Aus LinuxUser 11/2002

Erste Schritte mit (X)Emacs (Teil 2)

Jetzt wird gelispelt.

Im zweiten Teil der Reihe brechen wir den Willen des Monsters XEmacs endgültig, indem wir ihm in seiner Sprache Befehle erteilen. Außerdem entlocken wir ihm sein Geheimnis, wie er uns mit verschiedenen Dateitypen Hilfe leisten kann. Auf in den Kampf!

Nachdem wir uns im ersten Teil mit den vermeintlich kryptischen und komplizierten Tastenkombinationen beschäftigt haben, widerlegen wir in diesem Teil das Vorurteil, XEmacs sei für den Anfänger nicht konfigurierbar, da dies mit einer merkwürdigen Programmiersprache erfolge.

Richtig ist an diesem Vorurteil nur, dass die Programmiersprache merkwürdig ist. Denn der Name dieser Sprache, Lisp, wird auch von gewieften Programmierern mit Lots of Infernal Stupid Parentheses! (sinngemäß: Viele teuflische, dumme Klammern) übersetzt. In Wahrheit steht Lisp allerdings für List Processor (zu deutsch: Listenverarbeiter).

Falsch ist natürlich, dass nur Profis Lisp beherrschen und nur diese XEmacs konfigurieren können. Dieser Artikel wird Sie in die Lage versetzen, die Grundkonfiguration von XEmacs selbst vorzunehmen und einfache Programmschnipsel zu verstehen und gegebenfalls an Ihre Wünsche anzupassen. Eine detaillierte Einführung finden Sie beispielsweise in [1], Programmschnipsel zu XEmacs in [2]. In gedruckter Form können die Bücher [3,4] weiterhelfen.

Befehlsstand

XEmacs erwartet seine Konfiguration an einer bestimmten Stelle: in Ihrem Home-Verzeichnis in der Datei ~/.emacs. Abgewöhnen können Sie ihm das, indem Sie XEmacs mit der Option -vanilla auf der Kommandozeile starten. Es präsentiert sich Ihnen dann ein jungfräulicher XEmacs, was dann Sinn hat, wenn Sie eine wichtige Einstellung in Ihrer ~/.emacs geändert, aber dabei einen Fehler gemacht haben.

Beachten Sie aber, dass gewohnte Tastenkombinationen oder andere Einstellungen nicht unbedingt mehr dieselben sein müssen. Mit der Option -load Datei veranlassen Sie XEmacs, das Lisp-Programm Datei direkt zu laden.

Abbildung 1: Der XEmacs im Lisp-mode
Abbildung 1: Der XEmacs im Lisp-mode

Kommandeur

Da wir nun wissen, wo XEmacs gerne seine Befehle mitgeteilt haben möchte, müssen wir uns nun noch um das Wie kümmern. Wie gesagt spricht XEmacs die Sprache Lisp, die ursprünglich für Programme mit künstlicher Intelligenz erschaffen wurde. Wir begnügen uns aber zuerst mit etwas einfacheren Dingen.

Wie Sie vielleicht bemerkt haben, zeigt XEmacs standardmäßig nicht die Spalten und Zeilen, in denen sich der Cursor im aktuellen Buffer befindet, an. Wie im ersten Teil der Reihe gezeigt, können wir mit M-x apropos RET nach Befehlen dazu suchen. XEmacs liefert zum Suchbegriff column den Befehl column-number-mode.

Der Beschreibung des Befehls nach scheint er auf unseren Zweck anwendbar: Non-nil means display column number in mode line, das heißt, er zeigt die Spaltenzahl in der Modeline an. Das tut er aber nur, wenn ihm ein Wert übergeben wird, der nicht nil ist. nil bedeutet soviel wie „nichts“. Wir können dem Befehl also jeden sonstigen Wert übergeben, damit dieser die Spaltenzahl in der Modeline anzeigt. Damit dies bei jedem Start von XEmacs geschieht, tragen wir dazu folgende Zeile in ~/.emacs ein:

(column-number-mode 1)

Sind Emacs und XEmacs installiert, besitzt der XEmacs eventuell eine gesonderte Konfigurationsdatei. Auf einem Mandrake-System mit beiden Emacs-Versionen war die Datei ~/.xemacs/custom.el der richtige Ort für Änderungen.

Die Klammern sind zwingend für jeden Lisp-Ausdruck. Den ersten Ausdruck innerhalb der Klammer interpretiert XEmacs immer als Befehl, alle weiteren als Parameter, die diesem Befehl übergeben werden. Die Zahl „1“ ist einfach der Wert ungleich „nil“, der dem Befehl übergeben werden sollte.

Speichern Sie nun ab und starten XEmacs erneut, so sollten Sie in der Modeline am rechten Rand die Spaltenzahl angezeigt bekommen. Alternativ könnten Sie auch C-u 1 M-x column-number-mode RET eingeben. Mit C-u sorgen Sie dafür, dass Sie die Zahl 1 als Parameter übergeben können.Versuchen Sie einmal, das Gleiche für die Zeilenzahl zu konfigurieren.

Da ich XEmacs bevorzugt auf der Textkonsole benutze, fehlt mir natürlich eine Uhr auf dem Monitor. Auch hier bietet XEmacs eine Lösung an, nämlich den Befehl display-time, den Sie so in Ihrer ~/.emacs unterbringen (und der neben der Zeit auch noch neue Mails und die CPU-Last anzeigt):

(display-time)

Also wieder mit den obligatorischen Klammern und dem Befehl dazwischen. Wie Ihnen die Informationen von C-h f display-time RET zeigen, erwartet er keinen Parameter. Unschönerweise zeigt er die Uhrzeit aber im 12-Stunden-Format an. Dem können wir mit folgendem Eintrag abhelfen:

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