Aus LinuxUser 06/2003

GPE – G-PDA-Environment (Seite 2)

Dieses Verhalten sorgt auch dafür, dass Applikationsfenster nicht größer als der darstellbare Bereich sein können und dürfen. Ein Hin- und Herziehen von Fenstern wird dadurch vermieden, da es ohnehin auf einem PDA wenig Sinn hätte. Neben dem Window Manager werden ein Programm zur Verwaltung des unteren Statusbalkens sowie ein Desktop Manager gestartet.

Abbildung 2: So präsentiert sich der GPE-Desktop
Abbildung 2: So präsentiert sich der GPE-Desktop

Der Desktop Manager präsentiert dem Benutzer eine geordnete grafische Auswahl der installierten Applikationen und ermöglicht deren Start durch einfaches Anklicken. Um Verwirrung zu vermeiden, können die meisten Programme, ebenfalls vom Desktop Manager gesteuert, nur einmal gestartet werden. Versucht der Benutzer, eine Applikation, die bereits läuft, erneut zu starten, schaltet dieser einfach zu der laufenden Anwendung um.

Diese und weitere Funktionen des Window und Desktop Managers basieren auf offenen und freien Standards des Freedesktop-Projektes [6].

Was geht?

Nach den grundlegenden Funktionen für grafische Oberfläche und Datenspeicherung sowie einem Desktop Manager sind für einen PDA natürlich die typischen Applikationen im Personal Information Management, kurz PIM, wichtig. Für GPE wurden diese vollständig neu entwickelt.

Abbildung 3: Die Kalender-Applikation
Abbildung 3: Die Kalender-Applikation

Der Kalender erlaubt die Verwaltung von Terminen und kann Termine mit Alarmen verknüpfen (Abbildung 3). Die Alarme verwaltet der Daemon at, ähnlich wie beim großen Linux. Ist ein Alarm-Termin erreicht, wird dies akustisch und optisch signalisiert.

Abbildung 4: Kontaktverwaltung unter GPE
Abbildung 4: Kontaktverwaltung unter GPE

Die Kontakte-Applikation folgt ebenfalls der PDA-typischen Adressverwaltung. Zur Zeit wird an einem intelligenten vCard-Import [7] gearbeitet, über den es möglich wird, ganze Telefon- und Adressbücher aus anderen Geräten wie Mobiltelefonen zu importieren.

Ein paar weitere Applikationen seien nur kurz exemplarisch erwähnt; es werden praktisch täglich mehr. In der Todo-Liste lassen sich die Einträge in Kategorien ordnen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Die ToDo-Liste
Abbildung 5: Die ToDo-Liste

Figment (Abbildung 6) ist eine praktische Variante der ToDo-Liste mit der Möglichkeit, kurze Notizen in einer Hierarchie anzuordnen und darin zu navigieren. Das ist sehr praktisch, um seine Gedanken zu ordnen.

Abbildung 6: Figment
Abbildung 6: Figment

Mindestens ebenso wichtig wie die Programmierung der Applikationen war die mühsame Erstellung der vielen Konfigurationsprogramme. Da PDAs nicht wirklich über eine Konsole „administriert“ werden können, muss also für jede Einstellung eine entsprechende grafische Applikation vorhanden sein. Abbildung 7 zeigt die Auswahl der GPE-Konfigurationsapplikationen.

Abbildung 7: GPE Konfiguration
Abbildung 7: GPE Konfiguration

Synchronisation? Teleport!

Eine der Gretchenfragen bei Linux auf PDAs wird natürlich auch an GPE gestellt: Gibt es eine Synchronisation? Doch seien wir einmal ehrlich: Was erwarten wir von einer Synchronisation zwischen PDA und Desktop wirklich? Ist es tatsächlich die Synchronisation? Das Abgleichen zweier oder noch mehr potentiell unterschiedlicher Datenbestände?

Oder ist es nicht vielmehr die Umgehung der Unzulänglichkeiten heutiger PDAs, nämlich, dass die Dateneingabe auf diesen Geräten selber ein Graus ist und dass man dies lieber an einem PC mit großem Bildschirm und anständiger Tastatur erledigen will?

Synchronisation kann GPE noch nicht bieten. Zu unterschiedlich sind die zur Zeit verfolgten Ansätze, und genauso unmöglich ist es, hier einen De-Facto-Standard zu ermitteln. Doch man kann dem Problem der Dateneingabe recht elegant zu Leibe rücken: Warum nicht einfach die passende PDA-Applikation per Display-Migration auf den großen Desktop holen, dort arbeiten und sie dann wieder zurück auf den PDA schicken?

Mit GPE kein Problem. Das Teleport-Hilfsprogramm schickt eine laufende Applikation vom PDA auf ein beliebiges anderes Display, ganz so, als würde man die Applikation direkt dort starten. Der wesentliche Unterschied ist also, bereits laufende Applikationen migrieren zu können.

Abbildung 8: Teleport schickt ein Programmfenster auf ein PC-Display
Abbildung 8: Teleport schickt ein Programmfenster auf ein PC-Display

Durch die Migrationsunterstützung in GTK 2 wird hier in Zukunft noch viel mehr möglich sein. Der Wechsel des Displays wird nämlich der Applikation mitgeteilt. Wird nun vom PDA zum Desktop gewechselt, steht der Applikation eine Fülle neuer Möglichkeiten zur Verfügung: Der Bildschirm ist größer, es gibt eine richtige Tastatur und eine Maus mit mehr als einem Knopf an Stelle eines Touchscreens, womöglich eine andere Farbtiefe des Displays und vieles mehr.

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