Aus LinuxUser 04/2002

NoteEdit – Ein graphischer Noteneditor für Linux

NoteEdit

NoteEdit ist ein interaktives Notensatzsystem. Es ermöglicht das Setzen und Abspielen ganzer Partituren und ist auch für Nutzer mit geringen oder gar keinen Notenkenntnissen interessant.

Motivation

Im August 1999 erschien im Linux-Magazin ein Artikel von Christoph Dalitz zum Thema „Notensatzprogramme für Linux“, in welchem bedauert wurde, dass die „Schnittmenge zwischen Musikern und Linux-Nutzern (…) sehr klein sein“ muss, weswegen der Linuxer „nur eine handvoll Notensatzprogramme“ zur Auswahl hat([1]).

Tatsächlich ging die Ankündigung der neuen Version des Rosegarden-Noteneditors ins achte Jahr und so gut die textbasierten Notensatzsysteme auch sind: Musiker haben oft nicht die Zeit, sich in die diversen Syntaxvorschriften solcher Programme einzuarbeiten. Sie erwarten, die Noten wie gewohnt notieren zu können. Ausserdem eröffnen graphische Notensatzsysteme eine völlig neue Perspektive: Man kann die Noten zur Musik „laufen lassen“. Gerade Menschen mit keinen oder nur geringen Notenkenntnissen, wünschen sich manchmal, die Partitur zur Musik mitlesen zu können. Diesem Wunsch kann ein graphischer Noteneditor durch Hervorheben der Noten während des Abspiels entsprechen.

Ich schrieb zu dieser Zeit an die Entwickler des „NoteWorthy Composers“ ([2]) und fragte, ob es dieses Produkt irgendwann unter Linux geben wird. Die Fähigkeiten dieses Programs wären für meine Zwecke völlig ausreichend gewesen. Die Antwort kam prompt und war eindeutig: „Nein, niemals!“.

Da ich mich zu dieser Zeit gerade mit Qt befasste und schon lange ein größeres C++ – Projekt in Angriff nehmen wollte, beschloss ich, einfach mit der Neuprogrammierung eines graphischen Noteneditors auf Qt-basis zu beginnen. Das Ergebnis ist das mittlerweile KDE/Qt-basierte „NoteEdit“.

MIDI-Sequenzer

Vor der Installation sollten Sie sicherstellen, dass der MIDI-Sequenzer der Soundkarte funktioniert. Man kann zwar NoteEdit ohne MIDI-Sequenzer starten und zum Zwecke des Notensatzes oder zum Erzeugen von MIDI-Files verwenden. Auf die Wiedergabe der Musik durch NoteEdit müssen Sie dann aber verzichten.

Zum Testen benutzen Sie am besten das Programm kmid (nichtkmidi!!!). Öffnen Sie ein beliebiges MIDI-File und versuchen Sie es abzuspielen! Wenn nichts zu hören ist, so stellen Sie unter Einstellungen/MIDI-Einstellungen ein anderes MIDI-Gerät ein! Sollte das keinen Erfolg bringen, so hat die Soundkarte vermutlich gar keinen MIDI-Sequenzer. Oder sie hat einen MIDI-Sequenzer, der aber nicht korrekt konfiguriert ist. Eine Konfigurationsbeschreibung würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Eventuell geben die (englischen) Sound-HOWTOs [3] dazu Hinweise. Die Installation des MIDI-Gerätes ist aber zuweilen so kompliziert, dass sie ausgesprochenen Experten misslingt.

Einen Ausweg bietet der MIDI-to-WAV-Converter TiMidity++ von Masanao Izumo mailto:mo@goice.co.jp ([4]). Dieser ist mittlerweile Bestandteil der gängigen Linux-Distributionen und besitzt seit Version 2.10.2 einen sogenannten Server-Modus. In diesem Modus täuscht er die Existenz eines MIDI-Sequenzers vor. Beenden Sie kmid und starten Sie TiMidity++ im Server-Modus:

timidity -iA -B8,2 -Os

Nach dem erneuten Starten von kmid in einem anderen Fenster sollten unter Einstellungen/MIDI-Einstellungen 2 neue MIDI-Geräte aufgeführt sein:

Timidity port 0 128:0
Timidity port 1 128:0

Wählen Sie eines der beiden Geräte aus und die Musik sollte zu hören sein. Wenn die Instumente allzu hausbacken klingen, so kann man das Orchester austauschen. Eine Beschreibung dazu ist in der TiMidity-Dokumentation enthalten.

Ein kleiner Tipp: Es ist ratsam, TiMidity++ als root zu starten:

su (Passwort auf Verlangen eingeben)
timidity -iA -B8,2 -Os

Dadurch erhält TiMidity++ eine höhere Priorität, wodurch Stockungen speziell im Zusammenspiel mit NoteEdit vermieden werden.

NoteEdit-Installation

Die Quellen der jeweils aktuelle Version liegen unter [5].

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