Aus LinuxUser 06/2003

Mit Bluetooth und Notebook unterwegs im Internet

Wie von Geisterhand

Immer und überall online sein, das ist mit Handy und Notebook kein Problem. Doch nicht jeder möchte im Zug sein Handy offen auf dem Tisch gegenüber dem Infrarot-Anschluss ablegen. Mit Bluetooth ist die Verbindung stabiler und das Handy vor Dieben sicher.

Internet von unterwegs ist ziemlich tückisch, wenn der Infrarot-Anschluss benutzt wird: Das Handy muss genau auf das Infrarot-Fenster des Notebooks ausgerichtet werden, darf nicht zu nah und nicht zu weit entfernt liegen, und bei starker Sonneneinstrahlung kann schon einmal die Verbindung abreißen. Auch ist der Infrarot-Anschluss bei vielen Notebooks auf der Rückseite angebracht – das Handy liegt also hinter dem Display außer Sicht, und vielleicht ist die Ursache des nächsten Verbindungsabbruchs einfach der Diebstahl des Geräts.

Bluetooth ist hier ein guter Ersatz der störanfälligen Infrarot-Verbindungen: Mit Reichweiten von mehreren Metern kann das Handy bequem im Koffer oder am Gürtel bleiben, wird also nicht so leicht gestohlen, und die Verbindung zwischen Notebook und Handy ist über kurze Distanzen sehr stabil. Vor Missbrauch der Bluetooth-Geräte soll das Pairing schützen, eine Authentifikation beim ersten Verbindungsaufbau – wie sicher dieses Verfahren wirklich ist, muss erst die Praxis zeigen, bei Infrarot gibt es allerdings gar keinen Schutz.

Bluetooth USB Dongles

Die Nachrüstung von Bluetooth ist bei Notebooks wie Desktops kein Problem, ein freier USB-Anschluss und ein so genannter Bluetooth Dongle reichen völlig aus. Für den Test verwendeten wir den Bluetooth USB Dongle BT-DG02 von Elito-Epox [1], er kostet etwa 40 bis 45 Euro. Linux unterstützt dieser Dongle und viele andere seit Kernel 2.4.20, als Referenz-Distribution kam daher das aktuelle SuSE Linux 8.2 Professional zum Einsatz. Bei anderen Distributionen muss entweder der BlueZ-Bluetooth-Stack mittels Patch [2] nachgezogen oder der Kernel entsprechend aktualisiert werden. Die BlueZ-Bibliotheken und -Tools [3] müssen dann ebenfalls von Hand übersetzt werden, eine Anleitung finden Sie unter [1] – das betrifft auch die Besitzer von SuSE Linux 8.2 Personal, hier fehlen die Bluetooth-Pakete der Professional-Version

Bei SuSE 8.2 Professional müssen Sie die Pakete bluez-libs, bluez-sdp, bluez-utils und bluez-pan nachinstallieren. Wenn Sie die grafische Oberfläche zur Pin-Eingabe benutzen wollen, benötigen Sie zudem noch python-gtk.

Kernel-Module laden

Zunächst muss das Kernel-Modul hci_usb für den Bluetooth Dongle geladen werden. Bei SuSE 8.2 funktionierte dies nicht über den Hotplug-Manager, deshalb lassen wir das Modul hci_usb immer dann laden, wenn auch der Bluetooth-Stack bluez geladen wird. Dies erledigt folgende Zeile in der Datei /etc/modules.conf:

post-install bluez modprobe hci_usb

Fügen Sie diese Zeile am besten unmittelbar hinter alias net-pf-31 bluez ein und laden Sie das Dongle-Modul einmal von Hand mittels modprobe hci_usb.

Geräte suchen

Als Anwendungsbeispiel zeigen wir die Einwahl über ein Nokia 6310i. Schalten Sie erst alle an das Handy gekoppelten Bluetooth-Geräte wie PDA oder auch Headset ab und dann das Handy auf sichtbar für andere Bluetooth-Geräte (Menü / 11 / 5 / 1 / 1). Nun geben Sie am Rechner folgenden Befehl ein:

# hcitool scan
Scanning …
        00:60:57:3F:8A:E9       dg2fer

Die Ausgabe zeigt links die Hardware-Adresse des Telefons und rechts die Kennung, die Sie unter Name meines Telefons (Menü / 11 / 5 / 2) eingegeben haben. Die Hardware-Adresse benötigen wir nachfolgend, um das Telefon einzubinden. Sind noch andere Bluetooth-Geräte aktiv, kann die Liste mehrere Geräte umfassen. Wenn wir das Bluetooth-Headset HDW-2 von Nokia vor dem Scannen nicht abschalteten, bekamen wir n/a statt der Kennung des Telefons ausgegeben, das Headset selbst fanden wir nur, wenn das Handy abgeschaltet war, also keine Verbindung vom Headset zum Handy bestand.

Handy-Modem einbinden

Der nächste Schritt ist die Verknüpfung einer seriellen Schnittstelle mit dem Modem-Teil des Handys. Leider fehlt bei SuSE Linux 8.2 der passende Geräteeintrag in /dev, Sie müssen ihn bei der ersten Verwendung anlegen. Anschließend weisen Sie mittels rfcomm dem ersten seriellen Bluetooth-Gerät /dev/rfcomm0 die Hardware-Adresse des Handys zu:

mknod /dev/rfcomm0 c 216 0
rfcomm bind 0 00:60:57:3F:8A:E9 1

Pairing

Nun fehlt noch das so genannte Pairing, die Authentifikation beider Geräte. Das Pairing ist nur bei der ersten Benutzung nötig und gilt solange, bis Sie die Beglaubigung des Computers im Handy löschen (Menü / 11 / 4 / 1 / 2). Beim Pairing muss auf beiden Seiten die gleiche PIN eingegeben werden: Auf der Computer-Seite geschieht das entweder über eine Standard-PIN-Datei oder mittels grafischer PIN-Abfrage.

LinuxUser 06/2003 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: