Aus LinuxUser 09/2004

Test MainActor v5

Schneidebrett

Fast ein Jahr lang ließ MainConcept die Linux-Gemeinde auf die runderneuerte Version des Videoschnittprogramms MainActor warten. Ob sich das Ausharren gelohnt hat, zeigt ein eingehender Test.

MainActor ist das einzige kommerzielle Videoschnittprogramm für Linux, das den Heim- und semiprofessionellen Markt bedient. Die kostenlose Konkurrenz ist mit dem recht einfachen „Kino“ und dem mehr als umständlich zu bedienenden „Cinelerra“ weniger leistungsfähig oder komplexer in der Bedienung.

Nachdem zunächst nur eine Windows-Version von MainActor 5 erschienen war, nahm MainConcept die bis dato erhältliche Linux-Version 3.7 vom Markt – nur als Beilage in der Suse-Linux-8.2-Box war sie noch eine Weile erhältlich. Da sich die Portierung der neuen Version jedoch weiter verzögerte, überbrückte MainConcept die Zeit mit insgesamt zwei Vorabversionen. Eine von ihnen findet man noch im aktuellen SuSE Linux 9.1 Professional. Erst Ende Juli gab der Hersteller die finale Version von MainActor 5 für Linux frei. Eine Version 4 hat es übrigens nie gegeben.

Probefahrt

Auf den Internet-Seiten des Herstellers [1] steht eine kostenlose Demoversion zum Download bereit. Sie bietet alle Funktionen der Vollversion, stanzt aber ein Wasserzeichen in die geschnittenen Videos. Wer bereits MainActor 5 für Windows besitzt, kann den Registrierungsschlüssel gleich weiter verwenden: Er gilt stets für beide Varianten.

Die zum Redaktionsschluss auf der Homepage angebotenen RPM-Pakete sind für Suse Linux 9.0/9.1 und Mandrake Linux optimiert. Vor einem eventuellen Kauf sollten Sie daher unbedingt testen, ob MainActor auf Ihrer Distribution einwandfrei läuft. Ob Pakete für weitere Distributionen erstellt werden, ist derzeit noch unklar.

Die MainActor-Version, die mit Suse Linux 9.1 ausgeliefert wird, ist veraltet. Deinstallieren Sie diese Version, bevor Sie das heruntergeladene Paket mit Yast einspielen. Anschließend starten Sie die Anwendung über mactor in einem Terminal-Fenster. Die deutsche Menüführung aktivieren Sie über den entsprechenden Punkt unter Edit / Preferences. Leider spricht MainActor nicht durchgehend Deutsch: Bei der Arbeit trifft man immer wieder auf englische Texte, wie beispielsweise in den Beschreibungen der Effekte und Transitionen.

Wer alte MainActor-3.x-Projekte weiter verwenden will, kann sie per Importfunktion übernehmen – einen Weg zurück gibt es aber nicht.

En block

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger kennt MainActor 5 keine Einzelanwendungen mehr. Stattdessen versammeln sich alle Funktionen unter einer Oberfläche, die auch gleich die größte Neuerung des Paketes ausmacht (Abbildung 1): Sie scheint von Adobe Premiere inspiriert zu sein. Wem das neue Layout nicht gefällt, der schiebt die Fenster an einen neuen Platz und speichert die so erstellte Anordnung ab. Standardmäßig werden bereits ein Media Working Layout und ein Editlayout mitgeliefert. Über das Menü schalten Sie schnell zwischen den verschiedenen Einstellungen um.

Abbildung 1: Obwohl die Oberfläche im Vergleich mit anderen Videoschnittprogrammen aufgeräumt wirkt, werden Videoschnitteinsteiger überfordert.
Abbildung 1: Obwohl die Oberfläche im Vergleich mit anderen Videoschnittprogrammen aufgeräumt wirkt, werden Videoschnitteinsteiger überfordert.

Als Ersatz für eine Online-Hilfe öffnet MainActor das Handbuch im PDF-Format. Letzteres bietet Neulingen einen guten Einstieg, als Referenz taugt es jedoch nur eingeschränkt.

Hereinspaziert!

Neu ist ein Modul, mit dem Sie Videomaterial von einer Digitalkamera über den FireWire-Anschluss auf den Rechner kopieren (Abbildung 2). Es funktioniert nur, wenn zuvor alle nötigen Treiber geladen wurden. Auf einem Testrechner mit Suse Linux 9.1 und einer Sony-Digital-8-Kamera musste man die Treiber von Hand laden. Dieses Problem ist aber nicht MainActor anzulasten, im Gegenteil: Das Programm erkannte die Kamera anschließend vorbildlich und steuerte sie problemlos an.

Auch die verschiedenen Aufnahmeparameter sind nützlich: Angefangen bei einer automatischen Szenenerkennung über Deinterlacing (Beseitigung von Kamm-Artefakten) bis zur Aufteilung der Videos beim Erreichen einer bestimmten Dateigröße bietet MainActor mehr Komfort als die Konkurrenz unter Linux. Die letztgenannte Funktion ist vor allem dann relevant, wenn ein Datenaustausch mit Windows stattfindet: Dort können eventuell nur 2 bzw. 4 GByte große Dateien verarbeitet werden. Die Szenenerkennung arbeitete stets bildgenau und lieferte keine falschen Schnitte.

Abbildung 2: Das neue Aufnahmemodul bietet viele Funktionen, im Bild: Szenenerkennung (Scene Detection), Deinterlacer (unter "Capture Settings") und Beschränkung der Dateigröße auf 2 GByte.
Abbildung 2: Das neue Aufnahmemodul bietet viele Funktionen, im Bild: Szenenerkennung (Scene Detection), Deinterlacer (unter „Capture Settings“) und Beschränkung der Dateigröße auf 2 GByte.

Ein Importmodul für analoge Eingänge, wie zum Beispiel eine Fernsehkarte, gibt es im neuen MainActor nicht mehr.

Ordnung muss sein

MainActor setzt, wie auch fast alle Windows-Kollegen, auf das Konzept der Zeitleiste (Timeline): Mit dieser ordnet das Programm die einzelnen Videoclips auf einer horizontalen Zeitachse an (Abbildung 3). Auf ihr können Sie die Clips anschließend beschneiden und mit Effekten versehen. Anders als andere Programme verwaltet MainActor sogar mehrere Zeitleisten innerhalb eines Projektes – so behalten Sie bei großen Projekten den Überblick, indem Sie zum Beispiel den Vorspann in eine und den Abspann in einer weitere Timeline einsortiert. Ist der Film fertig gestellt, fügt man die Teile wieder zu einem Ganzen zusammen.

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