Aus LinuxUser 11/2003

Basis-Software für den Sharp Zaurus

ROM-Salat

Im Gegensatz zur Monokultur der PocketPC-Familie haben Saurierfreundinnen die Auswahl zwischen einer ganzen Reihe verschiedener Systeme für ihren PDA.

Auch wenn Sharp den Zaurus in Deutschland für tot erklärt und die Anwenderunterstützung eingestellt hat, gibt es keinen Grund zu verzweifeln: Nicht nur vertreiben die Firmen TriSoft [9] und Xtops [10] die neuen Modelle SL-C760 und SL-C750 auch hierzulande. Auch verfügt der Zaurus über eine sehr aktive Benutzerinnen- und Entwicklerinnengemeinde, die sich unter anderem im deutschsprachigen Zaurus-Forum [1] tummelt und bei Problemen hilft. Und nicht zuletzt gibt es – von der Original-Sharp-Software abgesehen – eine ganze Reihe verschiedener ROM-Varianten für beinahe jeden Geschmack, die für Zukunftssicherheit sorgen.

Wir haben uns acht davon auf einem Zaurus SL 5500G mit einer 32 MByte große Multimedia-Card von Sandisk näher angesehen. Zwei der Probanden basieren auf dem schon etwas älteren Sharp-ROM 2.38, fünf auf dessen aktueller Version 3.10, und das Duo OpenZaurus/OPIE schließlich steuert eine komplette Open-Source-Lösung bei, die dennoch kompatibel zum Hersteller-ROM bleibt.

Der Parcours

Uns interessierte vor allem die Alltagstauglichkeit der ROM-Software. Wir flashten das ROM (Kasten 1) von einer 64 MByte großen CompactFlash-Karte von Sandisk aus, testeten die PIM-Programme und sahen uns an, welche Anwendungen für den Büroeinsatz dabei sind. Wert legten wir auf die Möglichkeit, den Bildschirminhalt zu rotieren und die Texteingabe mit der Pocketop-Tastatur und dem IRK-Treiber [6] zu beschleunigen. Wie Sie auf den englischsprachigen Systemen zu deutscher Tastaturbelegung kommen, erklärt Kasten 2. Ein letztes wichtiges Augenmerk galt der Synchronisation der Daten auf dem Zaurus mit dem heimischen PC. Tabelle 1 fasst die Versuchsergebnisse zusammen.

Kasten 1: Der Weg zum neuen ROM

Das Verfahren, den Zaurus mit einem neuen ROM zu versorgen, ist für alle hier vorgestellten Systeme gleich. Zunächst einmal gilt es, alle eigenen Daten auf dem Zaurus zu sichern, denn nach dem Flashen bleibt davon nichts mehr übrig.

Zum Flashen selbst benötigen Sie eine mit dem DOS-Dateisystem FAT formatierte CompactFlash-(CF-)Speicherkarte von mindestens 16 MByte Größe. Alle im Handel erhältlichen Karten sind ab Werk so eingerichtet. Auf diese Karte kopieren Sie die Dateien initrd.bin und zImage aus dem jeweiligen Download-Archiv oder – bei einem ROM von Sharp – die Datei Ospack.

Schließen Sie nun das Netzteil an den Zaurus an, schalten Sie das Gerät aus, und stecken Sie die vorbereitete CF-Karte in den Schacht. Öffnen Sie das Batteriefach auf der Rückseite des Handhelds, drücken Sie gleichzeitig die Tasten [C] und [D] auf der Tastatur, und tippen Sie mit dem Stift einmal auf den Taster Full Reset im Batteriefach. Daraufhin leuchten die Leuchtdioden für Mail-Empfang und Netzanschluss auf der Vorderseite des Zaurus auf.

Lassen Sie das Gerät jetzt unbedingt so lange in Ruhe, bis die Lampen ausgehen. Das dauert etwa fünf Minuten. Damit ist der Flash-Vorgang beendet; Sie drücken noch einmal Full Reset, schließen die Batteriefachabdeckung, stellen den Betriebsartenschalter auf Normal Operation und schalten das Gerät an. Der Zaurus fährt nun das neu aufgespielte System hoch.

Nach diesem ersten Start müssen Sie noch den Bildschirm kalibrieren, die Zeitzone und das Datumsformat auswählen und die persönlichen Daten eingeben.

