Aus LinuxUser 07/2003

TextMaker 2002 im Test

Mehr Auswahl

Die Zeiten, in denen es Linux vor allem an Office-Programmen mangelte, sind schon länger vorbei. Für noch mehr Auswahl sorgt nun die in Nürnberg ansässige Firma SoftMaker mit ihrer nativen Portierung der Textverarbeitung TextMaker 2002.

TextMaker führte als Teil der „SoftMaker-Office“-Suite lange Zeit ein Schattendasein. Schon die Windows-Version galt wegen ihrer geringen Größe bei dennoch hohem Leistungsumfang als Geheimtipp, konnte sich jedoch nie gegen den Platzhirsch MS Office behaupten. Im Rahmen des Projekts „SoftMaker Office anywhere“ portiert der deutsche Hersteller nun sukzessive seine Office-Suite auf andere Plattformen. Nachdem zunächst Pocket-PC- und Handheld-Besitzer in den Genuss von TextMaker gelangten, gibt es nun die Linux-Version [2].

Wie der Wind

Eine 30-Tage-Testversion finden Sie unter [3] zum Download bereit. Die Installation ist denkbar einfach: Das Archiv packen Sie mit dem Aufruf tar xzvf textmakertrial.tgz aus, wechseln ins neu entstandene Verzeichnis hinein (cd textmakertrial) und starten das Programm mit dem Aufruf ./tml &.

TextMaker wird seinem guten Ruf hinsichtlich Geschwindigkeit mehr als gerecht: Die Textverarbeitung geht auch auf schwachbrüstigen Rechnern erstaunlich flott zu Werke. Lediglich beim Öffnen der Schriftenauswahl ging der Testrechner (Celeron 500) kurz in die Knie. Hier zahlt es sich offenbar aus, dass SoftMaker sogar die Bibliotheken zur Darstellung der Benutzeroberfläche selbst entwickelt hat. Letztere wirkt aufgeräumt und orientiert sich an früheren Word-Versionen, was Um- und Einsteigern entgegenkommen dürfte. Ab und an tauchen aber noch kleinere Darstellungsprobleme in Eingabefenstern, z. B. im Übersetzungswörterbuch (Abbildung 2), oder bei der Auffrischung der Fensterinhalte auf.

Auch das Hilfesystem ist noch etwas mager gehalten. Assistenten oder eine kontextsensitive Hilfe sucht man vergebens. Der Menüpunkt „Hilfe“ ist stattdessen auf das elektronische Benutzerhandbuch in PDF-Format verlinkt. Dieses ist zwar ausführlich und sehr gut aufgebaut, aber mangels Querverweise umständlich zu benutzen. Dennoch lohnt sich ein Blick ins Handbuch – auf das sehr gut gemachte Tutorial für Einsteiger. Der Vollversion von TextMaker liegt das Manual zusätzlich in gedruckter Form bei.

Schreib mal wieder

Bei den Schreibhilfsmitteln stehen bis auf einen Schatten-Cursor sämtliche gängigen Funktionen zur Verfügung. Für alle, die mit den neuen Rechtschreibregeln immer noch auf Kriegsfuß stehen, bietet TextMaker eine pfiffige Hilfe an: Eine Automatik unterstreicht alle Wörter in der alten Schreibweise blau und ersetzt sie auf Wunsch automatisch. Leider arbeitet diese Automatik bei zusammengesetzten Wörtern nicht immer zuverlässig (Abbildung 1).

Abbildung 1: Alte oder neue Rechtschreibung?
Abbildung 1: Alte oder neue Rechtschreibung?

Auch beim Einfügen von Texten über die Zwischenablage ist Vorsicht geboten: Dieser wird stets als ein Absatz behandelt. Möglicherweise irritiert TextMaker hier der unter Unix anders arbeitende Zeilenvorschub.

Die Sprachenunterstützung geht über das Angebot von OpenOffice hinaus. So lässt sich die Sprache nicht nur zeichengenau zuweisen; es existiert auch noch ein Übersetzungswörterbuch. Dieses arbeitet ähnlich wie die Rechtschreibprüfung, übersetzt aber deutsche Worte in die Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch oder Italienisch und vice versa.

Abbildung 2: TextMaker kommt mit Übersetzungswörterbuch
Abbildung 2: TextMaker kommt mit Übersetzungswörterbuch

Layout-Fragen

Farbige Hintergründe zaubert TextMaker lediglich für HTML-Dateien; für andere Dokumente muss man den bunten Background entweder über eingefärbte Absätze oder groß gezogene Rechtecke simulieren. Wasserzeichen lassen sich einfach mit der Funktion Master-Pages realisieren: Ihr Inhalt findet sich auf allen anderen Seiten des Dokumentes wieder.

Bilder lassen sich auf zwei Arten einbinden: Entweder behandelt TextMaker sie wie ein normales Zeichen im Text, oder sie werden in Rahmen untergebracht. Nur mit Hilfe solcher „Container“ kann ein Text entsprechende Objekte umfließen. Eine Beschriftung oder Bildunterschrift lässt sich allerdings nicht anheften. Auch eine Verschiebung auf eine andere Seite im Dokument ist nur durch Cut & Paste zu erreichen. Abbildung 3 zeigt, dass TextMaker auch mit komplexeren Layout-Vorgaben prima zurecht kommt. Die inneren und äußeren Rahmenbegrenzungen des Bildes erscheinen später nicht im Ausdruck. Die Silbentrennung erfolgt automatisch im Hintergrund.

Abbildung 3: Professionelles Layout
Abbildung 3: Professionelles Layout

Bei den Bildbearbeitungsfunktionen beschränkt sich TextMaker auf stufenloses Skalieren, rudimentäre Beschneidung, sowie Drehungen in 90-Grad-Schritten. Weitergehende Manipulations- bzw. Korrekturmöglichkeiten (oder gar Filter) gibt es nicht. Ins Dokument eingebettete Bilder komprimiert TextMaker auf Wunsch.

Terminus

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Arbeit mit den verschiedenen Ansichten und Modi. So kennt TextMaker einen Objektmodus, in dem die Bearbeitung von Texten deaktiviert ist. Dieser ist nötig, da sich der Mauszeiger beim Streifen eines Rahmenrandes nicht verändert. Ohne aktivierten Objektmodus wird hier das Selektieren schnell zum Ratespiel. Den Formularmodus benötigt TextMaker immer dann, wenn eingebettete Formularfelder ausgefüllt werden müssen.

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