Aus LinuxUser 07/2005

Apple iBook unter Debian

Kraftvoll zubeißen

Apple-Hardware ist Kult – und trotzdem gibt sich Apple keine Mühe, andere Betriebssysteme als das hauseigene Mac OS zu unterstützen. Wir zeigen, wie gut ein aktuelles iBook mit dem Pinguin kollaboriert.

Es ist in der Tat schon eine Weile her, dass wir Apple-Hardware in Augenschein genommen haben und prüften, wie gut Linux auf den Geräten aus Cupertino funktioniert. Im Herbst 2003 diente uns znächst die seinerzeit noch recht junge und unbekannte Linux-Distribution Yellow Dog 3.0 als dankbares Testobjekt [1]. Anfang diesen Jahres nahmen wir dann deren Nachfolger Yellow Dog 4.0 [2] auf einem PowerBook G4 in Augenschein.

Doch die Welt ist seither nicht stillgestanden – Apple wirft ebenso schnell neue Computer auf den Markt, wie der spiritus rector Steve Jobs sie sich ausdenken kann. Die G5-Geräte bringen neuerdings noch mehr Rechenpower mit, und wer mit weniger Performance leben kann, kommt mit einem iMac und mittlerweile auch mit den MacMinis gut zurecht.

Alle Macintoshes bringen ein vorinstalliertem Mac OS mit. Freilich lässt sich auch andere Software installieren – aber ist genau das überhaupt eine gute Idee? Wie reibungslos funktioniert Apples aktuelle Hardware mit Linux? Wir haben uns diese Frage gestellt und schließlich auf einem 12-Zoll-iBook den Alltagstest gemacht. Die Wahl eines Laptops als Untersuchungsgegenstand scheint sinnvoll: Auch in der Intel-Welt bereiten besonders die Notebooks immer wieder Probleme – speziell dann, wenn es um erweiterte Funktionen wie Suspend-to-RAM geht.

Aller Anfang

Als Testgerät nutzen wir ein aktuelles 12-Zoll-iBook, das aber mit 1,25 GByte Arbeitsspeicher, einer 60-GByte-Festplatte und Bluetooth aufgerüstet ist. Als Standardausstattung offeriert Apple lediglich 256 MByte RAM sowie eine Platte mit 30 GByte – Bluetooth fehlt. Zur Grundausstattung dagegen zählt inzwischen eine bereits eingebaute WLAN-Karte. Das Notebook kann man in der von uns verwendeten Ausrüstung in jedem Geschäft bestellen, das offiziell Apple-Computer verkauft. Auch eine Bestellung über die Apple-Website stellt kein Problem dar. Allerdings liegen die Preise im Apple-Store zumeist deutlich über den Straßenpreisen.

Eine RAM-Erweiterung sollten Sie dem Rechner auf jeden Fall spendieren, wenn Sie planen, neben Linux auch häufig Mac OS einzusetzen. Aber auch Linux allein zieht aus einem kräftig ausgebauten Arbeitsspeicher durchaus Vorteile. Die Erweiterung um Bluetooth erscheint ebenfalls als sinnvoll – nicht zuletzt, weil man Tastaturen und Mäuse mittels des Protokolls an den Rechner anschließen kann. Diese besetzen dann nicht ständig die USB-Ports, von denen das kleine iBook ohnehin nur zwei Stück anbietet.

Debian Linux

Nach der Beschaffung der Test-Hardware stellt sich die Frage einer passenden Distribution für das Apple-Notebook. Zwar gibt es Yellow Dog Linux [3] noch immer; es ist aber kostenpflichtig und weist in der ESD-Variante auch einen erheblichen Download-Umfang auf.

Als freie Alternativen stehen dem Fedora, Gentoo, Debian oder dessen Derivat Ubuntu gegenüber. Wir entscheiden uns für Debian GNU/Linux, das auf den Servern des Projekts kostenlos zum Download steht. Wer nicht die komplette Distribution herunterladen mag – das sind immerhin zwei DVDs voll Software – verwendet statt dessen nur die erste CD und installiert den Rest der gewünschten Pakete aus dem Netz nach. Ein passendes Image finden Sie auf der Debian-CD-Website [4]. Möchten Sie die komplette CD-Kollektion haben, können Sie diese beispielsweise beim Anbieter LinISO [5] ordern.

Wohin mit MacOS?

Wer Mac OS parallel zu Linux betreiben möchte, sieht sich vor ein Problem gestellt: Linux muss im Startbereich der Festplatte landen, weil YaBoot – der Boot-Manager, der später die Wahl zwischen Mac OS und Linux ermöglicht – es sonst nicht findet. Allerdings residiert bei sämtlichen Apple-Rechnern Mac OS auf einer einzigen Partition, die den gesamten verfügbaren Platz einnimmt. Soll also Linux auf die Platte, muss diese Partition und damit das installierte Mac OS erst einmal weichen. Anschließend gilt es die Festplatte neu zu partitionieren, beide Systeme zu installieren und anschließend zu konfigurieren.

Apple liefert ein passendes Partitionierungs-Tool auf der ersten Betriebssystem-CD gleich mit. Liegt diese im Laufwerk, dann halten Sie während des Startvorgangs die Taste [C] so lange gedrückt, bis das Setup von Mac OS startet. Anschließend rufen Sie über das Apple-Menü das Partitionierungswerkzeug auf. Es gibt sich sehr benutzerfreundlich, und mit nur wenigen Klicks erledigen Sie alle notwendigen Einstellungen.

Am besten legen Sie drei Partitionen an: Eine für Linux, eine für Mac OS sowie eine Linux-Swap-Partition. Im Anschluss installieren sie zuerst wieder Mac OS, und dann kann auch die Linux-CD (in unserem Fall mit Debian Sarge) im Laufwerk landen.

Linux-Installation

Eine leidige Schwäche der Distribution stellt zweifellos der Fakt dar, dass Debian nach wie vor ein grafisches Installationsprogramm fehlt. Nach dem Booten landet man auf einer Textkonsole und ist zur Bedienung rein auf die Tastatur angewiesen: Die Navigation erfolgt komplett mit Hilfe der Pfeiltasten sowie des Tabulators.

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