Aus LinuxUser 06/2003

deskTOPia: XPde (Seite 2)

Abbildung 2: Eine perfekte Kopie des Windows-XP-Task-Managers
Abbildung 2: Eine perfekte Kopie des Windows-XP-Task-Managers

Unter dem Register Performance informiert man sich über CPU- und Speicherauslastung. Bedauerlicherweise ist die Funktion, die ein Fenster dauerhaft im Vordergrund darstellt, noch nicht implementiert. Ein Rechtsklick auf den Desktop öffnet ein Kontextmenü, über dessen Menüpunkt Preferences sich der Dialog zur Konfiguration der Anzeigeeigenschaften öffnet. Viel einzustellen gibt es hier noch nicht, doch die Auswahl für das Hintergrundbild funktioniert bereits. Haben Sie Windows XP installiert, steht auch der Nutzung der XP-Wallpapers nichts im Wege (Abbildung 3).

Abbildung 3: Linux oder Windows, das ist hier die Frage
Abbildung 3: Linux oder Windows, das ist hier die Frage

Das Startmenü

Außer dem Windows XP Look hält das Startmenü einige Anwendungen bereit, die denen aus Redmond nachempfunden sind. Sie finden sie unter dem Menüeintrag Programs / Accessories. Kaum nutzbar ist bislang der Explorer-Klon, der in vielen Bereichen sehr unvollständig und – noch schlimmer – bisweilen sogar fehlerhaft ist. Wenn Sie einen Brenner und ein DVD-Laufwerk in Ihren Rechner eingebaut haben, wird nur ein CD-Laufwerk in der Baumansicht angezeigt. Das wäre zu verschmerzen, Abstürze während einer Kopieraktion erwecken jedoch wenig Vertrauen und machen das Programm derzeit als Datei-Manager unbrauchbar. Bedauern müssen Sie das bei dem derzeitigen Entwicklungsstadium allerdings nicht. Die Navigation durch Verzeichnisse funktioniert bislang nur in der Baumansicht wirklich problemlos.

Andere Anwendungen sind in dieser Hinsicht glücklicherweise schon weiter. Der unter dem Menüpunkt Notepad vorhandene Editor ist gut nutzbar und steht seinem Windows-Vorbild weder in der einfachen Bedienung, noch in den eher kargen Editierfunktionen nach. Einzig die Suchfunktion ist noch nicht komplett implementiert. Auch an dem Taschenrechner (Calculator) werden XP-Umsteiger ihre Freude haben, schaut er doch aus, wie Windows XP aus dem Monitor geschnitten.

Um dem Startmenü weitere Programme hinzuzufügen, existiert noch kein Frontend, stattdessen ist der Griff zum Editor Pflicht. Die einzelnen Menüeinträge befinden sich im Ordner ~/.xpde/Start Menu/Programs und dessen Unterordnern. Wenn Sie dem Startmenü einen persönlichen Ordner für weitere Programme hinzufügen wollen, erstellen Sie ihn so:

mkdir ~/.xpde/Start\ Menu/Programs/Privat

Der Backslash (\) dient dazu, das Leerzeichen in Start Menu zu maskieren (Wenn Sie sich der Tab Completion Ihrer Shell bedienen, müssen Sie sich darum nicht kümmern). Um in dem Ordner Privat einen Menüeintrag für z. B. sylpheed hinzuzufügen, legen Sie dort eine Datei Sylpheed.lnk mit folgendem Inhalt an:

[Shortcut]
Command=sylpheed

Analog erstellen Sie weitere Menüpunkte, welche jedoch erst nach einem Neustart von XPde im Startmenü auftauchen.

Einstellungssache

Über den Menüpunkt Settings im Startmenü erreichen Sie die Systemsteuerungsmodule von XPde. Gelegentlich tritt das Problem auf, dass diese durch Doppelklick in der „Systemsteuerung“ nicht zu öffnen sind, der Aufruf über die Kommandozeile klappt aber in jedem Fall. Wichtig zu wissen ist dabei der Speicherort der Programme. Sie liegen unter /opt/xpde/bin/applets. Möchten Sie dieses Verzeichnis nicht in den Pfad mit aufnehmen, sieht der Kommandozeilenaufruf für die Mauseinstellungen so aus:

/opt/xpde/bin/applets/mouse

Die einzelnen Module befinden sich alle in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Sowohl das für die Mauseinstellungen als auch das für den Netzwerkstatus funktionieren recht gut. Letzteres erwartet auf der Kommandozeile die Angabe eines Netzwerk-Interfaces als Parameter. Der Aufruf zur Statusanzeige des ppp0-Interfaces sieht so aus:

/opt/xpde/bin/applets/networkstatus -i ppp0

Eine Übersicht über die vorhandenen Netzwerk-Interfaces erhalten Sie, wenn Sie das Programm nur mit dem Parameter -l(„list“) aufrufen.

Ebenfalls interessant ist das Programm xpsu, mit dem Sie Programme als root starten. Geben Sie dafür

/opt/xpde/bin/applets/xpsu programmname

ein. Wie bei Ausführen als (runas) unter Windows öffnet sich eine Dialogbox, in der Sie den ausführenden Nutzer und dessen Passwort eingeben (Abbildung 4), woraufhin das Programm mit dessen Rechten gestartet wird.

Abbildung 4: Der Runas Clone xpsu
Abbildung 4: Der Runas Clone xpsu

Frühes Fazit

Insgesamt wird XPde derzeit dem eigenen Anspruch noch nicht gerecht. Umstiegswillige Windows-Anwender erschreckt man damit eher als Ihnen eine Freude zu bereiten. Doch jene Dinge, die schon implementiert sind, wissen zu überzeugen. Sowohl die gelungene Kopie aller Oberflächenelemente als auch einige Anwendungen zeigen, dass das XPde-Projekt sehr wohl Potential hat. Bereits für die kommende Version 0.4.0 plant das Team um José León, weiteren Menüpunkten Leben einzuhauchen und zusätzliche Anwendungen, wie einen Verbindungsassistenten für den problemlosen Internetzugang, zu integrieren.

Für erfahrene Anwender, die auch der eine oder andere Fehler nicht schreckt, ist XPde schon jetzt einen Blick wert, und sei es nur, um Windows nutzende Bekannte ein wenig in Erstaunen zu versetzen. Spätestens jedoch, wenn die Versionsnummer mit einer Eins beginnt, dürfte XPde eine Oberfläche sein, die auch jene Windows-Anwender überzeugt, die bislang vor einem Versuch mit Linux zurückschreckten.

LinuxUser 06/2003 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: