Aus LinuxUser 03/2005

Einfach losTeXten

Wenn es ums Setzen von Büchern und Dokumenten geht, gilt LaTeX als erste Wahl. Doch an den vielen Befehlen hat der Anfänger ganz schön zu knabbern. Mit praktischen Funktionen schafft der KDE-LaTeX-Editor Kile Abhilfe.

Dass LaTeX nichts mit Gummi zu tun hat, sondern ein Satzsystem ist, wissen die meisten Linux-Anwender, doch dann setzt es oft schon aus. Dabei lohnt es sich, das Fenster mit OpenOffice auf dem Monitor beiseite zu schieben und einen genaueren Blick auf LaTeX zu werfen. Einmal gelernt, ist der Aufwand für eine Seminararbeit, einen Bericht oder einen Brief im Satzprogramm LaTeX wesentlich geringer als in einer Textverarbeitung wie OpenOffice oder Word – und meist sieht das Ergebnis am Ende auch noch besser aus.

Doch der Weg zum LaTeX-Profi ist gepflastert mit vielen Kommandos, die der Nutzer kennen und richtig einsetzen muss. Dass es auch anders geht, zeigt der KDE-LaTeX-Editor Kile. Mit einer ganzen Reihe von Helfern erleichtert er Anfängern den Einstieg und vereinfacht den täglichen Umgang mit dem Textsatzsystem.

Kile liegt aktuell in Version 1.7.1 vor. Die Autoren bieten auf ihrer Homepage [1] neben dem Quellpaket auch Binärpakete für Suse Linux, Fedora Core 3, Mandrake Linux und Solaris. Suse-Benutzer sollten jedoch den von Suse gebauten Paketen unter [2] den Vorzug geben, da diese ein reibungsloses Upgrade sicherstellen. Debian Unstable und Testing liefern Kile in der neusten Version gleich mit.

Wer keine andere Wahl hat, kompiliert und installiert die Quellpakete mit ./configure --prefix=`kde-config --prefix`, make und anschließendem make install als Systemverwalter Root.

Eine TeX-Umgebung sollte natürlich auch installiert sein – diese steckt bei den meisten Distributionen im Paket tetex.

Der erste Start

Nach erfolgreicher Installation starten Sie Kile über das K-Menü oder über den Konsolenbefehl kile. Das Programm empfängt den Benutzer mit einer leeren Arbeitsfläche. Darüber befinden sich Symbolleisten für verschiedene Zwecke, im Feld unter dem Editor-Fenster zeigt Kile später die Meldungen von LaTeX an. Der Bereich links enthält, in mehrere Reiter sortiert, einen Dateibrowser, die Projektverwaltung und Menüs mit LaTeX-Sonderzeichen.

Abb 1.: Kile bringt eine Reihe von eigenen Vorlagen mit, darunter auch eine für Berichte.
Abb 1.: Kile bringt eine Reihe von eigenen Vorlagen mit, darunter auch eine für Berichte.

Bevor Sie mit dem ersten Dokument loslegen, rufen Sie die Konfiguration über SettingsConfigure Kile.. auf. Tragen Sie dort im Reiter General unter Author Ihren Namen ein. Ins Feld Input encoding kommt das Zeichensatz-Encoding, das Sie in Ihren Dokumenten verwenden wollen – hier empfiehlt sich utf8, latin1 oder latin9 (mit Eurozeichen).

Klicken Sie auf das Leere-Blatt-Symbol oder FileNew, präsentiert Kile einen Auswahldialog mit mehreren Dokumenttypen. Für kürzere Texte, etwa eine zehnseitige Hausarbeit oder ein Bericht, eignen sich die Dokumentklassen article und report. Haben Sie größeres im Sinn, bietet LaTeX mit book eine Buchvorlage an.

Nachdem Sie die gewünschte Vorlage ausgewählt haben, erzeugt Kile das Rohgerüst eines LaTeX-Dokuments, das Sie nun mit Inhalt füllen können. Zu Beginn fügt Kile die Angabe der Dokumentklasse ein:

\documentclass[a4paper,10pt]{article}

Damit verwendet LaTeX die Dokumentenklasse article und passt die Ausgabe auf DIN A4 an. Für den Fließtext benutzt es eine 10-Punkt-Schrift. Um Umlaute direkt einzugeben und deutsche Silbentrennung zu verwenden, ergänzen Sie darunter die Zeilen:

\usepackage[utf8]{inputenc}
\usepackage{ngerman}

Statt utf8 können Sie auch latin1 oder latin9 (mit Euro Symbol) angeben – je nachdem in welcher Zeichensatzkodierung Sie Ihre Textdokumente speichern. Anhänger der alten Rechtschreibung tragen statt ngermangerman ein, damit LaTeX Silben nach den klassischen Regeln trennt. Beide Angaben sind unabhängig von der verwendeten Dokumentenklasse.

Auch wenn Kile Sie beim Eingeben der LaTeX-Befehle unterstützt, sollten Sie die Syntax verstanden haben – ansonsten hagelt es bei der Umwandlung später Fehlermeldungen.

LaTeX ist wie HTML eine Beschreibungssprache, d. h. Sie geben durch spezielle Befehle an, wie ein Text formatiert sein soll. LaTeX-Befehle leiten Sie mit einem Backslash (\) ein. Die einfachsten Befehle brauchen kein Argument, Sie rufen sie mit Namen auf. Kile hat zum Beispiel schon \maketitle eingefügt, ein Kommando, das die Titelseite generiert. Der Befehl \title{} braucht dagegen ein Argument: In die geschweiften Klammern geben Sie den Titel Ihres Dokuments ein, zum Beispiel:

\title{Von der Kunst, einen Bericht in LaTeX zu verfassen}

Genauso verlangt auch \author{} nach einem Argument:

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