Aus LinuxUser 01/2004

Distri-Bits

In der dunklen Jahreszeit präsentieren wir Ihnen das neueste Bonzai Linux und eine Möglichkeit, ohne Abschluss eines Wartungsvertrages zu einem Red Hat Enterprise Linux zu kommen. Ähnlich knauserige Administratoren, die viele Bürorechner mit identischer Konfiguration ausstatten müssen, werfen zudem einen Blick auf eine Distribution aus Österreich.

Linux für Büros

Besonders geeignet für den Einsatz im Büro – so preist die österreichische Firma Antitachyon ihre Office optimized Linux (OoL) genannte Distribution an. OoL ist ein Ableger der Server-Distribution Server Optimized Linux (SoL) und im Gegensatz zu dieser unter http://www.sol-linux.com/Content/OoL kostenlos in Form eines etwa 700 MByte großen ISO-Images erhältlich.

Die Distribution verlangt bei der Einrichtung einiges an Handarbeit; so müssen Sie das Kernelmodul für die im Rechner verbaute Netzwerkkarte angeben, die Partitionierung selbst mit cfdisk vornehmen und auch das X-Window-System selbst einrichten. Es gibt keine grafischen Helferlein, die diese Aufgaben erledigen. Auch Mountpoints für CD- oder Diskettenlaufwerke sind von der Benutzerin selbst anzulegen; alles in allem nichts für Einsteiger.

Es empfiehlt sich daher unbedingt, vor Beginn der Installation das Handbuch unter http://www.sol-linux.com/Content/Documentation/SoLIv2.html durchzuarbeiten und auszudrucken. Genaue Anweisungen zum Einrichten der Office-Programme finden Sie unter http://www.sol-linux.com/Content/Documentation/OoL-install.html.

Eine Paketauswahl sieht die Installationsroutine nicht vor; das Installationsskript kopiert stets das komplette System von der CD auf die Festplatte. Nach dem ersten Start fragt es ein root-Passwort ab und lässt die Administratorin dann mit der Kommandozeile alleine.

Im Heimatverzeichnis von root gibt es ein Skript namens Configure-X11.sh, das versucht, die Monitor- und Grafikkartendaten zu ermitteln und eine funktionierende Konfigurationsdatei für X zu erstellen. Das klappt besonders auf älteren Rechnern nicht besonders gut, so dass der Benutzerin nach Ausführung des Skripts eine grafische Oberfläche in der Auflösung von 640×480 Punkten bei 60 Hz entgegenflimmert. Mit den Programmen xf86config oder xf86cfg gelingt es letztendlich doch, ein funktionierendes X auf die Beine zu stellen.

Spätestens jetzt ist es an der Zeit, einen nicht privilegierten Benutzer anzulegen und fortan unter dessen Kennung zu arbeiten. Nach dem Start von X erfreut diesen ein gut konfiguriertes, aber nicht mehr ganz taufrisches KDE 3.1.2 (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der KDE-Desktop von "Office optimized Linux"
Abbildung 1: Der KDE-Desktop von „Office optimized Linux“

Auch für die Installation von OpenOffice 1.1 liegt im Home-Verzeichnis von root ein Installationsskript namens InstallOOo.sh, das mit Superuser-Rechten aufzurufen ist. Im Anschluss steht allen Usern die aktuelle Version des Büropakets zur Verfügung. Als Webbrowser fungiert Mozilla Firebird in der aktuellen Variante, und das ganz ohne weiteres Zutun.

Bei der Konfiguration des Systems gibt es keine Unterstützung durch Assistenten oder Programme, nur den Weg über die Konfigurationsdateien. Einmal erstellte Konfigurationen lassen sich aber – eine Besonderheit von OoL/SoL – in XML-Dateien speichern und auf Diskette kopieren. Während der Installation eines Rechners liest das Installationsprogramm diese Dateien aus und konfiguriert das System entsprechend. Informationen dazu finden Sie unter http://www.sol-linux.com/Content/Documentation/startup.

Mini-Debian

Wer eine Distribution sucht, die sich auf einen 8-Zentimeter-Rohling brennen lässt, findet unter http://download.berlios.de/bonzai/bonzai_3_1.iso inzwischen Version 3.1 von Bonzai Linux als etwa 180 MByte großes ISO-Image vor.

Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein Live-System. Da die Distribution nicht nur auf Debian beruht, sondern deren Installationsroutine übernimmt, ist das Ganze nichts für Linux-Einsteiger.

Einmal eingerichtet, präsentiert sich ein abgespecktes Debian-System mit Xfce 4.0 (Abbildung 2). Die Abkehr von KDE, das noch der Vorversion als Desktop-Umgebung diente, begründet Bonzai-Betreuer Marcus Möller damit, dass Xfce kleiner und auch auf älterer Hardware noch lauffähig sei.

Abbildung 2: Bonzai Linux mit Xfce und spartanischer Softwareausstattung
Abbildung 2: Bonzai Linux mit Xfce und spartanischer Softwareausstattung

Um die Paketverwaltung kümmert sich Synaptic. Die Softwareausstattung der Distribution ist in der Grundinstallation nach wie vor mager; nahezu alle Programme für die tägliche Arbeit müssen von der Anwenderin erst aus dem Debian-Softwarepool nachinstalliert werden. Andere Mini-Distributionen wie Morphix LightGui (http://morphix.sourceforge.net/) sind in dieser Hinsicht wesentlich besser ausgestattet und schneller installiert.

Rote Hüte in weißen Kisten

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