Aus LinuxUser 09/2004

PlanMaker

Tabellenwiesel

Nachdem die deutsche Firma SoftMaker im vergangenen Jahr bereits ihre Textverarbeitung TextMaker auf Linux portiert hatte, folgt nun die Tabellenkalkulation PlanMaker. Wir warfen einen Blick auf die fast fertige Vorabversion.

SoftMaker stellt verschiedene Office-Produkte her: Neben der Textverarbeitung TextMaker, die wir in den LinuxUser-Ausgaben 05/2003 [1] und 07/2003 [2] vorgestellt haben, und der Datenbank DataMaker (die bisher nur für Windows erhältlich ist), findet sich in der Produktliste auch die Tabellenkalkulation PlanMaker, die seit kurzem auch in einer Linux-Version vorliegt.

Wie schon der Textkollege, ist auch PlanMaker extrem schlank: Gerade einmal 15 MByte genügen der Tabellenkalkulation – inklusive Handbuch im PDF-Format, das gleichzeitig als Hilfe herhalten muss. Eine eingebaute Online-Hilfe, wie sie in anderen Programmen üblich ist, spendiert der Hersteller nicht. In der uns vorliegenden Testversion fehlten zudem Vorlagen und Beispieldokumente. Dafür gibt es zusätzliche Wörterbücher für Französisch, Portugiesisch und skandinavische Sprachen. Installiert man sie, steigt der Speicherbedarf auf ungefähr 31 MByte.

Die Genügsamkeit beim Festplattenspeicher setzt sich erfreulicherweise in anderen Bereichen fort: Wer bereits mit Büropaketen vom Kaliber eines OpenOffice vertraut ist, wird angenehm überrascht sein, wie schnell und agil die Anwendung startet und im Betrieb reagiert. Nur beim Import von Dokumenten kam es ab und an zu deutlichen Verzögerungen.

Auch an der Stabilität gab es nichts zu kritisieren: Während unserer Tests verzeichneten wir keinen einzigen Absturz. Lediglich bei der grafischen Anzeige traten hin und wieder kleinere Probleme auf; besonders gerne geschah dies nach dem oder während des Imports von Dokumenten.

Oberflächlich

Die Benutzeroberfläche zeigt ein vertrautes Bild (Abbildung 1): SoftMaker setzt hier auf ein selbst entwickeltes Oberflächen-Toolkit, das bereits erfolgreich in TextMaker seinen Einstand feierte. Die Symbolleisten und Menüstrukturen gehen konform mit den gängigen Standards, so dass Umsteiger schnell Zugang finden.

Abbildung 1: Die Oberfläche von PlanMaker: Diagramme sind in vielfältigen Varianten verfügbar.
Abbildung 1: Die Oberfläche von PlanMaker: Diagramme sind in vielfältigen Varianten verfügbar.

Etwas ungewöhnlich ist der so genannte Objektmodus, in den PlanMaker automatisch schaltet, sobald man ein Diagramm oder eine Grafik einfügt oder manipuliert: Er verhindert versehentliche Änderungen von Zelleninhalten, irritiert aber Umsteiger sehr – TextMaker-Anwender kennen diese Eigenart bereits. Glücklicherweise kommt man mit diesem Prinzip nur recht selten in Berührung, da PlanMaker meist je nach Kontext automatisch den Objektmodus aktiviert bzw. deaktiviert.

Funktionsumfang

Punkten kann PlanMaker bei den reichlich vorhandenen grafischen Elementen zur Illustration. Sogar Flussdiagramme klickt man dank so genannter Verbindungslinien schnell zusammen: Letztere rasten an Objekten ein und wandern automatisch mit. Leider erreicht man derartige Spezialelemente nur über ein Dialogfenster (Abbildung 2) –das ist aber zu verschmerzen, da man Illustrationen dieser Art eher selten benötigt.

Abbildung 2: Jedes Element eines Flussdiagramms oder Organigramms muss im Gegensatz zu häufiger verwendeten Symbolen umständlich im Dialogfenster ausgewählt werden.
Abbildung 2: Jedes Element eines Flussdiagramms oder Organigramms muss im Gegensatz zu häufiger verwendeten Symbolen umständlich im Dialogfenster ausgewählt werden.

Ansonsten bietet PlanMaker solide Basiskost, bleibt aber hinter Open- bzw. StarOffice zurück. Als nennenswerte größere Hilfen bietet PlanMaker lediglich eine Zielwertsuche, einen Filter für Daten und eine Gliederung (Zusammenfassen einer Menge von Zellen zu Gruppen). Somit fehlen gegenüber OpenOffice viele nützliche Funktionen, die insbesondere die Arbeit mit umfangreichen Tabellen erleichtern. Ein Beispiel dafür ist der Detektiv von OpenOffice: Er markiert alle Zellen, von denen eine Formelzelle abhängt. Eine solch extrem nützliche Funktion sollte in modernen Tabellenkalkulationen mittlerweile zum Standard gehören.

Details

Im Detail steckt oft die Tücke: Die Rechtschreibprüfung im Hintergrund unterstreicht nicht einfach falsche Wörter, sondern hemmt den Arbeitsfluss durch immer neu erscheinende Popup-Fenster. Des Weiteren vermissen Excel-Benutzer Eingabehilfen, wie zum Beispiel die automatische Ergänzung von Wörtern. Ebenfalls etwas unschön ist das Fehlen einer Umschaltung zwischen der amerikanischen und deutschen Tausenderpunkt-Notation (100,000.00 statt 100.000,00).

Abbildung 3: Den Druckbereich legt man umständlich in den Seiteneinstellungen fest – immerhin bietet PlanMaker hier den aktuell markierten Bereich an.
Abbildung 3: Den Druckbereich legt man umständlich in den Seiteneinstellungen fest – immerhin bietet PlanMaker hier den aktuell markierten Bereich an.

In besserem Licht zeigt sich PlanMaker bei den vordefinierten Zellenformaten – dort existiert sogar eine Vorlage für den ISBN-Code – und beim Transponieren einer Matrix, also dem Vertauschen von Zeilen und Spalten. Während Letzteres unter OpenOffice nur umständlich über die Zwischenablage möglich ist, bietet PlanMaker hierfür einen eigenen Unterpunkt im Hauptmenü.

Import

Der Import von Excel-Dokumenten hinterlässt gemischte Gefühle. PlanMaker übernahm zwar alle Daten, viele eingebettete Bilder landeten jedoch im Daten-Nirvana (Abbildung 4). Da das Programm weder Makros noch Skripte kennt, verwirft es diese ebenfalls kommentarlos. Die Freude über eine Unterstützung von StarCalc-Dateien währte nur kurz: Die Tabellenkalkulation liest lediglich die längst nicht mehr aktuellen Versionen 1.0 und 2.0. Besonders bitter ist dies, da die aktuellen Versionen von Open-/StarOffice keine Exportfilter mehr für diese Formate haben.

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