Kasten 2: Umlaute und andere Sonderzeichen

Mit Ausnahme des schon etwas altbackenen Sharp-ROM 2.38D belegen alle hier vorgestellten Systemen die Keyboard-Tasten nach amerikanischer Manier. Wenn Sie Texte nur mit einem externen Keyboard eingeben, ist das kein Problem [6]; schwierig wird es, wenn Sie die eingebaute Tastatur zur Dateneingabe verwenden.

Abhilfe schafft das Programm keyz_zkb, das Sie unter [2] im Internet und auf der Heft-CD finden. Es stellt die eingebaute Tastatur auf ein beliebiges Layout um.

Nach seiner Installation finden Sie im Settings-Tab von Qtopia oder OPIE ein Icon keyz configurator, hinter dem sich ein Dialog zur Auswahl der Tastaturbelegung verbirgt (Abbildung 1). Sie wählen in der linken Liste die benötigte Keymap, für Deutsch de.xml, aus, tippen auf den Doppelpfeil nach rechts und schließen den Dialog mit OK. Jetzt funktionieren die Umlaute und das Euro-Zeichen auf der Tastatur wie gewohnt.

Abbildung 1: Tastaturbelegung ändern mit keyz
Abbildung 1: Tastaturbelegung ändern mit keyz

Sharp ROM V. 2.38

Mittlerweile schon ein Jahr alt war ROM-Version 2.38 die letzte, die Sharp noch mit deutscher Oberfläche herausbrachte. Im Inneren werkelt ein leicht überholter 2.4.6er Kernel, die PIM-Programme sind in ihrer Funktionalität etwas eingeschränkt, und die Oberfläche wirkt ein wenig hausbacken (Abbildung 2).

Abbildung 2: So präsentiert sich der Zaurus beim ersten Einschalten
Abbildung 2: So präsentiert sich der Zaurus beim ersten Einschalten

HancomMobileOffice liegt in einer deutschsprachigen Version 1.0 bei. Als Browser findet Opera 5.0 Verwendung, der allerdings mit der Darstellung vieler Web-Seiten Schwierigkeiten hat. Das Drehen des Bildschirminhalts ist nicht vorgesehen. Mit Qtopia Desktop 1.6 klappt das Synchronisieren der Kalender- und Adressdaten, nicht jedoch mit der neuesten Version 1.7.

Zynergy

Auf diesem 2.38er ROM basiert auch Zynergy, ergänzt jedoch einige Programme aus dem OPIE-Projekt (Abbildung 3). So sind das Programm Wireless Monitor zum Überwachen von WLAN-Verbindungen und der FTP-Client OpieFtp (Abbildung 4) mit von der Partie. Die Passwortdatenbank ZSafe bereichert den Applications-Tab, Applet Manager und Tab Manager aus dem OPIE-Fundus erleichtern das Organisieren der Applets und Programm-Icons.

Abbildung 3: Der Zynergie-"Desktop"
Abbildung 3: Der Zynergie-„Desktop“
Abbildung 4: OpieFtp auf Zynergie
Abbildung 4: OpieFtp auf Zynergie

Sharp ROM V. 3.1

Im Juli 2003 erblickte das Sharp ROM 3.1 das Licht der Welt. Vollständig in Englisch gehalten, unterzog der Hersteller alle Programme, insbesondere die PIM-Anwendungen, einer gründlichen Überarbeitung (Abbildung 5). Neuerdings arbeitet die Anwenderin nicht mehr als Superuser root, sondern als nichtprivilegierter User zaurus.

Bei diesem ROM entfernte Sharp die Büroprogramme, das JRE und alle Spiele aus der Datei Ospack und packte sie als einzeln zu installierende ipkgs ins Archiv 5500v310Apps.zip.

Als Browser ist Opera 6 an Bord, der jetzt wesentlich schneller arbeitet und sich endlich auch im Querformat verwenden lässt. Er stellt eine größere Zahl von Web-Seiten fehlerfrei und gut lesbar dar als der Vorgänger. HancomMobileOffice liegt in der funktionell gegenüber Version 1.0 unveränderten englischen Version 1.5 bei, das deutsche HancomOffice 1.0 lässt sich auf dem neuen ROM indes nicht zur Mitarbeit bewegen.

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