Aus LinuxUser 09/2003

out of the box: grip

Kleine Dateien ganz groß

Sie suchen auch immer nach Ihren CDs? Chaos in der Musiksammlung? MP3-Encoder gibt es viele, aber die meisten sind schwierig zu bedienen oder zu konfigurieren. Hier hilft grip: Es bietet die Funktionen eines CD-Spielers und kombiniert sie mit einer funktionalen, stabilen Oberfläche zum CD-Rippen und MP3-Kodieren.

Wer Musik-CDs in sein lokales MP3-Archiv aufnehmen möchte, ohne dabei die Ordnung zu verlieren, steht vor einer Herausforderung: Für alle dabei anfallenden Aufgaben stehen unter Linux geeignete Programme zur Verfügung – so bietet sich für das Auslesen der CD in ein Wav-Audioformat cdparanoia an. LAME ist ein MP3-Encoder der Referenzklasse. Wozu benötigt man also noch eine Oberfläche zum Auslesen von CDs und das Kodieren von MP3s?

Die Antwort hierauf ist einfach: grip von Mike Oliphant bietet eine Oberfläche an, die alle Funktionen für die Konvertierung einer CD in MP3-Dateien zusammenfasst. So kann das Programm die so genannten ID3-Tags mit Titeln und Künstlern automatisch setzen, CDDB-Datenbanken abfragen und Verzeichnisse für jede neue CD anlegen.

Um grip zum Auslesen verwenden zu können, benötigen Sie cdparanoia (alternativ funktioniert hier auch cdda2wav) und die GNOME Libraries (der Paketname ist meistens gnome-libs oder &auuml;hnlich). Audio-Dateien komprimiert grip mit einem speziellen Encoder-Programm für jedes spezifische Audioformat. LAME bietet gute Dienste für MP3-Dateien. LAME ist die Abkürzung von LAME Ain’t an Mp3 Encoder und folgt damit der GNU-Namensgebungsphilosophie. Alternativ zu MP3 steht die Möglichkeit der Nutzung des Ogg-Vorbis-Audioformats offen. Ogg Vorbis ist völlig frei von Software-Patenten und daher unbedenklich in allen Umgebungen einzusetzen.

Installation

grip finden Sie auf der beiliegenden Heft-CD in mehreren Formaten. Die Sourcen finden Sie in der Datei grip-3.0.7.tar.gz, ein Binärpaket für Debian Linux können Sie mit Eingabe von dpkg -i grip_3.0.0-1_i386.deb installieren. Aktuelle Red-Hat-Distributionen können das passende Paket durch Eingabe von rpm -ivh grip-3.0.7-1.i386.rpm verwenden. SuSE liefert Pakete auf den Installations-CDs mit. Wenn Sie alternativ die Quelltexte kompilieren möchten, benötigen Sie neben den oben aufgeführten Paketen noch die Entwicklungspakete zu GNOME und libghttp. Zum fertigen Programm führen dann diese Zeilen:

tar xzf grip-3.0.7.tar.gz
cd grip-3.0.7
./configure
make
su
make install

Hey Mr. DJ!

Geben Sie in einem Terminal unter X den Befehl grip ein, um das Programm zu starten. Es erscheint dann ein Fenster wie in Abbildung 1. Der Startbildschirm gleicht im Großen und Ganzen einem CD-Player, und das ist auch eine Grundfunktion von grip. Unten finden Sie alle abspielbezogenen Funktionen des Programms. grip versucht beim Einlegen einer CD automatisch, über die CD-Titeldatenbank freedb, die Track-Liste der eingelegten CD abzufragen. Dies gelingt natürlich nur, wenn eine Internet-Verbindung aktiv ist.

Wichtig wird dieses Abfrage-Feature vor allem dann, wenn eine größere CD-Sammlung gerippt werden soll: grip kann diese dank der Informationen zu Titeln und Interpreten automatisch in eine übersichtliche Struktur bringen, ohne dass Benutzereingaben nötig sind, sofern die CDs in der Online-Datenbank gefunden werden. Ist eine CD nicht in der Datenbank gespeichert oder konnte keine Verbindung zum Datenbank-Server hergestellt werden, können die Daten alternativ von Hand eingegeben werden. Dazu klickt man auf das Icon des Disc Editors (repräsentiert durch einen Stift). Nun können zu jedem Track Daten eingegeben werden. Per Klick auf den abgebildeten Briefumschlag können die Daten auch an das freedb-Projekt versandt werden, um allen Nutzern zugänglich zu sein. (grip ist auch ins Deutsche übersetzt worden; wenn die Umgebungvariable LANG auf de_DE gesetzt wird, verwendet es deutsche Dialoge – das Programmfenster wird dabei allerdings unschön in die Breite gezogen.)

Abbildung 1: Grip mit aus dem Internet bezogenen Titeldaten einer CD
Abbildung 1: Grip mit aus dem Internet bezogenen Titeldaten einer CD

Konfiguration

Um eine CD auf die Festplatte zu kopieren, müssen in grip zuerst einige Parameter eingestellt werden. Durch Klicken auf den Reiter Config starten Sie die Konfiguration (Abbildung 2). Im Reiter CD muss normalerweise nichts geändert werden, nur das CD-ROM-Device kann bei mehreren vorhandenen CD-Laufwerken auch anders heißen, z. B. /dev/cdrom1, wenn es als zweites Laufwerk vom Linux-Kernel erkannt wurde.

Interessanter sind die Einstellungen unter Rip: Als Standard-Ausleseprogramm für CDs ist hier cdparanoia gewählt. Die Einstellungen können belassen werden, wie sie sind –nur den Speicherort für die Wav-Dateien, die cdparanoia erstellt, sollten Sie systemspezifisch anpassen. Außer Angaben, unter welchem Pfad grip das Programm finden und wo es Wav-Dateien abspeichern kann, sind unter Rip command-line und Rip file format auch einige Variablen aufgeführt: Diese bestehen alle aus einem „%“ und einem Buchstaben. So bezeichnet etwa %A den Namen des Interpreten – dieser wird beim Auslesen der CD in der Kommandozeile an Stelle der Variable eingesetzt. Eine Liste der wichtigsten Variablen, auf die sich grip stützt, finden Sie in Tabelle 1.

Der Reiter Encode bietet die Möglichkeit, das Programm zu wählen, welches die Wav-Dateien in das MP3- oder Ogg-Vorbis-Format wandelt. Wenn Sie zum Beispiel eine Lizenz des Frauenhofer-MP3-Encoders besitzen und diesen verwenden möchten, können Sie ihn hier einstellen. Die Optionen, die grip dem Encoder übergibt, passt das Programm automatisch an. In der Zeile Encode File Format können Sie wählen, in welchen Zielordner grip die Dateien unter welchen Namen ablegen soll. Hier können die Variablendefinitionen verwendet werden: Der String ~/mp3/%A/%d/%t-%a-%n.mp3 legt die Dateien im Ordner mp3/Ordner des CD Interpreten/CD Name/ im Home-Verzeichnis ab und erstellt dort Dateien mit Track-Nummer, Interpret und Titel. Damit diese MP3-Dateien später ansehnlich im MP3-Player erscheinen, müssen noch die ID3-Tags gesetzt werden: Damit speichern Sie in einem speziellen Format in der MP3-Datei Informationen wie Titel und Interpret ab, so dass der MP3-Player unabhängig von Dateinamen ist. Um ID3-Tags erzeugen zu lassen, wählen Sie die Checkbox Add ID3 tags to encoded files im Reiter ID3 aus.

Abbildung 2: Konfigurationsmaske von grip
Abbildung 2: Konfigurationsmaske von grip

Gut gerippt ist halb gespielt

Wurden alle Konfigurationsoptionen richtig gewählt, kann das Auslesen beginnen. Dazu klicken Sie die Tracks mit der rechten Maustaste an, die Sie auslesen wollen. Sie können auch die Spaltenüberschrift „Rip“ anklicken, um alle Tracks auf einmal zu markieren. Im Menüpunkt Rip finden Sie die Optionen Rip Only und Rip+Encode. grip beginnt nach Klick auf einen der beiden Buttons, die CD auszulesen – wenn die zweite Option gewählt wurde, werden die Tracks in MP3- oder Ogg-Vorbis-Dateien konvertiert. Wurden in der Tracklist keine Tracks gewählt, liest grip nach Bestätigung die gesamte CD ein. Nach dem Start bietet die Fortschrittsanzeige unten auf der Seite einen guten Überblick über die verbleibende Zeit. Ist sie bei 100 Prozent angekommen, können Sie die nun gut organisierte Musik im Speicher sparenden Format genießen.

out of the box

Es gibt tausende Tools und Utilities für Linux. „out of the box“ pickt sich die Rosinen raus und stellt pro Monat ein Progrämmchen vor, das wir für schlichtweg unentbehrlich oder aber zu Unrecht wenig beachtet halten.

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