Aus LinuxUser 07/2002

Standalone-Textverarbeitungen im Vergleich

Kleine Texter

Nicht jeder möchte sich ein mehrere hundert Megabyte schweres Office-Paket installieren, nur um hin und wieder einen Brief zu schreiben. Wir stellen drei eigenständige Textprozessoren für die tägliche Arbeit vor.

Der Funktionsumfang von integrierten Textverarbeitungen wie Open Writer oder KWord wirkt auf viele Anwenderinnen abschreckend: Viele haben das Gefühl, mit Befehlen und Funktionalität geradezu erschlagen zu werden. Abhilfe naht in Form dreier kleiner Textverarbeitungsprogramme (Abiword, Ted und Pathetic Writer), die mit dem Anspruch antreten, nur die für die tägliche Arbeit wirklich notwendige Funktionalität zur Verfügung zu stellen.

Um einen vierten Standalone-Textprozessor, WordPerfect, ist es in letzter Zeit sehr ruhig geworden. Das Programm ist immer noch im Versand zu bekommen, und auch die Corel-Linux-Seiten [1] zur Online-Registrierung funktionieren nach einer Pause wieder. Dennoch haben wir diese Software nicht berücksichtigt, da sie weder klein noch frei zu haben ist.

Test-Parcours

Die Entwickler aller hier vorgestellten Programme verstehen ihre Textverarbeitungen als „Brot und Butter“-Anwendungen. Sie sollen häufige Aufgabenstellungen lösen, die Benutzerin aber nicht mit überladenen Menüs oder unverständlichen Dialogen konfrontieren. Also testeten wir, wie sich die Programme im Alltagseinsatz bewähren.

Am Beginn steht dabei immer die Installation. Uns interessierte in dem Zusammenhang auch, welche Bibliotheken zusätzlich eingespielt werden müssen.

Einmal installiert, benutzten wir die Programme zum Schreiben von Briefen, Faxen und Memos. Abschließend überprüften wir, ob sie sich auch zum Verfassen und Bearbeiten längerer Texte wie Schulhausarbeiten eignen. Ein weiteres Augenmerk galt dem Datenaustausch untereinander und mit anderen Textverarbeitungen, zumal alle hier vorgestellten Programme das RTF-Format unterstützen. Eine Übersicht über ihre Funktionalität gibt Tabelle 1.

Abiword

Seit unserer letzten Besprechung [2] hat Abiword einen Riesenschritt nach vorne gemacht und von Version zu Version an Stabilität und Umfang zugelegt. Leider kamen bei diesem Prozess auch neue Fehler hinzu: So ist das Arbeiten mit Bookmarks und Hyperlinks in der aktuellen Version 1.0.1 unmöglich. Brauchen Sie eines der beiden Gestaltungselemente, sollten Sie Version 0.9.5 (zu finden unter [3]) verwenden. Abgesehen von diesen Einschränkungen arbeitet Abiword 1.0.1 sehr zuverlässig.

Seine Installation gestaltet sich einfach: Sie benötigen die Pakete abiword-gtk-1.0.1-1.i386.rpm und abiword-fonts-1.0.1-1.i386.rpm. abiword-fonts enthält eine Sammlung von Schriften, ohne die das Programm nicht funktioniert. Auf dem zum Test verwendeten Mandrake-8.1-System musste zusätzlich das Paket expat eingespielt werden, damit Abiword seine Arbeit aufnehmen konnte.

Optional installieren Sie die Pakete abispell-de-DE-1.0-1.i386.rpm für die deutsche Rechtschreibprüfung und abiword-help-de-DE-0.99.5-1.noarch.rpm für die deutschsprachige Online-Hilfe. Sind diese Vorarbeiten erledigt, startet Abiword nach Eingabe von abiword & in einer Konsole (Abbildung 1).

Abbildung 1: Abiword
Abbildung 1: Abiword

Das Programm benutzt zum Speichern der Dokumente ein eigenes, auf XML basierendes Format, kann aber Fremdformate einlesen (siehe Tabelle 1). Die entsprechenden Filter haben unterschiedliche Qualität: Während der Word- und der RTF-Importfilter sehr gute Ergebnisse zeigen, wird von KWord-Texten nur der reine Text ohne jede Formatierungsinformation importiert. Die Filter für die Palm-Dokumente sind ebenfalls sehr gut; einer für OpenOffice/StarOffice befindet sich in Planung.

Die aufgeräumte und durchdacht gestaltete Programmoberfläche lehnt sich stark an MS Word an, so dass Benutzerinnen dieses Programmes sich sehr schnell zurecht finden, zumal Abiwords Bedienelemente zum größten Teil ins Deutsche übersetzt sind. Nur hier und dort finden sich noch Reste englischer Menü- und Dialogbeschriftungen. Die wichtigsten Funktionen einer Textverarbeitung sind dort zu finden, wo man sie erwartet: logisch geordnet über drei Werkzeugleisten verteilt; das Kontextmenü offeriert ebenfalls eine reichhaltige Auswahl an Funktionen. Für die häufigsten Benutzeraktionen sind Tastenkürzel vordefiniert, so dass die Benutzerin beim Schreiben und Formatieren nicht ständig zur Maus greifen muss. Schon bei der Eingabe überprüft das Programm die Rechtschreibung und markiert alle falsch geschriebenen Wörter mit einer roten Kringellinie. Die deutschsprachige Rechtschreibkontrolle beherrscht nur die neue Rechtschreibung.

Abiword kennt Vorlagen für Dokumente und Absätze, die frei gestaltet und ergänzt werden können. Zur Verfügung stehen Listen und Aufzählungen in verschiedenen Formaten, Kopf- und Fußzeilen, auf Wunsch mit Seitenzahlen, Spaltensatz und die Möglichkeit, das Dokument in einzelne Abschnitte einzuteilen, die jeweils unterschiedliche Spaltenzahlen und Seitenränder haben dürfen. Mit etwas Mühe ist so ein zeitungsähnliches Layout machbar (Abbildung 2). Für Layoutaufgaben eignet sich das Programm jedoch nicht. Bei der Verwendung von Blocksatz in Spalten macht sich das Fehlen einer Silbentrennung bemerkbar, der Text wirkt zuweilen etwas löchrig.

Abiword kann Abbildungen in einigen Grafikformaten importieren und in den Text integrieren. Das AbiGimp-Plugin erhöht das Angebot an unterstützten Formaten nochmals. Sie finden es als fertig gepacktes rpm– und deb– Paket auf [3]. Eine Grafik wird allerdings stets wie ein ganzer Absatz behandelt. Damit ist es unmöglich, ein Bild neben Text zu platzieren.

Abbildung 2: Spaltensatz mit Abiword
Abbildung 2: Spaltensatz mit Abiword

Mit Hilfe von Bookmarks und Hyperlinks ist es möglich, sich innerhalb des Textes zu bewegen. Hinter ersteren verstecken sich verborgene Sprungmarken, die mit einem Link angesprungen werden können. Mit beider Hilfe lassen sich behelfsmäßig Inhaltsverzeichnisse erstellen (Abbildung 3).

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