Aus LinuxUser 10/2003

Morphen in der Praxis (Seite 2)

Abbildung 5: Die Dreiecke hat PTPicker automatisch erzeugt und auf das rechte Bild übertragen
Abbildung 5: Die Dreiecke hat PTPicker automatisch erzeugt und auf das rechte Bild übertragen

Das Ergebnis sollte Abbildung 5 ähneln. Alle Bildteile, die unter der grauen Fläche der Dreiecke verschwinden, tauchen im Ergebnis wieder auf. Der Inhalt jedes Dreiecks wird dabei schrittweise so verzerrt und verschoben, dass er am Ende dem korrespondierenden Dreieck im Zielbild entspricht. Entscheidend ist, dass keine überlappenden Linien oder Dreiecke entstehen: In solchen Fällen erzeugt PTPicker eine Folge von schwarzen Bildern.

Stimmen alle Ihre Dreiecke, speichern Sie die Projektdatei ab. Wie erwähnt, ist PTPicker für Panoramen ausgelegt. Daher müssen Sie die Projektdatei von Hand anpassen. Bearbeiten Sie sie dazu mit einem Texteditor ihrer Wahl. Im Beispiel sehen die ersten drei Zeilen folgendermaßen aus:

p f2 w8460 h4230 v360 u10 n"JPEG"
i f0 w1280 h960 y0 p0 r0 v54.4322 n"p8120027.jpg" X0 Y0 Z0
i f0 w1280 h960 y180 p0 r0 v=0 n"p8120033.jpg" X1 Y0 Z0

Die beiden Zeilen, die mit einem i anfangen, enthalten Informationen zu den beiden Ausgangsfotos. Deren Dateinamen stehen in Anführungszeichen hinter dem n. Die erste Zeile enthält Angaben, auf welche Weise das Ergebnis erzeugt werden soll. Setzen Sie zunächst das Projektionsformat von f2 auf f0 (geradlinig). Die nächsten beiden Werte repräsentieren die Abmessungen der generierten Bilder in Pixeln: Width (Breite) und Höhe. In der Regel sollten Sie hier die entsprechenden Werte der Ausgangsbilder übernehmen. Die Zahl hinter v bezieht sich auf den horizontalen Bildwinkel (field of view), den später sichtbaren Bereich. Je kleiner der Wert, desto größer erscheint der markierte Bereich im Ergebnis. Für die ersten Gehversuche sollten Sie hier 5 Grad wählen und diese auch beim Bildwinkel der beiden Ausgangsbilder in der zweiten und dritten Zeile eintragen.

Das Ausgabeformat steht in Anführungszeichen hinter n. Neben JPEG sind PNG, TIFF und PICT möglich. Die genaue Bildfolge legen Sie mit den drei Parametern a, b und c fest: Vor dem Ausgabeformat eingefügt, steuern sie die Schrittweite der Überblendung. Für zwanzig Bildschritte sind folgende Werte notwendig: a0.0 b1.0 c0.05. Der Morpher beginnt mit dem vollständigen, ersten Bild (a0.0) und überblendet dieses dann solange um 5%, bis das zweite Bild vollständig erscheint (b1.0). Nach 20 solchen 5%-Schritten ist die Überblendung vollständig (20@L: *5%=100%).

Stellen Sie zum Abschluss noch in den letzten beiden Zeilen die Zahlen hinter y, p und r auf 0.

Das Ergebnis sieht für die Portraitfotos dann folgendermaßen aus:

p f0 w1280 h960 v5 a0.0 b1.0 c0.05 u10 n"JPEG"
i f0 w1280 h960 y0 p0 r0 v5 n"p8120027.jpg" X0 Y0 Z0
i f0 w1280 h960 y0 p0 r0 v5 n"p8120033.jpg" X1 Y0 Z0

Speichern Sie Ihre Änderungen und wählen Sie in PTPicker File/Revert to Saved, gefolgt von Project/Morph. Im Terminal-Fenster verlangt das Programm die Eingabe des Zielverzeichnisses und eines Präfixes, das jeder Datei voran gestellt wird, wie z. B. meinpfad/portrait. Nach dem Drücken der Eingabetaste wird die Sequenz generiert.

xmorph

Etwas einfacher zu bedienen ist xmorph[2], das SuSE Linux beiliegt. Für das Programm gibt es verschiedene Benutzeroberflächen, es kämpft aber unter allen Varianten mit massiven Absturzproblemen. Als Ausgangsmaterial verlangt es nach zwei Bildern mit identischen Maßen im Targa-Format (TGA). Nach dem Start von xmorph laden Sie über File/Open source image… das Startbild und über File/Open destination image das Zielbild in die beiden Teilfenster. Die Bildlaufleisten lassen sich etwas untypisch mit linker und rechter Maustaste bedienen.

Abbildung 6: Die klassische Oberfläche nach dem Start von xmorph
Abbildung 6: Die klassische Oberfläche nach dem Start von xmorph

Das Arbeitsprinzip ähnelt den PanoTools, nur werden hier statt Dreiecken Rechtecke in einem Gitter verwendet. Unter Properties können Sie für jedes Bild einstellen, welches Gitter angezeigt werden soll: rot für das Ausgangsbild (source) und grün für das Zielbild (destination). Die Knotenpunkte können Sie per Drag & Drop verschieben.

Um eine neue horizontale Gitterlinie an der Mausposition einzufügen, drücken Sie die rechte Maustaste, für eine vertikale die mittlere Taste. Sie können die Gitter wiederverwenden: Speichern Sie sie separat über File/Save source bzw. destination mesh.

Abbildung 7: Bei großen Bildern reichen die Maschen nicht mehr aus. Soll mehr als eine Linie hinzugefügt werden, stürzt xmorph ab
Abbildung 7: Bei großen Bildern reichen die Maschen nicht mehr aus. Soll mehr als eine Linie hinzugefügt werden, stürzt xmorph ab

Liegen alle Gitterpunkte richtig, wählen Sie unter Morph Sequence/Set sequence name… das Präfix für alle Ausgabedateien und unter Morph Sequence/Set sequence number of frames… die Anzahl der zu erzeugenden Bilder. Per Morph Sequence/Warp legt xmorph die Bildersequenz im aktuellen Verzeichnis ab.

XMRM

Der Dritte im Bunde ist XMRM. Der Morpher liegt – zusammen mit einer Online-Dokumentation – unter [3]. Wählen Sie das static-Archiv und entpacken Sie es in ein Verzeichnis Ihrer Wahl. Sie starten XMRM, indem Sie auf das Programmsymbol im Dateimanager klicken. Statt auf Flächen setzt XMRM auf Vektoren: Jeder Punkt in Start- und Zielbild wird in Vektorkoordinaten aufgelöst. Aus den Differenzvektoren berechnet XMRM die nötigen Bildverformungen. Das Programm erlaubt die großzügige Beeinflussung von Berechnungsparametern und -Art.

Abbildung 8: Das Hauptfenster von XMRM. Die Schalter und Kurven steuern das gewählte Morphing-Verfahren
Abbildung 8: Das Hauptfenster von XMRM. Die Schalter und Kurven steuern das gewählte Morphing-Verfahren
Abbildung 9: Nach dem Laden der Bilder öffnen sich mehrere Fenster
Abbildung 9: Nach dem Laden der Bilder öffnen sich mehrere Fenster

Erstellen Sie zunächst ein neues Verzeichnis, in das Sie die beiden Ausgangsbilder kopieren. XMRM erwartet diese im TIFF-Format. Laden Sie über File/Load Source… das Ursprungsbild und über File/Load Destination… das Zielbild. Im neuen Fenster sehen Sie eine Werkzeugpalette: Wählen Sie dort Set Vector. Fahren Sie nun mit der Maus auf das Ursprungsbild. Der Mauszeiger verwandelt sich in einen grünen Pfeil. Suchen Sie sich ein Objekt des Bildes aus – bei Portraits z. B. ein Auge. Fahren Sie dann auf dessen Rand, halten Sie die linke Maustaste gedrückt und ziehen Sie einen Pfeil auf. Sobald Sie die Maustaste loslassen, bleibt der Pfeil liegen. Für ein optimales Ergebnis versehen Sie jedes Bildobjekt mit einer Kette aus solchen Pfeilen. Beim Portrait werden die Augen, der Mund und der gesamte Kopf umrandet (Abbildung 10).

Damit Sie nicht immer neu ansetzen müssen, können Sie mit Set Line gleich eine ganze Kette von Vektoren ziehen. Die rechte Maustaste bricht den Vorgang ab. Je mehr Vektoren sie vergeben, desto besser das Ergebnis.

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