Aus LinuxUser 05/2005

Korner: Gwenview

Programm mit Aussicht

Das blitzschnelle Grafikprogramm Gwenview empfiehlt sich als Bildbetrachter für alle möglichen und unmöglichen Formate.

Korner

In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.

Muffige Fotoalben mit Papierabzügen geraten in den Zeiten günstiger Digitalkameras endgültig ins Hintertreffen. Aber womit die Schnappschüsse und anderen grafischen Kostbarkeiten auf dem Rechner betrachten? Wie wäre es mit Gwenview, der grafischen Allzweckwaffe des KDE-Projekts, mit dem sich alle von KDE unterstützten Bildformate schnell und sicher laden und betrachten lassen. Selbst Gimp-Dateien, die in anderen Programmen manchmal Probleme bereiten, verarbeitet das Programm klaglos dank des Plug-ins Gimp XCF Image File Reader (QXCFI) für Qt 3.

Zugriff auf Digitalkameras

Die Entwicklung von Gwenview stockte längere Zeit. Jetzt streben das Projekt jedoch wieder neuen Zielen zu: Neben der stabilen Version 1.0.1 steht auch eine Devel-Version mit der Nummer 1.2.0pre3 zum Download bereit. Es handelt sich dabei um eine relativ stabile Beta, sodass dieser Artikel im wesentlichen auf der 1.2.0pre3 basiert. Neben vielen Bugfixes der Vorgängerversion verfügt die Beta über komplett neue Features wie etwa einem neuem Kioslave für Digikam (digikamtags:/).

Darüber hinaus implementierten die Entwickler in der Beta-Version weitere Zugriffsmethoden, sodass Sie mit Gwenview zum Beispiel auf Windows-Shares zugreifen oder durch Tarballs und Zip-Dateien browsen können. Außerdem ermöglicht die neue Programm-Generation die Integration weiterer Plug-ins. Gwenview lässt sich nämlich seit kurzem mit der Unterstützung für das KDE Image Plugin Interface (Kipi) kompilieren. Durch Kipi haben Sie Zugriff auf Plug-ins wie den Mpeg-Encoder, um eine Mpeg-Slideshow Ihrer Bilder zu erstellen, oder auf das Images-Gallery-Plug-in, mit dem Sie eine HTML-Galerie erzeugen.

Die aktuellen Sourcen sowie RPM-Pakete für die wichtigsten Distributionen finden Sie auf der Projekt-Homepage [1]. Sollten hier keine Pakete für Ihre spezielle Distributionsversion bereit stehen, kompilieren Sie dieses Programm mit dem Dreierschritt configure; make; make install. Vergessen Sie dabei bitte nicht, die Umgebungsvariable KDEDIRS mit den Oberverzeichnissen zu füttern, die auf Ihrem System KDE-Software enthalten. Ein Beispiel könnte wie folgt lauten:

export KDEDIRS=/opt/kde3:/usr/local/kde

Programmstart

Die Installation hätten Sie geschafft. Starten lässt sich das Programm entweder über ein Klick auf den Punkt GraphikBildbetrachter (Gwenview) im KDE-Startmenü oder durch die Eingabe des Befehls gwenview & in der Terminal-Emulation Ihrer Wahl. Gwenview begrüßt Sie daraufhin mit einem Startfenster wie in Abbildung 1, das bereits einiges über den Aufbau des Programms verrät.

Abbildung 1: Zum Einstieg präsentiert Gwenview alle Infos auf einen Blick.
Abbildung 1: Zum Einstieg präsentiert Gwenview alle Infos auf einen Blick.

Die Oberfläche von Gwenview kommt in der Voreinstellung viergeteilt daher und präsentiert Ihnen auf einen Blick sowohl den Verzeichnisbaum als auch das aktuelle Verzeichnis sowie das angewählte Bild samt Kommentar. Zusätzlich gibt Gwenview links unten in der Ecke an, wie viele Bilder sich im jeweiligen Verzeichnis befinden.

Fühlen Sie sich durch die Informationsvielfalt all dieser Fenster verwirrt, blenden Sie über den Menüpunkt Fenster einfach eines oder mehrere davon aus. Arbeiten Sie beispielsweise nie mit Bild-Kommentaren, wählen Sie über FensterDatei-Info ausblenden diese ab. Sofort verschwindet das untere Fenster und Sie sparen Platz – ganz ohne Informationsverlust.

Neben dem gerade vorgestellten, so genannten Browse-Mode verfügt Gwenview über einen weiteren Modus – den View-Mode. In diesen gelangen Sie entweder über das Ausschalten der Option AnsichtDurchsuchen oder durch die Tastenkombination [Strg+Return]. Gwenview stellt dann das aktuelle Bild alleine in einem Fenster dar (Abbildung 2). Möchten Sie Gwenview direkt im View-Mode starten, müssen Sie übrigens das Programm lediglich in einer Terminal-Emulation mit einem Bild kombiniert starten (gwenview <bildname> &).

Gwenview bietet zusätzlich zum View-Mode eine Zoom-Funktion, den Vollbildmodus sowie eine Dia-Show. Zwischen den einzelnen Bildgrößen zoomen Sie entweder über den Menüpunkt AnsichtVergößern und AnsichtVerkleinern hin und her. Alternativ klicken Sie auf die verschiedenen Lupen-Icons, um die Bilder stufenweise zu vergrößern oder zu verkleinern.

Möchten Sie ein Bild in voller Pracht bewundern, genügt ein Klick auf den Punkt AnsichtVollbildmodus. Nicht erschrecken – wieder auf handliche Größe reduzieren Sie die aufgepumpte Datei durch einen Klick auf das Fernster-Icon mit den roten Pfeilen in der linken oberen Ecke. Damit es den Gesamteindruck nicht stört, verschwindet dieses übrigens nach kurzer Zeit. Ein Klick auf den Bildschirm holt das Icon jedoch sofort zurück.

Schick ist auch die in Gwenview implementierte Diashow. Wenn Sie den Punkt AnsichtDiashow… auswählen, fragt Gwenview Sie vor dem Start der Slideshow, wie viel Zeit zwischen dem Umschalten der Bilder vergehen soll, ob Sie eine Endlosschleife der Dias wünschen, oder ob ein Durchlauf genügt.

Abbildung 2: Im View-Mode gehört das ganze Programmfenster allein Ihrem Bild.
Abbildung 2: Im View-Mode gehört das ganze Programmfenster allein Ihrem Bild.

Übersicht

Verfügt Ihr Rechner über ausreichend Rechenleistung, bietet es sich an, sich den Inhalt der Verzeichnisse als kleine Mini-Bilder (so genannte Thumbnails) anzeigen zu lassen (Abbildung 3). Dies erreichen Sie, in dem Sie in der Werkzeugleiste des Verzeichnisfensters – je nach gewünschter Größe der Vorschaubilder – eines der Icons mit den vier Quadraten anklicken. Achtung: Bei Verzeichnissen mit vielen Bildern nimmt das Laden in dieser Variante etwas Zeit in Anspruch.

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