Aus LinuxUser 01/2005

Acht Bluetooth Mobiltelefone im Test

Telefonflirt

Immer mehr neue Mobiltelefone verfügen über einen eingebaute Bluetooth-Schnittstelle. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Sie unter Linux auf Ihr Bluetooth-Handy zugreifen, und wozu Linux mit entsprechenden Programmen fähig ist.

Es gibt doch nichts schöneres, als auf dem Heimweg im Zug oder in der U-Bahn über Bluetooth Dateien an wildfremde Menschen zu versenden. Wer verbirgt sich wohl hinter dem Handy mit dem Spitznamen Gurke und wer ist 7610? Wird er/sie meine Nachricht akzeptieren? Bluetooth hat das Zeug, eines der beliebtesten Spielzeuge der kommenden Jahre zu werden. Da der Datenverkehr über Bluetooth direkt von einem Gerät aufs andere läuft, verursacht Bluetooth keine Kosten. Hintergrundbilder und Klingeltöne lassen sich damit konfortabel vom PC auf das Mobiltelefon oder vom Handy auf ein anderes Bluetooth-Gerät übertragen. Das von Ericsson erfundene Protokoll eignet sich allerdings nicht nur dazu, Visitenkarten und Fotos zu versenden, sondern auch als Ersatz für eine Infrarot-Fernbedienung oder um am PC den Mauszeiger zu steuern. Gerade für Linux-Anwender ist Bluetooth besonders interessant, da viele Funktionen, die sich unter Windows über USB oder das serielle Kabel verwirklichen lassen, unter Linux nur mit Bluetooth funktionieren.

Dieser Artikel erklärt zu Beginn kurz, wie Sie unter KDE Dateien vom PC auf’s Handy übertragen und geht danach auf die einzelnen Telefone und ihre Features ein. Getestet haben wir unter Suse Linux 9.1 und 9.2, sowie unter Fedora Core 3. Für Einsteiger eignet sich das neue Suse Linux 9.2 gut, da YaST hier mit einem separaten Bluetooth-Modul ausgestattet ist.

Partnersuche

Damit es zwischen Ihrem Bluetooth-Handy und Linux so richtig funkt, brauchen Sie einen PC mit eingebautem Bluetooth-Adaper oder einen so genannten Bluetooth-Dongle mit USB-Anschluss. Seit Kernel 2.6 laufen eigentlich alle USB-Bluetooth-Adapter unter Linux. Unter Kernel 2.4 funktionieren hingegen viele Adapter gar nicht, oder nur nach dem Patchen des Kernels. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, die Distribution oder zumindest den Kernel aufzufrischen. Nach dem Anschließen des Adapters starten Sie zunächst das Bluetooth System als root über /etc/init.d/bluetooth start und testen dann mittels hctiool dev, ob Linux Ihren Bluetooth-Adapter erkannt hat. Als Ausgabe sollten Sie eine Zeile bekommen, in der das Gerät hci0 mit seiner Hardware-Adresse (zum Beispiel 00:10:C6:29:2E:13) aufgeführt ist.

Läuft das Bluetooth-System, starten Sie das KDE Bluetooth Framework mit dem Befehl kbluetoothd und überprüfen dann in Konqueror über die URL bluetooth:/, ob der KDE-Browser Ihr Mobiltelefon erkannt hat (siehe Abbildung 1). Dazu muss Bluetooth auf Ihrem Handy aktiviert und das Gerät sichtbar sein. Wie Sie die nötigen Einstellungen an Ihrem Mobiltelefon vornehmen, sollte die Dokumentation Ihres Handys beschreiben.

Abbildung 1: Konqueror sieht neben sich selbst (localhost) noch zwei Mobiltelefone, einen Pocket PC und einen weiteren PC.
Abbildung 1: Konqueror sieht neben sich selbst (localhost) noch zwei Mobiltelefone, einen Pocket PC und einen weiteren PC.

Um Dateien an Ihr Mobiltelefon zu senden, klicken Sie auf das entsprechende Icon (im Beispiel das K700i). Sie sehen dann, welche Dienstleistungen das Handy anbietet (Abbildung 2). Hier klicken Sie auf das Obex Object Push Symbol, und wählen dann im nachfolgenden Dialogfenster Mit „kbtobexclient“ öffnen. Daraufhin startet entweder der KDE Bluetooth Obex Push Client, oder Sie werden aufgefordert, eine PIN einzugeben, um Ihren PC mit dem Handy zu koppeln.

Abbildung 2: Das K700i verfügt über zahlreiche Dienstleistungen. Um Dateien ans Handy zu senden wählen Sie Obex Object Push.
Abbildung 2: Das K700i verfügt über zahlreiche Dienstleistungen. Um Dateien ans Handy zu senden wählen Sie Obex Object Push.

