Aus LinuxUser 08/2002

Minidistributionen (Seite 2)

Von der ersten der beiden starten Sie den Computer. Bis der Kernel von der Diskette in die Ramdisk geladen ist, dauert es ein paar Minuten. Anschließend kommt die Aufforderung, die zweite Diskette einzulegen. Nach wenigen Augenblicken ist das System gestartet, und Sie melden sich ohne Passwort als root an. Um in den Genuss der grafischen Oberfläche zu kommen, starten Sie das X-Window-System durch Eingabe von xwin. 2DiskXWin fragt Sie nach Ihrer Maus; dann wählen Sie die gewünschte Auflösung aus. Nun startet X, und schon nach kurzer Zeit steht Ihnen ein grafischer Desktop zur Verfügung.

Abbildung 1: Die 2DiskXWin-Installation funktioniert trotz aller Fehlermeldungen
Abbildung 1: Die 2DiskXWin-Installation funktioniert trotz aller Fehlermeldungen

Als WWW-Browser ist Chimera mit an Bord. Zum Aufbau einer Netzverbindung verwenden Sie ein Skript, das die Verbindungsdaten aufnimmt und die Verbindung zu Ihrem Provider herstellt. Als Dateimanager gibt es xfm, auch das einfache Malprogramm xpaint ist mit dabei.

Da das Mounten eines MS-DOS-Dateisystems funktioniert, können Sie Reparaturen an einer beschädigten Windows-Installation vornehmen. Leider ist es nicht möglich, mit ext2 und ext3 formatierte Partionen zu mounten, so dass auf ein eventuell installiertes Linux nicht zugegriffen werden kann.

mulinux

Im Gegensatz zu anderen Mini-Distributionen versteht sich mulinux [4] nicht nur als Rettungs- und Notfallsystem, sondern als vollständige Distribution, die Programme für die wichtigsten Anwendungen mitbringt. Das Basissystem benötigt nur eine Diskette; es gibt insgesamt zehn Ergänzungen, mit denen Sie ein umfangreiches System zusammenstellen. Seit unserem letzten Artikel [5] (damals war der LinuxUser noch ein Heft im Heft im Linux-Magazin) hat sich viel getan; das System ist stabiler und umfangreicher geworden.

Die erste mulinux-Diskette ist als Ein-Disketten-Linux verwendbar. Ähnlich wie bei tomsrtbt handelt es sich dabei um eine Notfalldiskette, mit deren Hilfe Sie Daten retten und beschädigte Installationen wieder korrigieren. Richtig interessant wird mulinux aber erst durch die Addons, einzelne Disketten, die das System um verschiedene Programme erweitern. Sinnvoll sind in jedem Falle die Addons X11 für das X-Window-System, SRV und WKS, die einige Server enthalten, der Bootmanager LILO, der SVGA-X-Server aus NS1 und Netscape 3 aus NS2. Bei den übrigen Paketen dürfte der Einsatzzweck entscheidend sein.

Die passenden Disketten richten Sie mit Hilfe eines Skripts ein. Zunächst entpacken Sie als root die Datei mulinux-13r2.tgz in einem beliebigen Verzeichnis. Jetzt kopieren Sie alle zu installierenden Addons dort hinein. Anschließend starten Sie das Installationsskript durch Eingabe von ./mu -i in einer Konsole (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das mulinux-Installationsskript
Abbildung 2: Das mulinux-Installationsskript

Dieses Skript muss zur Erstellung jeder Diskette erneut aufgerufen werden. Haben Sie alle gewünschten Disketten kopiert, kann die Installation beginnen. Zu diesem Zweck legen Sie die erste Floppy, die Boot-Diskette, ins Diskettenlaufwerk und starten den Rechner.

Nach dem Start präsentiert mulinux ein Frage- und Antwortspiel, ob Sie die Addons konfigurieren möchten. Lesen Sie die Hilfetexte auf dem Bildschirm sorgfältig durch, und beantworten Sie die Fragen genau. Der Inhalt der gewählten Disketten wird in den Arbeitsspeicher des Computers kopiert. Das kann je nach Anzahl der ausgewählten Disketten einige Zeit dauern.

Sind alle Disketten kopiert, erscheint ein menügesteuertes Setup-Programm, mit dessen Hilfe Sie das System anpassen. Wenn Sie Tastatur, Maus, Monitor und Grafikkarte konfiguriert haben, verlassen Sie es, speichern die Konfiguration und gelangen auf die Konsole. Auf die Eingabe von startx hin finden Sie sich auf der grafischen Oberfläche des X-Window-Systems wieder (Abbildung 3).

Abbildung 3: mulinux mit X
Abbildung 3: mulinux mit X

Die Eingabe von menu in einer Shell öffnet ein Menü, von dem aus Sie Hilfetexte aufrufen und Programme starten.

Um das System dauerhaft auf der Festplatte zu speichern, geben Sie in einer Konsole clone ein. Das Clone-Programm fragt, wohin Sie mulinux installieren möchten und kopiert das ganze System an den neuen Platz.

Neben Standardprogrammen zur Datenrettung und Festplatteneinrichtung bringt mulinux einen einfachen Web-Server, ein Sendmail-Programm und einen Newsserver mit. Als Browser stehen lynx und, mit Hilfe des besagten Addons, Netscape 3.0 zur Verfügung. Als Mail-Programm findet mutt Verwendung. Im TCL-Addon sind unter anderem ein Editor und ein einfacher HTML-Editor enthalten. Das Java-Addon enthält eine alte Version von Kaffe, mit deren Hilfe Sie einfache Java-Programme übersetzen und ausführen. Ein Schmankerl ist das TeX-Addon. Enthalten ist eine stark abgespeckte Version des Satzsystems TeX sowie eine alte Ausgabe von LyX, das die Erstellung von TeX-Dokumenten ohne die Eingabe der kryptischen TeX-Kommandos möglich macht.

Somit ist mulinux zwar durchaus immer noch klein zu nennen, aber vor allen Dingen recht komplett. Die Installation von Disketten funktioniert reibungslos, ist allerdings sehr mühsam. Dafür können Sie das System aber auch auf Computer aufspielen, die kein CD-Laufwerk haben, zum Beispiel auf ältere Laptops. Zu mulinux gibt es unter [6] eine Einführung, die grundlegende Kenntnisse im Umgang mit Linux vermittelt.

Zipslack

Linux von einer Windows-Partition aus? Mit Zipslack, das Sie u. a. auf der Heft-CD zum LinuxUser 04/2002 finden, kein Problem: Diese Distribution ist extra für die Installation in einem UMSDOS-Dateisystem vorgesehen. Die Heimat des entsprechenden Archivs zipslack.zip ist die Slackware-Homepage [7]. Kopieren Sie es in ein beliebiges Verzeichnis auf Ihrem Windows-System.

LinuxUser 08/2002 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: