Aus LinuxUser 03/2005

Semiprofessionelles CAD mit Qcad (Seite 2)

Wählen Sie jetzt das Menü mit FangEndpunkte den Modus zum automatischen Einfangen der Endpunkte an. Bewegen Sie nun den Mauszeiger, steuert der Qcad-Cursor automatisch den nächstgelegenen Konstruktionspunkt an. Ein Klick auf die linke Maustaste wählt diesen als relativen Nullpunkt aus.

Würfelspiele

Steuern Sie auf diese Weise die linke obere Ecke des Quadrats (Koordinatenpaar 0,35) an, die nun als relativer Nullpunkt dient. Wechseln Sie nun in die Kommandozeile und geben Sie dort als nächsten Punkt @25<25 an. Der Klammeraffe (@) weist Qcad an, relative polare Koordinaten zu verwenden – also vom relativen Nullpunkt aus zu arbeiten. Die folgende Zahl bezeichnet die gewünschte Länge der zu erzeugenden Linie. Das Kleiner-Zeichen (<) kennzeichnet die folgende Eingabe als Winkelangabe. Schließen Sie die Linieneingabe wieder durch einen Rechtsklick ab und wiederholen Sie die letzten Arbeitsschritte mit den Ausgangskoordinaten 35,35 und 35,0. Unser Würfel verfügt nun bereits über Seitenkanten.

Fangen Sie nun wieder mit der Maus die linke hintere Ecke des Würfels, um die noch fehlenden sichtbaren Kanten des Würfels zu ergänzen. Ein Linksklick markiert diese Stelle als Ausgangspunkt, als weitere Punkte markieren Sie nacheinander die verbleibenden freien Linienenden. Schließen Sie die Aktion wieder mit einem Klick auf die rechte Maustaste ab.

Nachdem wir die Ausmaße des Würfels nun feststehen, können Sie für die weiteren Bearbeitungsschritte über AnsichtAuto Ansicht den Bildausschnitt optimal an das Objekt anpassen. Nun gilt es noch, die nicht sichtbaren Linien zu ergänzen. Dazu passen Sie zunächst über die Dropdown-Auswahlfelder unterhalb des Menüs den Linientyp an. Voreingestellt findet sich in allen drei Auswahlfeldern der Wert Nach Layer. Ändern Sie dies im mittleren Feld auf 0.05mm und im rechten auf Gestrichelt (gross).

Erstellen Sie nun mit Hilfe der schon bekannten Befehle Linie und Fang unter Nutzung relativer Koordinaten die verborgenen Kanten des Würfels. Das Endergebnis sollte so aussehen wie in Abbildung 4 dargestellt:

Abbildung 4: Mit wenigen Befehlen lässt sich die perspektivische Darstellung eines Würfels realisieren.
Abbildung 4: Mit wenigen Befehlen lässt sich die perspektivische Darstellung eines Würfels realisieren.

Bisher haben wir nur mit ganzen Zahlen gezeichnet. Das muss aber nicht so sein: Qcad akzeptiert für alle Angaben auch Dezimalwerte. Diese dürfen Sie aber nicht in deutscher Notation als Vorkomma-Nachkomma-Wert angeben, sondern wie im angelsächsischen Raum üblich mit einem Punkt zwischen Vorkomma- und Nachkomma-Stellen: 21,7 bedeutet für Qcad die Koordinate X=21 und Y=7, dagegen versteht es 21.7 als die Angabe einer Distanz.

Mit Ebenen arbeiten

Ebenen dienen dazu, eine Konstruktionszeichung in sinnvolle, einzeln modifizierbare Bestandteile zu untergliedern. Auch die Arbeit mit Ebenen – Qcad betitelt diese als Layer – läßt sich am Besten anhand eines Beispiels verdeutlichen: Als solches soll uns der Entwurf für eine Haustüre dienen. Hier bietet sich an, die Zeichnung in die drei Komponenten Türrahmen, Türflügel und Türfüllung aufzugliedern. Warum dieses Vorgehen Vorteile bietet, wird im Verlauf der Arbeiten deutlich.

