Aus LinuxUser 08/2002

Minidistributionen (Seite 4)

Ist das Basissystem installiert, wird der Kernel eingerichtet, danach folgt XFree. Zu dessen Konfiguration (Maus, Tastatur, Grafikkarte und Monitor) kommt das Programm sax zum Einsatz. Nach Abschluss der Installation gelangen Sie ins VectorLinux-Setup-Programm, mit dessen Hilfe Sie die Maus für die Benutzung auf der Konsole, das Modem, die Verbindung zu Ihrem Internet-Provider, Lilo, die Soundkarte, PCMCIA und die Netzwerkkarte konfigurieren. Sie erreichen das Setup-Programm jederzeit, indem Sie als root in einer Konsole den Befehl vasm eingeben (Abbildung 4).

Abbildung 4: Das Setup-Programm von VectorLinux
Abbildung 4: Das Setup-Programm von VectorLinux

Nach abgeschlossener Installation sollte sich root mit dem Befehl passwd ein Passwort geben und mit adduser einen neuen unprivilegierten Benutzer anlegen, unter dessen Kennung Sie arbeiten.

X startet wie gewohnt auf den Befehl startx hin. Es erscheint ein Menü, in dem Sie den Window-Manager wählen: ICEwm (Abbildung 5) und XFCE stehen zur Wahl.

Abbildung 5: X mit ICEwm
Abbildung 5: X mit ICEwm

Über Mangel an Programmen können sich VectorLinux-User nicht beklagen: die Textverarbeitung Abiword, der Editor Nedit, das Mail-Programm Sylpheed, Opera und XMMS bilden den Grundstock. Guitar zum Bearbeiten von tar-Archiven, emelfm als Dateimanager und gftp runden das Softwareangebot ab. Mit an Bord ist der Compiler gcc, zusammen mit allen Header-Dateien zum Kompilieren von Konsolen- und GTK-basierten Programmen. Die Probe aufs Exempel, Übersetzung und Installation von gimp, funktionierte einwandfrei. Auch der HTML-Editor bluefish ließ sich anstandslos kompilieren.

VectorLinux ist eine relativ kompakte Distribution, die alles mitbringt, was die Benutzerin zur täglichen Arbeit benötigt. Das System lässt sich mit Slackware-Paketen erweitern, so steht ein großes Angebot fertig übersetzter Programme zur Verfügung.

Fazit

Jede der hier vorgestellten Mini-Distributionen hat ihren Einsatzzweck: tomsrtbt ist ein kleines Linux für die Hemdtasche, das Sie immer mit sich herumtragen können und das die wichtigsten Werkzeuge zur Fehlerbehebung dabei hat. 2DiskXWin beweist, dass ein vollständiges Linux mit grafischer Oberfläche auf zwei Disketten Platz finden kann. Ohne Erweiterungen ist sinnvolles Arbeiten allerdings nicht möglich. mulinux zeigt, dass eine ausgewachsene Distribution mit allen für die tägliche Arbeit notwendigen Programmen nicht zwei GByte Festplattenplatz verschlingen muss und zum Funktionieren einen Zwei-GHz-Prozessor braucht. Die Installation ist ein wenig umständlich, schließlich müssen elf Disketten aus dem Netz geladen, kopiert und installiert werden. Dafür lief das System auch auf dem 486er Testsystem noch flüssig und war mit einem Festplattenkonsum von 50 MByte sehr sparsam. Zipslack lässt sich gut und gern als großer Bruder von tomsrtbt bezeichnen. Es passt auf eine der weit verbreiteten Zip-Disketten und enthält alles Notwendige zum Arbeiten auf der Konsole, einschließlich des gcc. Der Download der etwa 100 MByte VectorLinux stellt in Zeiten von DSL und Flatrates keine große Hürde mehr dar, wenn eine sorgfältig zusammengestellte, für die tägliche Arbeit vollständige Distribution der Lohn ist. Alle hier vorgestellten Projekte werden intensiv weiter entwickelt, so dass sich ein Blick auf die jeweiligen Homepages lohnt.

Glossar

Disketten-Image

Eine Datei, die den Inhalt einer kompletten Diskette enthält. Disketten-Images schreibt man unter Linux mit dem Befehl dd auf eine Diskette.

Ramdisk

Ein Teil des Arbeitsspeichers, der wie ein Datenträger formatiert und angesprochen wird. Der Vorteil einer Ramdisk ist die kurze Zugriffszeit auf die Daten, der Nachteil, dass ihr Inhalt beim Ausschalten des Computers unwiderruflich verloren ist.

Partitionstabelle

Der Bereich einer Festplatte, in dem die Daten über die Aufteilung der Festplatte gespeichert werden.

ext2

Das „Extended Secondary Filesystem“ war bislang das Standard-Dateisystem von Linux.

ext3

Der abwärtskompatible Nachfolger von ext2 verbessert durch Journaling (Buchführen der Schreibzugriffe) die Datenintegrität nach unkontrolliertem Abschalten des Rechners. Dadurch entfallen die langwierigen Filesystem-Reparaturen.

UMSDOS

Ein Linux-Dateisystem auf einem FAT-formatierten (Windows-)Datenträger.

Device

Da unter Unix und Linux eigentlich alles eine Datei ist, finden Sie für alle Geräte von Maus bis Festplatte einen Eintrag im Verzeichnis /dev.

Swap

Der Teil der Festplatte, auf den das Betriebssystem Teile des Arbeitsspeichers auslagert, wenn es im physischen Arbeitsspeicher zu eng wird, wird als Swap-Bereich bezeichnet.

Infos

[1] Patricia Jung, Hans-Georg Eßer: „Handgemacht“, LinuxUser 01/2002, S. 34 f.

[2] http://www.toms.net/rb/

[3] http://www.mungkie.btinternet.co.uk/projects/2diskXwin.htm

[4] http://sunsite.dk/mulinux/

[5] Karl-Heinz Zimmer: „Zweiter Frühling“, Linux-Magazin 05/99, S. 66 ff., http://www.linux-magazin.de/ausgabe/1999/05/muLinux/mulinux2.html

[6] http://rowa.giso.de/german/

[7] http://www.slackware.com/zipslack/

[8] http://www.ibiblio.org/vectorlinux/

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