Aus LinuxUser 01/2005

Suse Linux 9.2 auf dem Prüfstand

IM ZEICHEN DER MOBILITäT

Seit Mitte Oktober ist Suse Linux 9.2 Professional im Handel erhältlich. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Neuerungen und verraten, ob es sich lohnt, zu Version 9.2 zu greifen.

Linux eignet sich nur für pickelige, langhaarige, bleichhäutige Computerfreaks und die Erde ist eine Scheibe. Dass die zweite Aussage nicht stimmt, weiß jedes Kind, die erste Behauptung widerlegt am eindrucksvollsten die Installation der Suse-Distribution. Praktisch ohne Eingriff des Benutzers spielt der Installer ein gut vorkonfiguriertes System auf, das alle Programme enthält, die ein Heimanwender benötigt. Die neu erschienene Version 9.2 [1] soll viele Aufgaben noch zuverlässiger erledigen als die Vorgänger. Besonders im Bereich der mobilen Geräte verspricht der Distributor massive Verbesserungen. Von der Personal-Version heißt es mit Suse Linux 9.2 Abschied nehmen: Der Distributor bietet nur noch die 80 Euro teure Professional-Variante an.

Bunte Vielfalt

Suse stand und steht für Auswahl. Das betrifft sowohl die Installationsmedien als auch den Software-Umfang und die unterstützten Hardware-Plattformen. Der 9.2er-Version liegen daher gleich fünf CDs und zwei DVDs mit über 1000 Anwendungen bei. Bei den erstmalig benutzten Double-Layer-DVDs befinden sich die Pakete für 32- und 64-Bit-Systeme auf derselben Seite der DVD; so besteht keine Gefahr mehr, die Medien durch Fingerabdrücke unlesbar zu machen.

Alternativ installieren Sie von den fünf CDs, die allerdings nur Pakete für 32-Bit-Systeme enthalten. Aus Platzmangel finden Sie dort nicht alle Anwendungen. So liegt etwa das DTP-Programm Scribus und das kdewebdev3-Paket mit dem HTML-Editor Quanta nur auf der DVD. Die umfangreiche, aus Benutzer- und Administrationshandbuch bestehende Dokumentation deckt alle Themen von der Installation bis zur Druckerkonfiguration ab.

Als Zielplattformen unterstützt die Distribution Intel-Systeme ab einem Pentium I sowie die AMD-64-Architektur. Als Systemvoraussetzung empfiehlt Suse 256 MByte Arbeitsspeicher und mindestens 500 MByte freien Festplattenplatz Das genügt gerade einmal für die Minimalinstallation. Für einen Desktop-Arbeitsplatz mit KDE und OpenOffice.org sollten Sie mindestens 2,5 GByte einplanen.

Suse spielt auf

Bei unserem Test kamen ein Desktop-PC (AMD Athlon XP Prozessor, 512 MByte Ram) und ein Notebook (Samsung P10, Pentium 4M, 384 MByte Ram) zum Einsatz. Außerdem wollten wir wissen, wie es um die explizit beworbene, verbesserte WLAN-Unterstützung steht. Wir stellten das System daher mit zwei 11-MBit-Geräten (Netgear MA401 PC-Karte und ein Netgear MA111 WLAN-Adapter für den USB-Anschluss) auf die Probe. Das neue YaST-Modul zur Konfiguration von Infrarot-Geräten musste sein Können im Zusammenspiel mit dem IRDA-Port des Notebooks beweisen.

Die Installationroutine unterscheidet sich optisch kaum von der früherer Versionen und arbeitet ebenso zuverlässig. Die Hardware-Erkennung, die automatische Partitionierung und die vorgeschlagene Programmauswahl richten ein sinnvoll vorkonfiguriertes Linux-System ein. Leider passt Suse Linux die Software-Auswahl nicht an die erkannte Hardware an. Die Distribution installiert auf jedem System, unabhängig von der vorhandenen Hardware, Anwendungen für ISDN, ZIP-Laufwerke und Soundblaster-Karten.

