Aus LinuxUser 09/2003

Distri-Bits

In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen eine Distribution für Gehörlose, eine kompakte Live-CD und einen umfangreichen Werkzeugkasten für Notfälle vor.

Oralux

Oralux (http://www.oralux.org) ist eine Distribution für sehbehinderte Benutzer. Als Basis dient Knoppix, das die Entwickler um das Text-To-Speech- (TTS) Programm flite erweitert haben. Nach dem Start der CD und dem Abschluss der Hardware-Erkennung hören Sie zur Begrüßung einen Hahnenschrei. Wenn Sie über das TTS-Programm DECTalk verfügen, können Sie es jetzt installieren, andernfalls findet Flite Verwendung. Haben Sie sich für ein TTS-Programm entschieden, startet automatisch emacspeak, eine Variante des Editors emacs. Emacspeak liest jeden Buchstaben bei der Eingabe und auch alle Emacs-Kommandos vor. Wenn Sie den eingetippten Text vorgelesen haben wollen, bewegen Sie den Cursor über den Text, dann wird der Buchstabe unter dem Cursor gelesen.

Flite liest Text- oder WAV-Dateien vor. Zum Starten geben Sie dem Programm einfach den Namen der Datei als Parameter mit. Englische Texte liest flite langsam und verständlich, bei anderen Sprachen wird es schwierig, da das Programm unbekannte Wörter buchstabiert.

Zur Zeit unterstützt Oralux leider nur Englisch, die Autoren versprechen aber, das System auf Nachfrage auch an andere Sprachen anzupassen. Um ein Linux-System vollständig für Sehbehinderte benutzbar zu machen, fehlt noch eine akustische Ausgabe der Programmausgaben, Oralux ist aber ein guter Ansatz.

Der Arbeitsplatz in der Hosentasche

VectorLinux (http://www.vectorlinux.com) ist eine Platz sparende Distribution, die auf Slackware Linux 9.0 basiert und auch auf älterer Hardware noch flott läuft. Seit kurzem gibt es auch von dieser Distribution eine Live-CD, die keinerlei Installation auf der Festplatte benötigt. Das ISO-Image ist etwa 180 MByte groß und passt so noch auf eine Mini-CD. Eine Installation auf der Festplatte oder ein dauerhaftes Speichern der Anwenderdaten ist leider nicht vorgesehen.

Die Distribution startet schnell, die automatische Hardware-Erkennung arbeitet zuverlässig. Auch auf einem Pentium 1 mit 200 Mhz Takt waren nach wenigen Minuten X und ICEwm auf dem Bildschirm (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der ICEwm-Desktop von VectorLinux
Abbildung 1: Der ICEwm-Desktop von VectorLinux

Die Software-Ausstattung ist komplett: Enthalten sind die Textverarbeitung Abiword, das E-Mail-Programm Sylpheed, die Browser Opera und Dillo. Als Dateimanager findet Xfe Verwendung.

Abbildung 1: Desktop-Software von Vector Linux
Abbildung 1: Desktop-Software von Vector Linux

Als Editoren hat VectorLinux Bluefish und Nedit an Bord, für den Musikgenuss sorgt xmms. Zum Aufbau von Verbindungen ins Internet bietet die Distribution Helferlein für Modem-Verbindungen und DSL.

Vector Linux ist eine Alternative zu Knoppix für ältere Rechner, die bei Knoppix schlapp machen oder unbenutzbar langsam sind.

Universalwerkzeug aus Frankreich

Francois Dupoux hat eine Rettungs-CD (http://systemrescuecd.sourceforge.net/) zusammengestellt, die sich durch zwei grafische Werkzeuge von anderen ähnlichen Werkzeugsammlungen abhebt: SystemRescueCD enthält QParted und PartGUI zum Bearbeiten und Anlegen von Partitionen, Tools zum Arbeiten mit den gebräuchlichen Dateisystemen ext2, ext3, ReiserFS und vfat, die Editoren joe und vi zum Bearbeiten von Text, den Dateimanager Midnight Commander und cdrecord, um Daten auf eine CD-R zu brennen. Die Partitionierungsprogramme Qtparted und PartGui hat Francois Dupoux mit Qt/Embedded neu übersetzt, so dass sie ohne X Window im Framebuffer laufen.

Besonders nützlich für Laptops mit einem kombinierten DVD- und CD-Brenner-Laufwerk ist die Möglichkeit, das gesamte System in den Arbeitsspeicher zu kopieren, so dass Sie die Rettungs-CD entnehmen und einen Rohling zur Datensicherung in das Laufwerk legen können. Dazu geben Sie am Boot-Prompt nach dem Start cdcache ein.

SystemRescueCD ist eine gut zusammengestellte Werkzeugsammlung für Datenrettung und Systemeinrichtung.

Knoppix mit Power

Gute Nachrichten für die Benutzerinnen der PowerPC-Plattform: Mittlerweile gibt es erste Erfolge in der Portierung von Knoppix auf PowerPC. Fabian Ernst hat auf dem LinuxTag in tage- und nächtelanger Arbeit ein Grundsystem zum Laufen gebracht. Enthalten sind die Konsoleanwendungen, die Entwicklerpakete und das X Window System. Da die Kompression, mit deren Hilfe Knoppix bei der x86-Version 2 GB Software auf der CD unterbringt, noch nicht funktioniert, ist der Platz auf der CD sehr beschränkt: KDE ist nicht dabei. Fabian Frank besitzt keinen Rechner mit PowerPC-Prozessor; daher ruft er andere Entwickler auf, den begonnenen Weg weiter zu gehen.

LinuxUser 09/2003 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: