Aus LinuxUser 11/2003

Audiobearbeitung mit Sweep

Aus der Rille gekratzt

Sie wollen die Schallplattensammlung digitalisieren oder Hobby-Videos, nachvertonen? Mit dem Sound-Editor Sweep erzeugen Sie Schnitte, Effekte und andere Sound-Basteleien schnell und einfach.

Der Audioeditor Sweep verbindet die Nachbearbeitung von digitalen Musikstücken mit der Emulation einer Plattenspielernadel namens Scrubby, so dass Sie sich bei der Arbeit mit Sweep möglicherweise schnell wie der DJ am Plattenteller fühlen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die Software das allseits bekannte Knistern und Rauschen emuliert. Vielmehr ermöglicht Scrubby Such- und Schnitttechniken, die sonst nur Analoggeräten wie Plattenspielern und Tonbandgeräten vorbehalten sind.

Abbildung 1: Das Hauptfenster von Sweep zeigt die Tonkanäle des aktuellen Musikstücks
Abbildung 1: Das Hauptfenster von Sweep zeigt die Tonkanäle des aktuellen Musikstücks

Installation

Bei den meisten Distributionen, wie beispielsweise SuSE 8.2, ist Sweep schon dabei und um die Abhängigkeiten kümmert sich der Paketmanager. Brauchen Sie etwas mehr Effekte und Filter, als schon bei Sweep enthalten sind, so installieren Sie einfach die LADSPA-Plugins.

LADSPA (siehe dazu Muse-Artikel ab S. XX) ist eine Programmierschnittstelle, die es Programmierern ermöglicht, Audio-Plugins zu schreiben, ohne das Anwendungsprogramm selbst zu kennen. Sweep sucht beim Start automatisch nach neuen Plugins, erzeugt passende Dialoge und stellt diese alphabetisch sortiert unter dem Menü Verarbeiten bereit.

Unter [2] finden Sie eine Übersicht über die verschiedenen verfügbaren Plugin-Sammlungen. Verwendet man SuSE, so sind jedoch schon 133 Plugins zusätzlich im Paket ladspa vorhanden. Wollen Sie LADSPA aus den Sourcen installieren, weil Sie auf Funtionen einer neueren Version zugreifen möchten, dann gibt Kasten 1 einen Überblick über die zusätzlich benötigten Pakete. Die meisten Distributionen enhalten diese im Lieferumfang.

Abbildung 2: Beim Start der Software begrüßt das Maskottchen den Anwender
Abbildung 2: Beim Start der Software begrüßt das Maskottchen den Anwender

Hallo Scrubby!

Öffnen Sie Sweep zum ersten Mal, begrüßt Sie das Maskottchen des Editors: Scrubby (Abbildung 2). Scrubby ist die virtuelle Nadel des Plattenspielers. Mit Ihr suchen Sie die Lieder ab. Fürs Erste öffnen Sie zum Experimentieren einfach einfach ein schon vorhandenes Lied, wobei es egal ist, ob Sie eine unkomprimierte Audiodatei oder eine Datei im MP3-, Ogg-Vorbis- oder Speex-Format verwenden (Abbildung 3). Das Speichern im MP3-Format ist allerdings aus Lizenz-technischen Gründen nicht möglich.

Nach der Auswahl konvertiert Sweep die Datei und lädt sie in den Speicher. Währenddessen ist es bereits möglich, das Lied mit dem Play-Button am unteren Teil des Bildschirms abzuspielen. Über dieser Button-Leiste befindet sich ein Laufbalken. Mit diesem durchsuchen Sie die Lieder. Die Steuerung erfolgt dabei über das Mausrad.

Dabei fällt auf, dass sich die Stelle, die gerade abgespielt wird, mitbewegt. Was zu Beginn vielleicht etwas verwirren könnte, stellt sich mit der Zeit als sehr praktisch heraus. So kann beispielsweise nie ein Cursor verlorengehen und man ist mit den Ohren genau da, wo man gerade sucht.

Besonderen Einfluss auf das Suchen hat der Zoomfaktor der Kurve, der sich ebenfalls durch das Mausrad schnell verändern lässt. Um das Zoomen zu aktivieren, muss man einfach nur den Mauszeiger über die Kurve bewegen.

Sehen wir uns nun Scrubby selbst einmal genauer an. In der Icon-Leiste am oberen Fensterrand befinden sich zwei grau hervorgehobene Knöpfe, die zwischen Scrubby und Markierungsmodus umschalten. Schalten Sie auf Scrubby und gehen Sie dann mit dem Cursor in die Kurve, können Sie förmlich selbst Hand an die Musik legen.

Abbildung 3: Sweep unterstützt neben unkomprimierten Formaten auch Speex und Ogg/Vorbis.
Abbildung 3: Sweep unterstützt neben unkomprimierten Formaten auch Speex und Ogg/Vorbis.

Scratching und Schnittpunkte

So wie Sound-Spezialisten an ihren Tonbandgeräten per Hand das Band hin und her drehen, um den richtigen Schnittpunkt auf die Millisekunde genau zu bekommen, so arbeiten Sie mit Scrubby. Dazu halten Sie die Maustaste innerhalb der Kurve fest und bewegen den Cursor. So suchen Sie vorwärts und rückwärts durch die Lieder, wobei der Klang abhängig vom Zoom und der eigenen Bewegungsgeschwindigkeit entweder dumpf oder in den meisten Fällen sehr hell klingt.

Dies ist übrigens das gleiche Verfahren, das DJs mit ihren Plattenspielern beim sogenannten Scratchen verwenden. So verwundert es nicht, dass selbst das Anlaufen des Plattentellers in Sweep berücksichtigt wurde.

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