Aus LinuxUser 03/2004

Editieren mit dem Vim-Frontend gvim

Wer hat Angst vorm bösen Vim?

Beim Editor vi und seinen Verwandten hört für viele der Spaß in Sachen Komfort und Bedienbarkeit auf. Doch selbst Einsteiger brauchen auf dieses mächtige Werkzeug nicht zu verzichten, denn mit Gvim existiert eine klickbare Variante des vi-Klons.

Braucht ein guter Editor eine grafische Oberfläche oder nicht? Der fortgeschrittene Anwender mag wohl mit unzähligen Tastaturkürzeln zurechtkommen, einen weicheren Einstieg bieten dennoch Programme mit mausbedienbaren Menüs. Optimal scheint also ein Editor, der beides vereint. Gvim hat das Potenzial für Power-User, ist aber auch ohne umfangreiche Tastenreferenz benutzbar.

Einige Distributionen verstecken die GUI-Version von Vim in einem separaten Paket, das Sie zum Basisprogramm hinzu oder an dessen Stelle installieren müssen. Bei Debian Woody heißt es beispielsweise vim-gtk.

Gvim selbst zu kompilieren, ist für Einsteiger nicht ganz einfach, auch weil mittlerweile über 180 Patches einzuspielen sind. Falls Sie es trotzdem probieren möchten, finden Sie Hinweise dazu im Kasten „Installation“.

Installation

Den kompletten Quellcode mit den Patches finden Sie auf der Linux-User-CD oder auf der Web-Site des Vim-Projekts [1]. Die Patches holen Sie sich am besten mit einem Download-Manager wie wget:

wget -g on ftp://ftp.vim.org/pub/vim/patches/6.2.*

Machen Sie sich keine Sorgen wegen der Download-Zeiten. Selbst mit einem 56k-Modem ist das Herunterladen schnell erledigt.

Als nächstes entpacken Sie die Archivdateien:

tar xvjf vim-6.2.tar.bz2
tar xvzf vim-6.2-lang.tar.gz
tar xvzf vim-6.2-extra.tar.gz

Alles, was sie soeben entpackt haben, liegt nun im Verzeichnis vim62. Wechseln Sie in dieses Verzeichnis und spielen Sie mit einem Shell-Befehl die Patches ein:

cd vim62
for i in /pfad/zu/patches/6.2.*; do patch -p0 < $i; done

Als nächstes schauen Sie sich mit dem Kommando ./configure --help | less an, welche Einstellmöglichkeiten Vim mitbringt. Die GUI-Version aktiviert die Option --enable-gui. Sie können zwischen gtk, gtk2, gnome und anderen Oberflächen wählen. In unserem folgenden Beispiel ist es gtk mit weiteren Optionen:

./configure --enable-multibyte \
  --enable-xim \
  --enable-fontset \
  --with-x \
  --enable-gui=gtk \
  --with-features=huge \
  --enable-perlinterp

Mit make kompilieren Sie die Software, um sie anschließend als Administrator mit make install in den Verzeichniszweig zu /usr/local installieren:

$ make
$ su
Password: (root-Passwort eingeben)
# make install

Vim ist jetzt einsatzbereit (Abbildung 1). Das Kommando vim --version zeigt nochmal alle bei der Kompilierung vorgenommenen Einstellungen:

$ vim --version
VIM - Vi IMproved 6.2 (2003 Jun 1, compiled Jan 17 2004 15:38:36)
Inclusive der Korrekturen: 1-181
Übersetzt von Andreas Kneib
Monster Version mit GTK GUI.
(…)

Um Gvim in Zukunft zu starten, benutzen Sie den Befehl gvim oder vim -g.

Abbildung 1: Bei diesem Perl-Skript benutzt Gvim Syntax-Highlighting.
Abbildung 1: Bei diesem Perl-Skript benutzt Gvim Syntax-Highlighting.

Einstellungssache

Der Editor Vim selbst lässt sich über die Datei ~/.vimrc in jeder erdenklichen Hinsicht konfigurieren [2]. Hier geht es aber um die speziellen Aspekte der GUI-Version, weshalb ein kurzer Verweis genügen soll: Wenn Sie sich für die Einstellmöglichkeiten der ~/.vimrc interessieren, seien Ihnen die Setup-Dateien aus dem WWW ans Herz gelegt, die nicht nur in Sachen Vim eine Goldgrube sind [3].

Die für Gvim relevante Datei heißt ~/.gvimrc. Mit ihr legen Sie Aussehen und Verhalten des GUI-Frontends fest. Wie die entsprechenden Konfigurationsvariablen aussehen, erfahren Sie im Editor selbst. Die Programmhilfe verbirgt sich hinter dem Button HilfeÜberblick zeigt Ihnen eine Übersicht und die Hilfe zur Hilfe. Falls die Pfeiltasten bei Ihnen nicht funktionieren, steuern Sie den Cursor mit den Tasten k (hoch), j (runter), h (links) und l (rechts).

Hallo Maus

Um die Maus zu aktivieren, drücken Sie die Taste [Esc], schreiben dann :set mouse=a und quittieren das Ganze mit der [Enter]-Taste. Der Doppelpunkt macht dem Editor im laufenden Betrieb klar, dass es sich um einen Befehl handelt, den er abarbeiten soll. Um die Maus dauerhaft einzuschalten, schreiben Sie die Zeile set mouse=a (ohne Doppelpunkt) in die Datei ~/.vimrc oder ~/.gvimrc. Wenn Sie nun in einen Bereich doppelklicken, der von zwei Pipe-Zeichen umschlossen wird (z. B. Bereich), führt Sie dieser Link zu einer anderen Stelle der Hilfe. Wieder zurück gelangen Sie mit den Tastenkombinationen [Strg-t] oder [Strg-o].

Eines wollen wir jedoch nicht verschweigen: Im Gegensatz zu Vim, dessen Menü samt Programmmeldungen in Deutsch erscheinen, sind die umfangreichen Hilfstexte des Gvim oft nicht übersetzt, liegen also nur im englischen Original vor.

Farbenfroh

Der Menüpunkt HilfeSuchen lässt Sie in der Hilfe nach Stichwörtern suchen. So zeigt Ihnen das Suchwort gui die Befehle und Variablen im Umgang mit dem GUI-Frontend, die Sie in der Datei ~/.gvimrc verwenden können. Dort braucht es in der Regel nur wenige Einstellungen, um beispielsweise Farben und Schriftarten festzulegen. In der Hilfe findet sich dazu diese Konfigurationszeile:

:highlight Normal guibg=grey90

Sie färbt den Hintergrund des Programms in ein leichtes, augenfreundliches Grau. Auch diese Zeile können Sie – ohne den Doppelpunkt – in die ~/.gvimrc schreiben. Die Farbe des Vordergrunds legen Sie entsprechend mit guifg fest.

Ihre Lieblingsschrift stellen Sie dort mit der Variable set guifont ein. Auch guifont findet sich als Suchwort in der Hilfe wieder. In der Konfigurationsdatei schaut diese Variable beispielsweise so aus:

set guifont=-misc-fixed-medium-*-normal-*-15-140-75-*-*-*-iso8859-15

Am Schluss der Konfigurationsarie stehen die Fenstergröße und das Syntax-Highlighting:

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