Um den Türrahmen zu zeichnen, legen Sie zunächst eine neue Ebene mit dem Namen „Rahmen“ an. Dazu müssen Sie unter Umständen zunächst einmal über AnsichtAnsichtenLayer Leiste die Layer-Liste am rechten Fensterrand einblenden. Dort fügen Sie durch einen Mausklick auf die Schaltfläche mit dem Plus-Symbol eine neue Ebene hinzu. Deren Name und Eigenschaften stellen Sie in dem daraufhin erscheinenden Konfigurationsfenster ein. Setzen Sie hier als Zeichenfarbe Blau (Abbildung 5) und speichern Sie die Modifikation über OK.

Nun erscheint die neue Ebene in der Layer-Liste. Über das Augen-Symbol blenden Sie die Ebene bei Bedarf aus, durch Anklicken des stilisierten Vorhängeschlosses schützen Sie den Layer vor Modifikationen. Dies schützt eine Zeichnung oder einzelne Bereiche vor ungewollten Änderungen. Das Ausblenden von Ebenen ermöglicht, an bestimmten Teilen einer komplexen Zeichnung zu arbeiten, ohne durch das oftmals verwirrende Durcheinander von Linien aus anderen Ebenen abgelenkt zu werden.

Abbildung 5: Durch Layer lassen sich komplexe Konstruktionen in übersichtlichere Teilbereiche untergliedern.
Abbildung 5: Durch Layer lassen sich komplexe Konstruktionen in übersichtlichere Teilbereiche untergliedern.

Aktivieren Sie die neu angelegte Ebene durch Anklicken. Sie wird nun farblich hervorgehoben, und Sie können mit den weiteren Eingaben fortfahren. Erstellen Sie zunächst eine Linie mit den Koordinaten 0,0 und 0,2100. Dadurch ergibt sich die Höhe unserer Tür, 2100 mm. Wählen Sie nun im Menü Zeichen die Option LinieParallele an. Mit diesem praktischen Befehl erstellen Sie ohne großen Aufwand die noch benötigten vertikalen Linien. Die Kommandozeile fragt bereits mit dem Text Abstand <1> angeben oder [durch] nach der Distanz für die Parallele. Geben Sie hier zunächst 80 für die Breite eines Rahmenteils ein und bestätigen Sie mit der Taste [Eingabe]. Führen Sie nun im Zeichenfenster den Cursor nach links und rechts über die bereits gezeichnete Linie. Im Abstand von 80 mm dazu bietet Ihnen Qcad durch Einblenden der Parallele das Erstellen an der fraglichen Position an. Ein Klick auf die linke Maustaste genügt, um die neue Linie an der gewünschten Position zu erzeugen. Ergänzen Sie nun auf diese Weise die Zeichnung um Linien in den Distanzen 860 (das Durchgangsmaß) und noch einmal 80 für die Breite des zweiten Rahmenteiles.

Mithilfe der Fangfunktion und einer 2-Punkte-Linie stellen Sie nun oben die horizontale Verbindung zwischen den beiden Pfosten her und vervollständigen mit einer horizontalen, darunterliegenden Parallele mit dem Abstand 80 den Türrahmen. Um beim Betrachten und Bearbeiten der Zeichnung eine jeweils optimale Darstellungsgröße zur erzielen, setzen Sie die Funktion AnsichtFenster Zoom ein. Damit können Sie per Maus einen rechteckige Bildbereich zum Heranzoomen anwählen.

Linien trimmen

Sehen Sie sich doch einmal eine Ecke unseres Rahmens genauer an: Hier überlappen noch die parallel versetzten Linien. Um dies zu ändern, benutzen Sie im Menü Modifizieren den Befehl Trimmen Zwei – was bedeuten soll, dass zwei Objekte zu stutzen sind. Dabei handelt es sich um die innere horizontale Rahmenkante und die beiden inneren vertikalen Rahmenlinien, die Sie zu Trimmen einfach mit der Maus anklicken. Hier sollten Sie einfach ein wenig experimentieren, um zu sehen wie die Linien reagieren, je nachdem in welcher Reihenfolge man sie markiert und zum trimmen auswählt. Unerwünschte Ergebnisse machen Sie im Falle eines Falles jederzeit über BearbeitenRückgängig wieder rückgängig.

Im Abstand von 16 mm zur Innenkante des Rahmens fügen Sie nun noch die Falzkante ein und bearbeiten Sie mit den nun schon bekannten Arbeitsschritten weiter, um den Türrahmen fertigzustellen.

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