Aus LinuxUser 02/2005

Vorinstalliertes Linux-Notebook

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Der Notebook-Kauf muss nicht zur Zitterpartie ausarten: Für einen mäßigen Aufpreis liefern Spezialisten mit Linux fertig eingerichtete Systeme. Wir prüfen anhand eines aktuellen Notebooks, ob dabei Preis und Leistung stimmen.

Der Kauf eines Notebooks, das seine Arbeit unter Linux verrichten soll, bleibt eine Zitterpartie. Volle Unterstützung der Hardware ist mangels Hersteller-Support oft Glückssache. Hier helfen clevere Anbieter mit vorinstallierten Systemen ab. Aber rentiert es sich, die Anpassungsarbeiten an einen Dritten auszulagern? Das haben wir anhand eines aktuellen Notebooks getestet.

Bei dem fraglichen System handelt es sich um ein Notebook des Typs M6862NEUP aus der Desktop-Replacement-Linie von Asus [1]. Hinsichtlich der Hardware ist das auf einem Intel-855GME-Chipsatz aufbauende System für viele aktuelle Laptops typisch. Als Prozessor versieht ein mit 1,8 GHz getakteter Pentium-M 745 mit 2 MByte L2-Cache und 400-MHz-Frontside-Bus seinen Dienst. 512 MByte DDR-SDRAM sorgen für zügiges Arbeiten. Ein Grafikchip vom ATI (Mobility Radeon 9700) mit 64 MByte DDR-RAM sorgt für Bewegung auf dem 15-Zoll-Bildschirm, der für eine Auflösung von 1400 mal 1050 Pixeln (SXGA+) ausgelegt ist.

Als Massenspeicher dient eine 80-GByte-ATA-Festplatte von Hitachi, die mit 5400 U/min dreht. Zum Lesen und Schreiben von Wechselmedien bringt das Notebook einen 8x-DVD-Dual-Writer mit. Ein SD/MMC-Slot sowie ein PC-Card-Slot nehmen Erweiterungen auf. Für die Kommunikation mit der Außenwelt stehen ein 10/100/1000-Mbit/s-Ethernet-Port mit Broadcom-Chipsatz, ein integriertes 802.11b/g-WLAN (Intel Pro/Wireless 2200BG) zur Verfügung. Als weitere Schnittstellen bietet das Gerät vier USB-2.0-Ports, ein Firewire-Interface sowie je einen Parallel- und PS/2-Port an. IrDA, je ein VGA- und Video-Out-Konnektor sowie Anschlüsse für Mikrofon und Kopfhörer runden das Schnittstellenspektrum ab.

Zum Lieferumfang des Rechners zählen ein Netzteil, eine Maus sowie eine Ledertasche sowie diverse Windows-Treiber, Spielesoftware und ein deutsches Handbuch. Als Betriebssystem installiert Asus Windows XP Professional vor. In dieser Konfiguration steht das Gerät mit 2199 Euro in der Preisliste, im Laden ist es je nach Anbieter und Verhandlungsgeschick schon ab rund 2000 Euro zu haben.

Alles neu

Anstatt die Windows-Partition selbst zu entsorgen und das Notebook in Kleinarbeit für Linux neu einzurichten, haben wir uns dazu entschlossen, diese Arbeiten von einem professionellen Anbieter erledigen zu lassen. Unsere Wahl fiel dabei auf Xtops.de [2] in Berlin, die sich in den letzten fünf Jahren als einer der Mobil-Linux-Spezialisten in Deutschland etabliert haben.

Der Firmeninhaber Werner Heuser richtet je nach Bestellung das System für den Betrieb eines nahezu beliebigen Unix ein. So führt er neben Suse, Debian, Gentoo, Red Hat und Mandrake auch alle BSD-Derivate sowie x86-Solaris im Portfolio. Je nach Kundenwunsch nimmt er nicht nur die Installation und Anpassung des Betriebssystems vor, sondern richtet KDE, Gnome oder einen anderen Window-Manager betriebsfertig ein. So lässt sich mit dem vorkonfigurierten System sofort arbeiten.

Wir bestellten unser Test-Notebook mit vorinstalliertem Debian Testing und Suse Linux 9.2. Dabei lieben neben den angepassten Versionen auch die Original-Distributionen zu Vergleichszwecken auf dem Rechner.

Tag und Nacht

Die Gegenüberstellung der Out-of-the-box-Installationen mit dem angepassten System zeigt die typischen Problemquellen von Linux auf dem Notebook auf. Die Standard-Distros fallen durch fehlenden Suspend-to-RAM/Disk-Support, mangelnde Unterstützung des Frequency Scaling, fehlerhafte Ladezustandsanzeigen und zahlreiche weitere Fehlerquellen auf. Im Fall von Debian Testing friert der Rechner nach dem Start von Gnome innerhalb kurzer Zeit sogar völlig ein.

Ganz anders zeigen sich die vorinstallierten und von Xtops eingerichteten Systempartitionen. Hier funktionieren alle Features des Notebooks so, wie der Hersteller das eigentlich vorgesehen hat. Dies gilt nicht zuletzt auch für die fünf Sonderfunktionstasten, die das Asus M6862NEUP anbietet. Xtops.de hat sie so eingerichtet, dass zwei davon unter KDE und Gnome den jeweiligen Mail-Client und Web-Browser starten. Die drei anderen schalten das WLAN an und ab beziehungsweise schicken das Notebook in den Schlafmodus. Sowohl aus dem Suspend-to-Disk- als auch dem Suspend-to-RAM-Zustand kommt das System auf Tastendruck fehlerlos zurück.

Fazit

Für den wie beschrieben eingerichteten Asus M6862NEUP veranschlagt Xtops.de einen Preis von 2199 Euro. Das entspricht dem Listenpreis und liegt zwischen 5 und 10 Prozent über dem Straßenpreis. Dafür erhält der Anwender ein perfekt arbeitendes System ins Haus geliefert, das er nicht mehr in tagelanger Kleinarbeit anpassen und nachkonfigurieren muss. Da braucht man eigentlich nicht mehr lange zu überlegen.

Kasten 1: Kunden-Präferenzen

Werner Heuser, der Anbieter des Testsystems, bedient seine Kunden seit mehreren Jahren mit mobilem Linux-Equipment. Innerhalb der letzten beiden Jahre hat er dabei zwei interessante Trends festgestellt, die wir ihnen nicht vorenthalten wollen.

Zum einen hat sich die Präferenz in Sachen Distribution merklich verschoben. Verlangten vor zwei Jahren noch rund 80 Prozent der Kunden als Installation Suse Linux und 20 Prozent Debian, hat sich das Verhältnis mittlerweile exakt umgekehrt. Nur in homöopathischen Dose liefert Heuser nach wie vor Laptops mit Mandrake, Gentoo, Red Hat/Fedora oder anderen Unixen (BSD, Solaris) aus.

Die zweite Verschiebung betrifft das fast allen Laptop-Herstellern vorinstallierte Betriebssystem. „Noch vor zwei Jahren“, so Heuser, „wollte jeder eine Windows-Partition auf dem System behalten. Heute ist es eher umgekehrt – die Leute vertrauen darauf, mit Linux gut versorgt zu sein.“ Als Grund für den Wandel vermutet er den Siegeszug von OpenOffice, das inzwischen eine echte Alternative zu Microsofts Büro-Suite darstellt.

Infos

[1] Asus: http://www.asuscom.de/

[2] Xtops.de: http://www.xtops.de/

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