Aus LinuxUser 03/2002

Aller guten Dinge (Seite 2)

dd if=/dev/cdrom of=/tmp/cd-image.iso

eine Eins-zu-eins-Kopie (ein Image) der CD anzulegen, welche sich dann jederzeit mit

mount -o loop /tmp/cd-image.iso /mnt/cdrom

mounten lässt. Annähernd den gleichen Komfort erlaubt VMware Workstation 3.0 nun auch für Gastsysteme: Im Konfigurations-Editor kann unter SCSI bzw. IDE Devices nun der Gerätetyp „CD-ROM Image“ ausgewählt werden. Nach Eingabe des Image-Dateinamens und Klick auf Install steht das CD-Image beim nächsten virtuellen Windows-Start unter einem eigenen Laufwerksbuchstaben zur Verfügung; in Abbildung 10 ist das Image als zusätzliches „Laufwerk E:“ zu sehen, das normale CD-ROM-Laufwerk kann natürlich weiter verwendet werden. Dank SCSI-Emulation lassen sich so eine ganze Reihe von Images permanent einbinden.

Abbildung 9: VMware unterstützt nun auch das Einbinden von ISO Images
Abbildung 9: VMware unterstützt nun auch das Einbinden von ISO Images
Abbildung 10: Unter XP erscheint das Image als Laufwerk E:, das "richtige" CD-ROM-Laufwerk ist D:
Abbildung 10: Unter XP erscheint das Image als Laufwerk E:, das „richtige“ CD-ROM-Laufwerk ist D:

Aus Sicht von Windows handelt es sich bei den ISO Images um CDs in echten, physikalischen CD-Laufwerken – Software, die prüft, ob sie wirklich von CD und nicht von der Platte oder aus dem Netz gestartet wurde, kann damit zur Zusammenarbeit überredet werden.

Raw Disks – IDE und SCSI

Auf Ihrem System befindet sich noch eine „native“ Windows-Installation in einer FAT- oder NTFS-Partition? Dann werden Sie sich über die Möglichkeit freuen, die echte Platte einfach wie eine virtuelle zu integrieren. Im Configuration Editor ordnen Sie dazu einem freien IDE- oder SCSI-Device einfach die passende Gerätedatei (z. B. /dev/hda für die erste IDE-Platte) und den Typ „Raw Disk“ zu. Prinzipiell können Sie sogar auf das Anlegen einer virtuellen Platte verzichten und nur mit der echten arbeiten; ein paralleles Booten der gleichen Windows-Installation auf dem echten und virtuellen Rechner dürfte allerdings an zu großen Hardware-Unterschieden scheitern. Dennoch ist der direkte Plattenzugriff vorteilhaft, da Sie nun im Gast-System eine Zugriffsmöglichkeit auf NTFS-Partitionen Ihres Rechners haben: Linux kann NTFS-Dateisysteme ja nur read-only mounten, und auch das bereitet oft Schwierigkeiten. Im Test war der Zugriff auf die echte Platte und zwei von Windows 2000 angelegte Partitionen (NTFS und FAT) problemlos möglich.

Für den direkten Plattenzugriff sind übrigens Lese- und Schreibrechte für die zugehörige Gerätedatei erforderlich. Im Fall von SuSE Linux 7.3 ließ sich das über zwei Methoden erreichen:

  • Aufnahme des Benutzers in die Gruppe disk: Da die Datei /dev/hda dem Benutzer root und der Gruppe disk gehört und die Rechte „rw-rw—-“ hat, können alle Mitglieder der Gruppe disk auf die Platte zugreifen. Öffnen Sie als root die Datei /etc/group und ändern Sie die Zeile „disk:x:6:“ in „disk:x:6:username„, wobei username entsprechend angepasst werden muss.
  • Die zweite Möglichkeit ist simpler aber nur auf einem Ein-Benutzer-Rechner zu empfehlen, da Sie jedem Anwender volle Lese- und Schreibrechte auf die Platte gibt: chmod a+rw /dev/hda.

Was ist noch neu?

Das herausragende neue Merkmal von VMware Workstation 3.0 ist sicherlich die XP-Unterstützung. Einige weitere Features haben wir bereits besprochen, außerdem gibt es in der neuen Version:

  • USB-Support, über den sich z. B. von Linux nicht unterstützte USB-Cameras verwenden lassen
  • DVD-Support
  • NAT (Network Address Translation): Bei dieser Netzwerk-Variante teilt sich die virtuelle Maschine die IP-Adresse mit dem Linux-Host. Das macht das Setup einfacher, führt aber auch zu Problemen, wenn etwa beide Rechner (Host und Gast) Dienste auf gleichen Ports anbieten wollen. Dazu bietet Hersteller VMware sogenannte „Guest OS Kits“ an: Mit diesen lässt sich ein Gast-Betriebssystem schneller einrichten, da die komplette Installationsprozedur bereits von VMware durchgeführt wurde. Im Fall von Windows 2000 Professional (der einzigen derzeit erhältlichen Variante) beschränkt sich die Installation dann auf die Eingabe der Seriennummer.

Performance

Wir haben VMware auf einem Pentium-IV-1400 installiert. Das Programm wurde sowohl lokal ausgeführt wie auch remote von einem im Netz erreichbaren Rechner aus aufgerufen. In beiden Fällen lief XP im emulierten Rechner mit ausreichender Geschwindigkeit; beim Remote-Aufruf führte nur der verlangsamte Bildschirmaufbau zu Wartezeiten. Den normalen Anwendungsfall stellt aber sicher den Start am Host-Rechner dar; hier lässt sich in jedem Fall flüssig arbeiten.

Die Verbesserungen von VMware Workstation 3.0 gegenüber dem Vorgänger machen ein Update interessant – unverständlich sind die deutlich gestiegenen Preise, die VMware zusammen mit einer zusätzlich benötigten Windows-Lizenz zu einer größeren Investition machen. Mit den neuen Preisen entfernt sich VMware vom Markt der privaten Anwender. Vielleicht erscheint ja in Kürze auch eine 3.0-Version von VMware Express: Das bis vor kurzem erhältliche VMware Express 2.0 erlaubte nur die Installation von Windows als Gastsystem und war deutlich günstiger.

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