Aus LinuxUser 02/2002

Volkers Editorial

Eine saubere Sache

Wenn Ordnungsansprüche verlangen, dass der Schreibtisch nicht nur aufgeräumt sein soll, sondern das Lineal parallel zur Tischkante und das restliche Büromaterial in Reih und Glied angeordnet gehört, mag das übertrieben sein.

Der 08/15-Programmierer steht allerdings einem ganz anderen Anspruch gegenüber. Selbst wenn sich bei ihm Chipstüten neben Bergen von Konzeptnotizen türmen, hat er oft unter dem Ordnungsanspruch der Qualität und Portierbarkeit zu arbeiten. Aber wie soll das gehen, wenn man schon seine Maus unter den Papierhaufen suchen muss?

Richtig initialisiert?

Es soll ja Leute geben, die aufräumen, bevor die Putzfrau kommt. Ich gehöre nicht dazu, und dennoch schaffe ich es, meinen Schreibtisch so weit in Ordnung zu halten, dass sich Sachen wiederfinden lassen. Ein kleines Problem stellen vielleicht Notizzettel dar, auf denen ich mir wichtige Telefonnummern notiert habe und die unter dem Papier wieder zum Vorschein kommen.

Diese Zettel haben erstaunlich viel mit meiner Schwiegermutter gemeinsam: Sie geben einem nie die volle Information. Es scheint der Lieblingssport meiner Schwiegermutter zu sein, sich ihrer Umwelt mit Halbsätzen mitzuteilen. Das hat alles seine gute und seine schlechte Seite. Schlecht ist, dass man mit „Das willst Du doch sicherlich in braun …“ nicht viel anfangen kann, wenn es der erste Satz ist, den sie zu mir sagt.

Mein Verstand exerziert dann immer Dinge der Art „Braun? Was in braun? Bananen vielleicht?“ durch. Klare Vorteile hat es bei Erstsätzen wie „Habe ich nicht recht, wenn ich so etwas zu ihr sage.“ Ein einfaches „Ja.“ erspart einem das 4653298475 Stunden dauernde Lamento über die Nachbarin, die dies gesagt hat, um jenen eines auszuwischen etc. etc. etc.

So sind dann meine Notizzettel: Ich habe vergessen, einen Namen zur Nummer zu schreiben – und den Mut, einfach diese Nummer anzurufen um herauszufinden, wer sich dahinter verbirgt, habe ich nicht immer.

Syntax-Verbrechen

Eines der größten Syntax-Verbrechen der deutschen Sprache ist sicherlich der Halsnasenohrenarzt. Die n-fach-Formulierung von Nasen und Ohren steht in klarem Missverhältnis zur anatomischen Realität. Ich habe – wie so ziemlich alle – nur eine Nase. Wäre es da nicht richtiger, die Nase in die Einzahl zu setzen und HalsNaseOhrenarzt zu sagen? Gerade noch erträglich hätte ich den Bezug zu seinem Behandlungsfeld gefunden. Ein schlichter HälseNasenOhrenarzt wäre somit numerisch korrekt gewesen, widerspräche jedoch wieder anderen Docktoren, denn dann zählten wir Zähnearzt, Füßeorthopäde und Häuserarzt zu den korrekten Bezeichnungen. Nee, lieber nicht.

Ohne Sinn

Ich glaube, dass zu den sinnlosesten Gestalten, die auf dieser Erde wandeln, die Kunstkritiker gehören. Sie lassen sich nur in tiefschürfender Art und Weise über Kunstobjekte aus, um deren Transzendenz, Mattigkeit, Lebensfreude oder was sonst zu beschreiben. Mir scheint, es ist eher eine Kunst zu verstehen, was so ein Kritiker von sich gibt, als der ganze Rest.

Glauben schenken darf man so einem Menschen ohnehin nur darin, ob ihm das Essen während einer Vernissage geschmeckt hat. Sein Urteilsvermögen ist nämlich eher künstlich und geleitet durch sein persönliches Engagement in Kunst als Wertanlage, und deren Kurs wird nur an der Tratschbörse notiert.

Es gibt einen schönen Ausdruck aus der Welt der Computer, der mir immer wieder im Zusammenhang mit Kunstkritik einfällt: Es ist der Begriff Glitsch (engl. glitch). Vor vielen Jahren durfte ich eines der Beispiele für Glitsch selbst an einem bootenden PC beobachten: „Tastatur nicht gefunden – Drücken sie F4“. Woher der Ausdruck kommt, weiß ich nicht. Vielleicht hat ihn ein Kunstkritiker erfunden…

Endlosschleife

Zu den nervigen Dingen im echten Leben gehören Endlosschleifen. Unglaublich aber wahr – es gibt sie auch hier. Da braucht man nur auf den Kinderspielplatz zu gehen und die Lütten zu beobachten: „Mein Pappa fährt aber ein größeres Auto als Deiner.“ „Nein.“ „Doch.“ „Nein.“ „Doch.“ „Nein.“ „Doch.“ „Nein.“ „Doch.“ „Nein.“ „Doch.“ … Oder: Wer kennt nicht die Art von Telefongesprächen, in dem jeder der Teilnehmer das letze Wort haben will und man sich immer wieder Erwiderungen in die Ohren brüllt und zäh versucht, dem anderen das Ende des Gesprächs abzuringen.

Meister Propper

Natürlich bietet Linux dem Programmierer etwas gegen fehlende Grundinformation, Syntaxverbrechen, Sinnlosigkeit und Endlosschleifen. Es ist der Befehl lint. Nicht zu verwechseln mit Lindt – das ist ein Süßwarenfabrikant und alles andere als sinnlos.

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