Aus LinuxUser 02/2003

PostgreSQL als Datenbank für Star- und OpenOffice

Datenbank an Office

Wer von MS Office auf Open- oder StarOffice umsteigt, vermisst Access. Doch mit PostgreSQL lassen sich die beiden Office-Suites problemlos um eine richtige Datenbank erweitern.

Ein Office-Komplettpaket ohne Desktop-Datenbank sorgt heutzutage eher für Stirnrunzeln. Ehe man jedoch an die Leistungsgrenzen dieser „Zugabe“ stößt, lohnt sich die Überlegung, gleich ein richtiges und zukunftssicheres Datenbank-Management-System (DBMS) zu verwenden.

Unter Linux bietet sich die SQL-Datenbank PostgreSQL an, bei der mehrere Nutzer zeitgleich ein und dieselbe Tabelle bearbeiten können, solange sie zu einem Zeitpunkt verschiedene Einträge (alias Tabellen-Zeilen) manipulieren. Dieses DBMS ist eines der wenigen freien Systeme, die auch mit Fremdschlüsseln und Transaktionen umgehen können. Über die ODBC-(„Open Database Connectivity“-)Schnittstelle lässt es sich an StarOffice oder OpenOffice anpfropfen.

Benötigte Programmpakete

postgresql PostgreSQL-Client, zu installieren auf dem Server-Rechner sowie optional auf Linux-Clients, die für die Fernadministration des DBMS benutzt werden
postgresql-server PostgreSQL-Datenbanksystem, der eigentliche Server
postgresql-odbc ODBC-Treiber für PostgreSQL, benötigt auf dem Server- und jedem Linux-Client-Rechner, der via Star-/OpenOffice auf die Datenbank zugreifen soll
unixODBC ODBC-Treiber-Manager für Linux, benötigt auf dem Server und jedem Linux-Client
postgresql-tcl Schnittstelle zur Skriptsprache Tcl, benötigt auf dem Server sowie optional auf zur Fernadministration gedachten Linux-Clients
postgresql-tk pgaccess-Client, eine grafische Benutzerschnittstelle, die auf dem Server sowie optional auf Linux-Clients für die Fernadministration gebraucht wird (Abbildung 1)
unixODBC-kde (Red Hat), qt-ODBC (Red Hat), unixODBC-gui-gtk (SuSE und Mandrake), unixODBC-gui-qt (SuSE und Mandrake), unixodbc-bin (Debian), godbcconfig (Debian) Grafische Konfigurationstools für odbc.ini und odbcinst.ini
Abbildung 1: Mit pgaccess lassen sich auch ohne SQL-Kenntnisse Tabellen in der Datenbank anlegen
Abbildung 1: Mit pgaccess lassen sich auch ohne SQL-Kenntnisse Tabellen in der Datenbank anlegen

Am Anfang war PostgreSQL

Zu diesem Zweck gilt es zunächst, die Datenbank selbst und einige Hilfspakete zu installieren. Tabelle 1 gibt einen Überblick: Die Paketbezeichnungen sind bei den gängigen Distributionen nahezu identisch. Geringfügige Abweichungen gibt es bei den ODBC-Konfigurationstools. Platz sollte man nicht zu knapp einplanen: Die paar MByte PostgreSQL-Paket entpuppen sich nach dem Anlegen der ersten Datenbank schnell als Plattenplatzfresser von mehr als 50 MByte.

Kommen für die eigene Distribution gedachte Binärpakete zum Einsatz, legt der Paketmanager beim Einspielen des Server-Pakets den Unix-User postgres als Datenbank-Administrator sowie die Gruppe postgres an. Zudem erzeugt er das Home-Verzeichnis des Datenbank-Admin-Users unterhalb von /var/lib oder /etc, das die Konfiguration des DBMS enthält, und ein Arbeitsverzeichnis, in dem die Datenbanken selbst abgelegt werden. Dieses heißt pgsql oder postgres und befindet sich meist in /usr/lib. Die Datenbanken landen dann in /usr/lib/pgsql/data oder /usr/lib/postgres/data. Um die Verwirrung komplett zu machen, trennen manche Distributionen Arbeits- und Home-Verzeichnis gar nicht erst voneinander: SuSE 8.0 legt das data-Verzeichnis im postgres-Home-Verzeichnis /var/lib/pgsql ab.

Wer PostgreSQL aus dem Quellcode kompiliert oder ältere Binärpakete (vor Version 7) einspielt, muss selbst dafür Sorge tragen, dass User, Gruppe und Verzeichnisse angelegt werden. Nach der Installation bleiben noch einige Aufgaben für root übrig: So sollte der User postgres mit dem Kommandozeilen-Befehl

passwd postgres

ein Passwort zugewiesen bekommen. Zudem empfiehlt es sich, die Rechte am Home- und Arbeitsverzeichnis von postgres zu kontrollieren:

ls -l  /var/lib | grep pgsql

Gibt dieser Befehl nichts aus, suchen Sie mit grep nach dem String postgres. In Ordnung ist das folgende Ergebnis:

drwx——  4 postgres postgres 1024 Okt 16 21:34 pgsql

Sollte statt postgresroot stehen, passen Sie die Eigentumsverhältnisse an:

cd /var/lib
chown -R postgres:postgres pgsql

Wenn es wie bei SuSE 8.0 keine extra postgres-Gruppe gibt, darf das Verzeichnis auch in Obhut der Gruppe daemon verbleiben. Benutzt Ihre Distribution ein separates Arbeitsverzeichnis /usr/lib/psql oder /etc/postgres, stellen Sie auf gleiche Weise sicher, dass es dem Datenbank-User postgres gehört. Bei Debian finden Sie an beiden Stellen Links vor, die auf das jeweils richtige Verzeichnis verweisen. Ist dies auf anderen Distributionen der Fall, müssen Sie zudem die Besitzverhältnisse des Ziel-Ordners überprüfen.

Start des Datenbanksystems

Mit der Installation landet in /etc/init.d (bzw. /etc/rc.d/init.d) ein Skript zum Starten und Beenden von PostgreSQL. Ruft man dieses (im Beispiel heißt es postgres, bei SuSE hingegen postgresql) mit der Option start auf, startet das DBMS (Kasten 1):

/etc/init.d/postgres start

Kasten 1: Das Kreuz mit dem Pfad

Prädestiniert zum Aufruf des PostgreSQL-Init-Skripts ist selbstverständlich der User postgres. Doch wenn dieser unter SuSE (getestete Version: 8.0) /etc/init.d/postgresql start aufruft, kommt er nicht weit:

Starting PostgreSQL /etc/init.d/postgresql: checkproc: command not found
                                                                     done

Die Ursache: Der Suchpfad des Users postgres enthält das Verzeichnis mit dem im Skript benutzten Programm checkproc nicht. Fügt man ihn vor dem Aufruf des Init-Skripts mit

export PATH=$PATH:/sbin

hinzu, kann auch postgres (und nicht nur root) das DBMS über das Init-Skript starten. (Patricia Jung)

Vor dem Herunterfahren des Computers stoppt man es durch Aufruf des Skripts mit der Option stop. Sinnvollerweise passiert dieses Starten und Stoppen beim Wechsel des Runlevels [2] automatisch; viele Distributionen sehen das bereits ab Installation vor. Wenn nicht, setzen Sie die nötigen Links, bei SuSE 8.0 etwa wie in Listing 1, oder überlassen linuxconf oder ksysv diese Aufgabe.

Listing 1

Erweitern der Runlevel um das PostgreSQL-Startskript (SuSE 8.0)

ln -s /etc/init.d/postgresql /etc/init.d/rc3.d/S97postgresql
ln -s /etc/init.d/postgresql /etc/init.d/rc5.d/S97postgresql
ln -s /etc/init.d/postgresql /etc/init.d/rc1.d/K97postgresql
ln -s /etc/init.d/postgresql /etc/init.d/rc6.d/K97postgresql
        @KE:

Bei Bedarf starten Sie die Datenbank manuell mit dem Befehl postmaster:

/usr/lib/postgresql/bin/postmaster -i -D /var/lib/postgres/data &

Der Pfad zum Programm variiert, bei SuSE findet man es beispielsweise unter /usr/bin/postmaster. Die Option -i schaltet den Zugang zur Datenbank über’s Netz an; dem -D folgt der Pfad zu data.

Damit der Netzzugriff auch dann funktioniert, wenn das Init-Startskript die Datenbank startet, kontrollieren Sie, ob in der postmaster-Konfigurationsdatei postgresql.conf im data-Verzeichnis die Zeile tcpip_socket = 1 oder tcpip_socket = „true“ (ohne Kommentarzeichen am Zeilenanfang) steht. Dann können Sie auch beim postmaster-Aufruf über die Kommandozeile den Parameter -i weglassen.

Sollte der Datenbankserver nach einem PC-Absturz mit der Behauptung

pg_ctl: Another postmaster may be running
pg_ctl: cannot start postmaster

nicht mehr starten wollen, enthält das data-Verzeichnis eine Datei postmaster.pid mit der ProzessID des alten postmaster-Prozesses. Sie muss gelöscht werden, bevor der neue Datenbank-Server starten kann.

Neue Nutzer, neue Datenbank

Ein Datenbanksystem ist eine Welt in sich, und die will zunächst mit Datenbank-Usern bevölkert werden. Zum Anlegen kommt ein extra Kommando namens createuser zum Einsatz, das der für das DBMS zuständige Unix-User postgres ausführt (Listing 2).

Listing 2

Datenbank-Benutzer anlegen

pjung@linux:~> su - postgres
Password: Passwort_fuer_User_postgrespostgres@linux:~> createuser joernShall the new user be allowed to create database ? (y/n) yShall the new user be allowed to create more new users ? (y/n) y
CREATE USER

Der neue Datenbankbenutzer joern bekommt dank der beiden Ja-Antworten (y für „yes“) in diesem Beispiel das Recht, neue Datenbanken zu erstellen und weitere Datenbanknutzer anzulegen – er ist soeben zum Datenbank-Superuser geworden. Wenn joern von letzterer Fähigkeit Gebrauch macht, gibt er diese Berechtigungen natürlich nicht weiter – es sei denn, das System benötigt noch einen weiteren Administrator.

createuser erzeugt allerdings nur Datenbankbenutzer, keine Unix-Accounts. Existiert zusätzlich zum Datenbank-User joern auch ein Unix-User joern, kann dieser nun mit

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