist mit den gleichen Tasten wie im Hauptmenü möglich. Ebenso funktioniert die Hilfe überall gleich, nämlich über [H]. Eine Übersicht über die wichtigsten Tastenbelegungen geben die Tabellen 1 bis 3.

Tabelle 1: Allgemeine Tastenkürzel

Taste Bedeutung
UP Vorheriger Menüeintrag
DOWN Nächster Menüeintrag
LEFT Vorheriger Untermenüeintrag
RIGHT Nächster Untermenüeintrag
PGDOWN Schnelles Aufwärtsblättern
PGUP Schnelles Abwärtsblättern
END aktuelles Menü verlassen
ENTER aktuellen Punkt bzw. Unterpunkt anwählen
H Hilfe
O Optionen
S Suchen
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