Aus LinuxUser 08/2003

xine, eine freie Playerbibliothek

xinemania

Dieser Artikel gibt einen Überblick über xine und dessen Frontends, beschreibt Installation und Anwendung dieser Programme und erklärt nebenbei noch verschiedene Aspekte von Multimedia auf Computern unter GNU/Linux.

Es ist Freitag abend, draußen regnet es in Strömen. Man sitzt vor dem Fernseher, doch dort läuft mal wieder nichts Interessantes. Aber nach einem Griff zur Fernbedienung quellen aus den Boxen der Surround-Soundtrack der Lieblings-DVD, ausgewählte Stücke aus einem Musik- und Videoarchiv oder Musik aus einem Online-Radio. All dies und noch viel mehr ist mit xine möglich.

Features

Es sei noch kurz vorweggeschickt, dass „xine“ immer klein geschrieben und „ksiin“ ausgesprochen wird. Was ist xine nun eigentlich? Es ist eine Bibliothek, die es erlaubt, alle gängigen Multimediaformate wiederzugeben. Die Daten können dabei von der Festplatte, von einer Audio-CD, von DVD oder VCD kommen, sogar eine Fernsehkarte kann angezapft werden. Des weiteren werden alle gängigen Streaming-Protokolle unterstützt: xine verträgt sich mit RTSP, MMS und Streams über HTTP.

Außerdem unterstützt die Software alle wichtigen Dateiformate wie AVI, MPEG, WAY, QT/MPEG4, ASF und Ogg sowie verschiedene Real-Player-Formate. Eine vollständige Liste aller abspielbaren Codecs finden Sie auf der Features-Seite [1].

Installation von xine

Xine lässt sich auf zwei Wegen installieren: Auf http://www.xinehq.de stehen im Download-Bereich verschiedene Binärpakete bereit. Unter Umständen ist die eigene Distribution dabei.

Unter Red Hat und SuSE Linux lassen sich diese Pakete mit dem Befehl rpm -i [Paketname] ganz einfach installieren. Bei Debian Linux ist dies mit dpkg -i [Paketname] direkt oder mit apt-get aus dem unstable-Tree möglich.

Vorsicht: Die xine-Pakete, die eventuell in Distributionen enthalten sind, bauen vielfach auf alten Versionen auf und unterstützen nicht alle gängigen Formate. Sollte es für die eigene Distribution kein Paket geben, bleibt nur der Weg, die Bibliothek selbst zu kompilieren. Nach dem Download der Quellen von der Xine-Homepage [2] wird es mit dem üblichen ./configure; make; make install installiert. Dazu müssen natürlich der C-Compiler und die nötigen Bibliotheken installiert sein.

Die wichtigsten Frontends

Um xine benutzen zu können, brauchen Sie ein Frontend. Hier gibt es inzwischen ein reiches Angebot auf der Projekt-Homepage. Ein Urgestein ist xine-ui. Es wurde gemeinsam mit der Bibliothek entwickelt und ist heute noch das Standard-Frontend zur xine-lib.

Seit sich die Schnittstelle der xine-Bibliothek nicht mehr ständig ändert, entwickeln Programmierer viele andere Frontends – alle mit ihren Vor- und Nachteilen. Um Ihnen die Wahl zu erleichtern, seien hier die wichtigsten vorgestellt:

Abbildung 1: Als eines der ältesten Frontends steht dem Anwender »xine-ui« zur Verfügung.
Abbildung 1: Als eines der ältesten Frontends steht dem Anwender »xine-ui« zur Verfügung.

Xine-ui (Abbildung 1) rufen Sie auf der Kommandozeile mit xine auf. Es läuft unter allen Betriebssystemen und Hardware-Architekturen, die die xine-Bibliothek unterstützt. Xine-ui arbeitet mit Skins und ermöglich Zugriff auf alle Features der Bibliothek.

Die Software ist nicht abhängig von Gui-Toolkits wie Gtk oder Qt, sondern setzt direkt auf Xlib auf. Das Frontend sichert seine Konfiguration in der Datei ~/.xine/config und merkt sich so beispielsweise den zuletzt benutzten Grafiktreiber.

Eine Alternative zu xine-ui ist gxine (Abbildung 2). Dieses Frontend benutzt Gtk 2 und fügt sich daher sehr gut in den GNOME-Desktop ein. Es ist intuitiv zu bedienen und bringt ein Mozilla-Plugin mit, um Streams aus dem Internet zu öffnen. Mediamarks, Playlisten sowie die Xine-Konfiguration sind unter ~/.gxine zu finden. Zur Zeit arbeiten die Entwickler an der Unterstützung von Windows-Media-Player-Skins.

Abbildung 2: gxine in Aktion
Abbildung 2: gxine in Aktion

Das Programm Totem geht bei der GNOME-Integration noch einen Schritt weiter: Es integriert sich in den Datei-Browser Nautilus mit einem Menüpunkt und erweitert Nautilus um eine Thumbnail-Vorschaufunktion für Videodateien. Dazu benötigt dieses Frontend neben Gtk auch noch andere GNOME-2.2-Bibliotheken.

Tabelle 1: Die wichtigsten Tastenbelegungen der Frontends

Return Play
Leertaste Pause
Q Beenden
Esc Fullscreen-Modus verlassen
A Videobild-Seitenverhältnis einstellen
I De-Interlacer
Pfeil links 60 sec zurück
Pfeil rechts 60 sec vorwärts
Ctrl+Pfeil links 15 sec zurück
Ctrl+Pfeil rechts 15 sec vorwärts
Pfeil hoch schnellere Wiedergabe
Pfeil runter langsamere Wiedergabe (Zeitlupe)
0 An den Anfang springen
1-9 Nach 10%, 20%, … 90% springen
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Page Down zum nächsten Playlist-Eintrag springen
Shift+Z ins Video hinein-zoomen
Z aus dem Video heraus-zoomen
T Snapshot vom Video machen und speichern
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