Aus LinuxUser 01/2003

Dr. Linux

Nachhilfe für Woody

Seit Woody, auch bekannt unter dem Namen Debian GNU/Linux 3.0, die Szene betrat, wenden sich viele Anwender zum ersten Mal dem Flaggschiff unter den freien Distributionen zu. Frau Dr. Linux hilft über einige Einstiegshürden hinweg.

Dr. Linux

Komplizierte Organismen, wie Linux-Systeme es nun einmal sind, haben so ihre ganz eigenen Wehwehchen. Dr. Linux beobachtet die Patienten in den Linux-Newsgruppen, stellt an dieser Stelle Rezepte für aktuelle Probleme aus und alternative Heilmethoden vor.

Her mit den Paketen!

Ich habe bei der Woody-Installation nur meine CD als Paketquelle angegeben. Wie bringe ich APT nun dazu, auch Quellen im Internet zu nutzen? Insbesondere kommen mir Zweifel, ob es richtig war, die Frage nach automatischen Sicherheitsupdates mit „nein“ zu beantworten. Kann ich mich auch nachträglich noch dafür entscheiden?

Dr. Linux: Aber natürlich! Debian-Profis editieren zu diesem Zweck die Datei /etc/apt/sources.list, dies erfordert Superuser-Rechte. Neu-Debianern erleichtert das Tool apt-setup diese Arbeit, so dass sie sich für’s Erste nicht mit der Syntax dieser Datei auseinandersetzen brauchen (Kasten 1).

Anschließend sorgt der Befehl apt-get update dafür, dass die Beschreibungen der von der jeweiligen Paketquelle bereitgestellten Debian-Pakete in einer lokalen Datenbank gespeichert und auch offline abgefragt werden können. Zählen Verzeichnisse auf Internet-Servern zu den Datenquellen, muss der Datenabgleich selbstverständlich online erfolgen.

Die Angabe der Datenquellen in /etc/apt/sources.list folgt dem Schema

Typ URI Distribution [Kategorie1] [Kategorie2] […]

*

Typ bezeichnet den Pakettyp: Steht an dieser Stelle der Eintrag deb, hält die Quelle vorkompilierte Debian-Pakete bereit, bei deb-src sind es Quellcode-Packages.

  • Der URI („Uniform Resource Identifier“) benennt die tatsächliche Datenquelle, von der die Pakete zu holen sind. Hier stehen Einträge wie zum Beispiel ftp://ftp.de.debian.org/Debian/ oder http://non-us.debian.org/. Die Manpage zu sources.list zeigt weitere Möglichkeiten auf. Während Einträge von Internet-Servern sich noch recht einfach „von Hand“ spezifizieren lassen, greift man für die Erfassung von CD-ROMs besser auf das Tool apt-cdrom (oder apt-setup) zurück.
  • Mit dem Eintrag der Distribution geben Sie an, welche Debian-Version Sie installieren möchten: stable ist das Codewort für die aktuelle, stabile Version; unstable steht für die aktuelle Entwicklerversion. Mit testing haben Benutzer die Möglichkeit, weitestgehend auf dem Stand der Entwicklerversion zu sein, ohne jedoch wirklich instabile Software mit einzuspielen. Alternativ tragen Sie den Namen der Debian-Ausgabe ein, zum Beispiel woody für die stabile Version 3.0, sarge für die aktuelle testing oder sid für die jeweilige Entwicklerversion.
  • Am Ende jeder Zeile stehen die Paket-Kategorien, aus denen Sie Software in Ihre Datenbank aufnehmen wollen. Dazu zählen main, contrib, non-free und non-US. Mehrfacheinträge werden durch Leerzeichen getrennt.