Die einzige Schwäche leistete sich die Hardware-Erkennung auf den Desktop-Rechner, wo sie zwar den nichtverkabelten Onboard-Ethernet-Anschluss unpassenderweise mit DHCP konfigurierte, den funkbereiten WLAN-Adapter jedoch geflissentlich ignorierte. Schon während der Installation besteht jedoch die Möglichkeit nicht erkannte Komponente manuell zu konfigurieren. Der entsprechende Dialog verwirrt bei einem USB-WLAN-Adapter jedoch unerfahrene Benutzer (Abbildung 1).

Abbildung 1: "Drahtlos" oder "USB", das ist hier die Frage.
Abbildung 1: „Drahtlos“ oder „USB“, das ist hier die Frage.

Suse 9.2 bietet sowohl den Gerätetyp USB als auch Drahtlos an. Nur durch Ausprobieren findet man heraus, dass WLAN die richtige Wahl ist. Der Test der so konfigurierten Netzwerkgeräte während der Installation scheiterte allerdings, obwohl Suse den richtigen Treiber geladen und eine IP-Adresse gesetzt hat. Die Fehlermeldung sollten Sie ignorieren, nach dem ersten Start funktionierte das Netzwerk problemlos. Besonders einfach richten Besitzer eines Centrino-Notebooks das drahtlose Netzwerk ein. Sowohl für die Intel Pro/Wireless 2100 als auch für die Pro/Wireless 2200 bringt Suse Linux den passenden Treiber mit. Sogar die nötige Firmware für die Intel-WLAN-Komponenten befindet sich auf den Installationsmedien. Ähnlich gut schaut es für 54-MBit–Geräte aus, die Sie mit einem Treiber des wlan-ng-Projekts [2] an den Start bringen. Die nötigen Kernelmodule liefert Suse Linux mit, die Firmware laden Sie über das Online Update herunter.

Startbereit

Als Neuerung beim ersten Start fällt gleich der mit Videosequenzen im mng-Format untermalte Splash-Screen auf, der allerdings kaum verrät, was das System gerade tut. Um bei Problemen eine aussagekräftige Fehermeldung zu erhalten, drücken Sie während des Starts [Esc], um die ausführlichen Boot-Meldungen einzublenden. Wie Sie den Splash-Screen dauerhaft in YaST deaktivieren, lesen Sie unter [2] nach. Als Oberfläche setzt die Distribution auf KDE 3.3, X.org 6.8.1 löst als Unterbau des grafischen Systems XFree ab. Das Einrichten des X-Servers erledigt SaX gewohnt professionell, wir mussten lediglich die Bildwiederholfrequenz des Laptops korrigieren.

USB-Probleme

Wie in der Vorgängerversion mountet Suse Linux Wechselmedien automatisch. Das funktionierte schon in der Vorgängerversion nicht mit allen Modellen [4]. Unter Suse Linux 9.2 sind die Probleme noch schwerwiegender: Von drei getesteten Sticks, die sich unter Suse 9.1 problemlos einbinden lassen, mountet die Distribution keinen einzigen automatisch. Den ersten, einen SWISSBIT Black Silver erkennt Suse Linux zwar und legt das Einhängeverzeichnis an, der Zugriff auf das Gerät führt jedoch reproduzierbar zu einer Fehlermeldung (Abbildung 2). Auch das Deaktivieren von subfs[3] ändert daran nichts.

Abbildung 2: USB-Sticks und Suse Linux vertragen sich nicht.
Abbildung 2: USB-Sticks und Suse Linux vertragen sich nicht.

Bei dem zweiten Gerät, einem DNT Fun256 MP3-USB-Stick, scheitert schon die Erkennung, stattdessen hängt das usb-storage-Modul und lässt sich auch mit rmmod nicht mehr entladen. Nur bei dem dritten Stick, einem No-name-Produkt, gelang das Einhängen, wenn auch nicht automatisch.

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