Kontaktaufnahme

Bevor Ihr PC Daten and das Handy senden kann, muss er sich zunächst mit dem Telefon koppeln. Dieser Vorgang heißt Pairing und beruht auf einem gemeinsamen PIN-Code. Die zum Pairing benötige PIN steht unter Linux in /etc/bluetooth/pin. Da die Datei von Haus aus meistens der Eintrag BlueZ enthält, müssen Sie die Datei vor der ersten Koppelung editieren. Sie sollte lediglich eine Zeile, mit einer frei gewählten Zahlenkombination enthalten, ohne vorangestelltes PIN:. Geben Sie nun am Handy Ihre PIN ein, überprüft das in /etc/bluetooth/hcid.conf unter pin_helper angegebene Programm, ob der Code mit der Zahlenkombination in /etc/bluetooth/pin übereinstimmt. War das Pairing erfolgreich, listet das Handy Ihren PC unter den gekoppelten Geräten auf.

Damit KDE die PIN-Abfrage grafisch abwickelt, benötigen Sie das KDE Bluetooth Framework. Bei Suse Linux 9.1 und 9.2 ist das entsprechende Paket bereits installiert. Pakete für andere Distributionen finden Sie auf der KDE-Bluetooth-Homepage [1]. Ändern Sie für die grafische PIN-Abfrage das unter pin_helper angegebene Programm nach /opt/kde3/lib/kdebluetooth/kbluepin. Den entsprechenden Pfad teilt Ihnen der Kdebluetooth-Daemon beim Start des Programmes mit. Mit dem KDE-Pinhelper benötigen Sie keine fest eingestelle PIN. Geben Sie einfach im entsprechenden Dialogfenster (siehe Abbildung 4) einen beliebigen Code ein.

Abbildung 3: Über den KDE Bluetooth Obex Push Client senden Sie Adressbuch- und Kalendereinträge an Ihr Handy.
Abbildung 3: Über den KDE Bluetooth Obex Push Client senden Sie Adressbuch- und Kalendereinträge an Ihr Handy.

Datentransfer

Nach geglücktem Pairing startet der KDE Bluetooth Obex Push Client (siehe Abbildung 3). Wählen Sie hier einfach die zu sendende(n) Datei(en) in der oberen Fensterhälfte aus und ziehen sie auf das Feld File to send. Unter Device Selector sollten Sie Ihr Handy sehen. Findet Kbtobexclient kein Gerät, klicken Sie auf Search, um eine Suche nach neuen Geräten zu starten. Über einen Klick auf Send überträgt das Programm die Files aufs Handy. Je nach Handy landen die gesendeten Dateien entweder direkt im Telefonspeicher, oder Sie müssen den Transfer auf dem Handy zunächst noch gutheißen. Welche Dateitypen Ihr Gerät akzeptiert, hängt von dessen Funktionsumfang ab. Auf allen Testhandys funktionierten folgende Dateien:

  • Adressbuch-Einträge (*.vcf)
  • Kalender-Einträge (*.ics oder *.vcs)
  • Bilder (*.jpg)
  • MIDI-Klingeltöne (*.mid )

Das Senden von Dateien vom Handy auf den PC gestaltet sich ähnlich einfach. Wählen Sie auf Ihrem Mobiltelefon den entsprechenden Menüpunkt aus, sucht das Telefon nach Bluetooth-Geräten. Hier machen Sie Ihren Linux-Rechner über den Namen ausfindig, den Sie in der Datei /etc/bluetooth/hcid.conf eingegeben haben, und klicken auf Senden. Bei fast allen Testgeräten gibt es dazu einen Menüpunkt Senden | Via Bluetooth. Eine Ausnahme davon bilden das Motorola V600 und der MDA III. Beim Motorola heißt der entsprechende Menüpunkt je nach Kontext Verschieben oder Kopieren. Beim Windows-Gerät gibt es den Menüpunkt überhaupt nicht: Sie müssen Ihre Dateien umständlich über den Bluetooth-Manager auswählen (mehr dazu weiter unten).

Läuft der KDE-Bluetooth-Daemon, erscheint auf Ihrem Desktop ein Fenster, das Sie auf den anstehenden Dateitransfer hinweist. Über Future policy for this device legen Sie in diesem Dialog fest, ob Sie den Datentransfer in Zukunft automatisch akzeptieren oder zurückweisen möchten. Nehmen Sie die Datei an, erscheint das Fenster Incoming File Transfer. Hier können Sie die Datei entweder über einen Mausklick öffnen oder über Save speichern.

Unter Fedora Core benötigen Sie die Pakete gnome-bluetooth und gnome-vfs-extras, um Daten zwischen dem Handy und dem PC auszutauschen. Weigert sich Fedora, Daten vom Handy zu empfangen, müssen Sie zunächst den gnome-obex-server starten. Ist Gnome-Bluetooth installiert, erscheint auch hier ein entsprechendes Fenster, in dem Sie den Transfer gutheißen können. Die ankommenden Dateien speichert Fedora dann in Ihrem Home-Verzeichnis.

Vorsicht ist bei Suse Linux 9.2 geboten. Hier erscheint bei gekoppelten Geräten kein Hinweisfenster mehr und alle eingehenden Dateien landen direkt im Verzeichnis /var/lib/bluetooth. In der Praxis heißt das, dass jemand Ihnen unbemerkt Dateien senden kann, falls er Ihren Bluetooth-PIN-Code kennt.

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