Eine fertige Datenquellenbeschreibung sieht beispielweise so aus:

deb ftp://ftp.de.debian.org/debian/ stable main

Wer diese Ressourcen von Hand einträgt, sollte darauf achten, dass innerhalb eines Eintrags keine Zeilenumbrüche entstehen und keine Leerzeichen zu Beginn einer Zeile stehen. Sonst weigert sich APT, die Datei abzuarbeiten und gibt Fehlermeldungen aus.

Wenn Sie die Frage nach den automatischen Updates von http://security.debian.org/ stable/updates main bei der Installation negativ beantwortet haben, finden Sie den entsprechenden Eintrag in /etc/apt/sources.listauskommentiert vor. Entfernen Sie das Kommentarzeichen # am Zeilenanfang, und fügen Sie ggf. weitere Software-Kategorien (etwa contrib und non-free) hinzu, wenn Sie auch dafür Sicherheitsupdates wünschen.

Der Befehl apt-get update (Listing 1) ist übrigens nicht nur dann angebracht, wenn Sie Ihre Installationsquellen verändert haben: Das Kommando bringt grundsätzlich Ihre lokale Liste der aktuellen Paketversionen auf den neuesten Stand und lohnt sich – sofern Sie Internet-Server als Software-Bezugsquelle in der sources.list angegeben haben – in regelmäßigen Abständen.

Listing 1

Lokale Paketdatenbank auffrischen

woody:/# apt-get update
Get:1 http://security.debian.org stable/updates/main Packages [55.1kB]
Get:2 http://security.debian.org stable/updates/main Release [110B]
Fetched 9203B in 1s (4620B/s)
Reading Package Lists… Done
Building Dependency Tree… Done

Verwechseln Sie diesen Befehl nicht mit apt-get upgrade! Dieses Kommando bringt Ihre Debian-Installation auf den neuesten Stand, indem es Sicherheitsupdates und ggf. sonstige aktualisierungsfähige Pakete herunterlädt und anstelle der bereits eingespielten Version installiert (Abbildung 1). Das setzt natürlich eine aktuelle Paketdatenbank voraus.

Abbildung 1: Sicherheitsupdate läuft
Abbildung 1: Sicherheitsupdate läuft

Kasten 1: apt-setup

Der Superuser-Befehl apt-setup (Abbildung 2) hilft mit einer pseudo-grafischen Oberfläche bei der Konfiguration von /etc/apt/sources.list. Fünf Menü-Punkte stehen zu Auswahl: cdrom erlaubt es zum Beispiel, neu erworbene CD-Sets als Installationsquelle einzurichten. Steht genügend Bandbreite zur Verfügung, lohnt es sich, stattdessen oder zusätzlich Web- (http) oder FTP-Server (ftp) im Internet einzuspannen. Update-Quellen im eigenen Dateisystem (etwa kopierte CDs) fügen Sie unter dem Punkt Dateisystem hinzu. Schließlich erlaubt es der Menüpunkt Quellenliste händisch editieren, mit einem Texteditor (in der Regel vi) den Inhalt von sources.list direkt zu manipulieren.

Haben Sie sich dazu entschieden, FTP-Server zur Aktualisierung anzuzapfen, fragt Sie apt-setup noch, ob Sie Interesse an Paketen aus den Kategorien non-free und contrib haben. Beim erstmaligen Aufruf des ftp-Menüpunkts wählen Sie zudem das Land, in dem die zu nutzenden Maschinen stehen. Hier sollten Sie „Server um die Ecke“ bevorzugen, sich also beispielsweise für Germany entscheiden. Anschließend geht es um die Auswahl des Rechners, den Sie vor allen anderen befragen wollen (Abbildung 2); danach erhalten Sie Gelegenheit, weitere FTP-Server einzutragen.

Falls Sie die Sicherheitsupdates von http://security.debian.org/ bisher nicht in Anspruch nehmen, können Sie diese Entscheidung am Ende des apt-setup-Durchgangs revidieren, indem Sie die entsprechende Frage positiv beantworten (Abbildung 3).

LinuxUser 01/2003 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: