Aus LinuxUser 11/2003

Drucken digitaler Fotos (Seite 2)

Das heißt, dass ein Bild im Seitenverhältnis 4:3 10×15-Papier (3:2) nur in der Breite und nicht in der Höhe komplett ausfüllt. Damit verschwenden Sie teures Fotopapier, wenn Sie die weißen Ränder hinterher abschneiden. Noch wichtiger: Die so gestutzten Bilder passen nicht sehr gut in handelsübliche Bilderrahmen.

Dieses Problem tritt auch beim direkten Drucken von Bildern mit CUPS auf. Die maximale, auf einem Blatt druckbare Größe erreichen Sie mit dem Wert 100 für die scaling-Option:

lpr -o scaling=100 bild.jpg

Bei Angaben größer 100 verteilt CUPS das Bild über mehrere Seiten, so dass die Teilbilder ausgeschnitten und zusammengeklebt werden können.

Zur Lösung des Problems schneidet man die Bilddateien auf das Seitenverhältnis des Papiers zurecht. Um Qualitätsverluste durch eine neue JPEG-Kompression zu vermeiden [1], benutzt man jpegtran, das das Beschneiden allerdings erst mit dem Patch von [7] lernt (siehe Kasten 1).

Das modifizierte jpegtran kennt die neue Option -crop WxH+X+Y, wobei W die Breite des auszuschneidenden Teilbilds, H dessen Höhe und X sowie Y die Koordinaten seiner linken unteren Ecke (alle Angaben in Pixeln) festlegt. Das Kommando

jpegtran -crop 1514x2272+94+0 bild_1704x2272.jpg > bild_1514x2272.jpg

angewandt auf ein Foto von 1704×2272 Pixeln Größe schneidet links und rechts einen 94 Pixel breiten Streifen ab, so dass ein 1514×2272 Pixel großes Bild im Seitenverhältnis 3:2 entsteht.

Da die Zahlen von der Größe und Orientierung des Ausgangsbilds abhängen, hat jhead[1] keine Chance, in einem Rutsch ganze Bilderserien zu beschneiden. Um dennoch bequem mit einer Kommandozeile beliebige Fotomengen auf das gewünschte Seitenverhältnis zu bringen, schrieb der Autor dieser Zeilen das Perl-Programm crop[8]. Es setzt jhead, das gepatchte jpegtran und ImageMagick [6] voraus.

Kopieren Sie es nach /usr/local/bin, und machen Sie es mit chmod 755 /usr/local/bin/crop ausführbar. Dann beschneiden die folgenden beiden Kommandovarianten alle JPEG-Bilder im aktuellen Verzeichnis auf ein 3:2-Seitenverhältnis:

crop -r 3:2 *.jpg
crop -r 10x15 *.jpg

Ans A4-Papierformat passt

crop -r A4 *.jpg

das Seitenverhältnis an. Mehr Informationen bekommen Sie mit crop -h.

crop bestimmt zunächst die Größe des Ausgangsbilds mit ImageMagicks identify-Kommando, berechnet alle für das Beschneiden erforderlichen Zahlen und ruft schließlich jhead und jpegtran auf, um das Bild ohne Neukompressionsverluste und unter Erhalt der EXIF-Daten zu beschneiden.

Dabei ersetzt crop die Originalbilder durch die beschnittenen. Möchten Sie die Originale behalten, kopieren Sie die zu druckenden Dateien in ein temporäres Verzeichnis und beschneiden sie dort. Das Programm passt nur das Seitenverhältnis, nicht etwa die Größe oder Auflösung an.

Auf Papier

Zum Drucken der so präparierten Bilder in laborähnlicher Qualität benötigen Sie einen fototauglichen Tintenstrahl- oder Thermosublimationsdrucker und entsprechendes Fotopapier. Farblaserdrucker eignen sich zwar sehr gut für Geschäftsgrafiken und Zeichnungen, aber nicht besonders für Fotos.

Überprüfen Sie anhand der Druckerdatenbank auf linuxprinting.org [9], ob Linux Ihren Drucker vollständig unterstützt! Tintenstrahler von HP und Epson funktionieren am besten. Lassen Sie sich nicht durch Pinguine auf der Druckerverpackung blenden: Lexmark bewarb einige Drucker als Linux-tauglich, deren proprietäre Treiber mit keiner aktuellen Linux-Distribution, sondern nur mit Distributionen von vor zirka zwei Jahren liefen.

Im Lager der Thermosublimationsdrucker gibt es derzeit noch kein Modell, das aktuelle Distributionen hinreichend gut unterstützen. Die Entwicklerlinie des freien Druckertreibers GIMP-Print 4.3.x [10] kommt jedoch mit vielen Olympus- und Canon-Modellen perfekt klar; allerdings gibt es zur Zeit weder RPMs noch Foomatic-Unterstützung [11] dafür. Daher empfiehlt sich dringend CUPS als Drucksystem; den Treiber muss man selbst kompilieren.

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