Aus LinuxUser 04/2003

Distri-Bits

Mit Aprilscherzen nichts gemein haben die neuen Ausgaben von VectorLinux und kmLinux, der Release Candidate von Mandrake, eine frische Beta von Red Hat und eine kompakte Multimedia-Distribution.

Überflügelt

Vom Distributionenveteran Slackware (http://www.slackware.com/) gibt’s außer ein paar Updates (z. B. auf KDE 3.x) für Version 8.1 schon länger nichts Neues mehr zu berichten. Umso fleißiger waren die Entwickler von VectorLinux ([1], http://www.vectorlinux.com/), einem schlanken und leichter zu installierenden Slackware-Abkömmling. Als wichtigste Änderungen der neu erschienenen Version 3.2 schlagen das Kernel-Upgrade auf Linux 2.4.20, erweiterte USB-Unterstützung mit Hotplugging, XFree 4.2.1, Glibc 2.2.5 und die neuesten KDE- und GNOME-Pakete zu Buche. Die Software-Verwaltung erleichtert nunmehr ein grafisches Paketverwaltungsprogramm namens vecpkg.

Zum Download stehen entweder ein 230 MB großes ISO-Image oder einzelne Dateien von einer Gesamtgröße von etwa 135 MByte zur Verfügung; hier muss die Anwenderin allerdings auf KDE und GNOME verzichten. Für ältere Systeme gibt es XFree 3.3.6, das mit weniger Systemressourcen auskommt als das aktuelle XFree 4.2. Die Softwareausstattung verdient ein „gut“: So stehen als Windowmanager XFCE und IceWM bereit, als Browser wird Opera installiert, die Verarbeitung von Texten übernimmt Abiword, als E-Mail-Programm ist Sylpheed mit an Bord.

Abbildung 1: VectorLinux Desktop
Abbildung 1: VectorLinux Desktop

Doch auf den Lorbeeren ruhen sich die Entwickler nicht aus: Bereits ein paar Tage später stand die neue Beta-Version der SOHO Desktop Version 3.2 ebenfalls zum Download bereit. Die Hardware-Erkennung läuft hier automatisiert ab, und CUPS kommt als Drucksystem zum Einsatz. In der Endversion wird es auch möglich sein, die Nvidia-Treiber für X auf einfache Weise zu nutzen.

Nächste Klasse

Auch kmLinux (http://www.lernnetz-sh.de/kmLinux/), eine Distribution, die speziell für die Erfordernisse von Schulen konzipiert wurde, wagte im Februar den Versionssprung von 3.0 [2] auf 3.1. Sie zeichnet sich durch einfache Konfiguration und Installation aus; auf der Festplatte richtet das Installationsprogramm lediglich zwei Partitionen ein und kopiert die System-Daten dann ohne Nachfrage dorthin. Bestehende Windows-Partitionen bleiben auf Wunsch erhalten. Die neue Version basiert weiterhin auf SuSE 8.0 und benötigt zur Installation etwa 2,2 GByte Plattenplatz.

Als Desktop kommt KDE 3.1 zum Einsatz, der nach dem Booten automatisch startet. Die Software umfasst Programme für die Fächer Mathematik, Informatik, Physik und Chemie. Mit OpenOffice ist das wichtigste freie Office-Paket ebenfalls dabei.

Mandrake macht weiter

Ungeachtet der schwierigen wirtschaftlichen Lage veröffentlichte MandrakeSoft den ersten Release Candidate von Mandrake 9.1. Als wichtigste Änderungen gegenüber Version 9.0 dürfen die verbesserte Unterstützung für ACPI auf Laptops, Apache 2 und XFree 4.3 gelten. Die Installations- und Systemwartungsprogramme wurden auf GTK 2 portiert. Die Konfiguration von Netzwerken vereinfacht das Programm zeroconf, das Installationsprogramm verändert auf Wunsch Partitionen im NTFS-Format.

Unterdessen diskutieren die Mitglieder der Mandrake-Mailinglisten, ob die Distribution nach einem möglichen Konkurs des Herstellers als OpenSource-Projekt weitergeführt werden soll.

Sicher ist sicher

Red Hat und Oracle lassen ihre Software von der US-Regierung für den Einsatz in Regierungsbehörden zertifizieren. Die Common Criteria Certification bietet einen Nachweis über die Sicherheit eines Produkts und dafür, dass der Hersteller in der Lage ist, bei Problemen schnell zu helfen. Falls Red Hat die Zertifizierung erhält, gilt diese aufgrund eines Abkommens auch in anderen Ländern, darunter in Deutschland.

Mittlerweile steht die zweite Beta-Version von Red Hat 8.1 unter ftp://ftp.redhat.com/pub/redhat/linux/beta/phoebe/en/iso/i386/ zum Download bereit: Auf sechs ISO-Images erhält die interessierte Benutzerin das System und die Quellen aller Anwendungen. Zu den Highlights zählen die Unterstützung von Bluetooth, XFree 4.3 Beta, GNOME 2.2 und KDE 3.1. Red Hat verwendet in Zukunft fontconfig als Font-Subsystem für X.

Konsortiumspower für Linux auf dem Desktop

Die Zeit ist reif für Linux auf dem Desktop – nur muss dafür noch einiges getan werden. Öffentlichkeitsarbeit ist das eine, Qualitätssicherung das andere, und am Ende steht ein Forum, das die Mitglieder der Linux-Community mit Hersteller-neutralen Messe- und Konferenzveranstaltern zusammenbringt. Dies zumindest sind die Ziele, die dem – noch zu gründenden – Desktop Linux Consortium“ (DLC, http://www.desktoplinuxconsortium.org/) von seinem Gründungskomitee bereits gegeben wurden.

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