Aus LinuxUser 05/2002

Netzwerkweit ein Desktop mit VNC

Desktop überall

Virtual Network Computing (VNC) erlaubt den Zugriff auf einen gemeinsamen Desktop von verschiedenen Rechnern, die sogar unterschiedliche Betriebssysteme verwenden können. Zusammen mit einem SSH-Tunnel geht das sogar sicher.

Wer regelmäßig auf mehr als einem Rechner arbeitet, kennt die Prozedur: Nach dem Anmelden sind etliche Fenster neu zu öffnen, Dokumente wieder zu laden und Web-Seiten zu suchen. Moderne Desktops verfügen zwar über Session Management, so dass bei einem netzwerkweit verfügbaren Home-Verzeichnis zumindest die Anwendungen des zugehörigen Desktops wieder an der richtigen Stelle erscheinen – mit „Desktop-fremden“ Programmen wie Netscape ist das aber nicht möglich.

Noch schlimmer wird es, wenn zwei eingesetzte Rechner unterschiedliche Betriebssysteme verwenden. Ein gutes Netzwerk-Setup kann zwar sicher stellen, dass Sie auch von Windows aus auf Ihr Linux-Home-Verzeichnis zugreifen können, aber alle gewohnten Anwendungen fehlen.

Elegante Lösung

VNC löst das Problem, indem es den kompletten Desktop des einen Rechners in einem Fenster auf dem zweiten Rechner darstellt. Wir beschreiben im Folgenden die Einrichtung eines VNC-Servers unter Linux und eines VNC-Clients unter Linux und Windows.

Server

Ein VNC-Server unter Linux ist im Grund ein doppelter Server: Zum einen stellt er einen vollwertigen X-Server dar; nach dem Start können Sie ihn in der Regel über localhost:1 ansprechen. Angezeigt wird dabei aber nichts: Der Server läuft ohne Ausgabe. Zu sehen kriegen Sie den auf dem neuen X-Server laufenden Desktop erst, wenn Sie einen VNC-Client (vncviewer) starten: Diesem gegenüber tritt der Server dann als VNC-Server auf und überträgt den Desktop-Inhalt als Bildinformation.

Zum Einrichten des VNC-Servers benötigen Sie entweder die VNC-Quelltexte oder ein vorkompiliertes RPM-Paket namens vnc-server. Im RPM-Fall ist die Installation ein einfaches

rpm -Uvh rpm-server…..rpm

Einige Distributionen liefern die Pakete vnc und vnc-server bereits mit; dann ist es am einfachsten, diese zu installieren. Für andere Distributionen finden Sie auf der Heft-CD Pakete. Die Sourcen sind von der Download-Seite bei AT&T (http://www.uk.research.att.com/vnc/download.html) auch erhältlich; das haben wir nicht getestet.

Server-Start

Der nächste Schritt besteht im Start des Servers. Wenn Sie zunächst die Voreinstellungen des VNC-Servers testen möchten, rufen Sie einfach das Skript vncserver auf; dieses startet dann den eigentlichen Server Xvnc mit den Standard-Parametern. Achten Sie auf die Ausgabe des Server-Start-Skripts: Dort wird eine Display-Nummer (:1, :2, etc.) angegeben, die Sie gleich für den Zugriff auf den Server benötigen.

Aus Sicherheitsgründen legen Sie jetzt noch ein Passwort für den Zugriff fest: Verwenden Sie dazu das Kommando vncpasswd und geben Sie das Wunsch-Passwort (das nichts mit Ihrem Account-Passwort zu tun hat) zwei mal ein. Es wird verschlüsselt in der Datei ~/.vnc/passwd abgelegt.

Linux Client

Für einen ersten Test greifen Sie lokal auf die laufende VNC-Sitzung zu: Installieren Sie das vnc-Paket, das den Client vncviewer enthält. Wenn Sie nun auf der Konsole den Befehl

vncviewer localhost:1

eingeben (wobei „:1“ eventuell durch die richtige Display-Nummer zu ersetzen ist), erscheint (nach korrekter Eingabe des weiter oben gesetzten VNC-Passworts) der neue Desktop in einem eigenen Fenster. Der Window Manager ist ein alter Unix-WM: twm ist nicht gerade komfortabel, weshalb Sie das sicher ändern wollen.

Abbildung 1: Ein VNC-Viewer unter Windows (erkennbar am Fensterrahmen) zeigt einen Linux-Desktop mit Window Manager xfce an
Abbildung 1: Ein VNC-Viewer unter Windows (erkennbar am Fensterrahmen) zeigt einen Linux-Desktop mit Window Manager xfce an

Desktop anpassen

Der VNC-Server führt nach dem Start das Skript ~/.vnc/xstartup aus: Dort findet sich auch am Ende die Zeile „twm &“, die den twm startet. Diese können Sie einfach durch eine Zeile ersetzen, die einen Desktop Ihrer Wahl startet, beispielsweise „startkde &“, „startgnome &“ oder „startxfce &“ (für den Desktop XFCE, der mit wenig Speicher auskommt).

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