Aus LinuxUser 02/2002

The Answer Girl

Kommandozeilen-Jongleur

Die Linux-Kommandozeile kann weitaus mehr als die gute alte DOS-command.com. Doch viele ihrer Schätze sind schwer zu finden.

Dass das Eintippen eines Kommandos am Shell-Prompt, im X-Terminal oder in einer Konsole oft schnellere Erfolge zeitigt als eine Latte Mausklicks in einer GUI-Applikation, ist eine Binsenweisheit. Mit den Pfeiltasten lassen sich bereits eingegebene Kommandos aus der History, dem Lager für gebrauchte Kommandos, zurückholen, bearbeiten und per [Return] erneut auf die Reise schicken. Auch die [Tab]-Taste zum Ergänzen von Befehlen und Dateinamen in der bash zählt noch zur Allgemeinbildung einer Linuxerin.

The Answer Girl

Dass der Computeralltag auch unter Linux des Öfteren für Überraschungen gut ist, ist eher eine Binsenweisheit: Immer wieder funktionieren Dinge nicht oder nicht so, wie eigentlich angenommen. Das Answer-Girl im LinuxUser zeigt, wie man mit solchen Problemchen elegant fertig wird.

Doch dann hört es meistens schon auf. Spätestens, wer fünf Minuten lang mit [Pfeil hoch] und [Pfeil runter] nach einem älteren Kommando gegraben hat, das schneller neu eingetippt gewesen wäre, fragt sich, ob die Shell nicht doch noch ein paar Arbeitserleichterungen mehr bietet.

Von diesem Gedanken getrieben, entdeckte das Answer Girl in den Heften 12/2000 [1] und 04/2001 [2] den Event Designator!#, der einfach das wiederholt, was man bereits in der aktuellen Kommandozeile eingegeben hat. Mit Modifizierern wie :1 beschränkt man die Auswahl auf das zweite Wort dieses Ausdrucks (die Zählung beginnt bei Null), sodass ein

echo hallo !#:1

den Befehl echo hallo hallo ausführt. Selbst wenn man noch ein :p anhängt und das entstehende Kommando damit lediglich ausgibt („print“), aber nicht tatsächlich ablaufen lässt, ist das eher nur nett zu wissen. Denn in der Praxis hat der/die weniger Geübte das Kommando meist komplett eingetippt, bevor er/sie sich der recht kruden Syntax erinnert.

Ausrufezeichen mit großer Wirkung

Wer jedoch dem einen oder anderen Guru schon mal beim Tippen über die Schulter geschaut hat, dem/der ist womöglich aufgefallen, dass zumindest das Ausrufezeichen recht oft über die Kommandozeile huscht, und zwar meist in der Form

!Befehlsanfang

Ein !man ruft so zum Beispiel die Manpage noch einmal auf, in der man zuletzt gestöbert hat, während !ssh den zuletzt eingegebenen ssh-Befehl erneut zur Ausführung bringt. Sie trauen der Sache nicht so recht und wollen lieber vorher wissen, welches Kommando zum Zuge käme? Dann lassen Sie uns doch einfach ausprobieren, was passiert, wenn wir den bereits erwähnten Modifizierer :p mit der Ausrufezeichensuche verknüpfen:

pjung@chekov:~$ !ssh :p
ssh bashir :p
pjung@bashir's password:

Das war wohl falsch: Da der Zielrechner bashir nach dem Passwort fragt, hat :p anscheinend nicht verhindert, dass das letzte ssh-Kommando, ssh bashir, ausgeführt wurde. Doch halt! Wieso steht in der ersten Antwortzeile der Shell, dass sie nun das Kommando ssh bashir :p ausführt? Da haben wir die betroffene Kommandozeile wohl schlichtweg um die Zeichenkette “ :p“ ergänzt. Das war zwar nicht das, was wir wollten, aber gut zu wissen, dass es geht.

[Strg-c] jedenfalls sorgt dafür, dass das fälschlich aufgerufene Kommando abgebrochen wird. Doch wo war der Fehler? Ein einfaches Leerzeichen, denn

pjung@chekov:~$ !ssh:p
ssh bashir :p

zeigt tatsächlich einfach nur an, dass das zuletzt abgeschickte (aus unserem Fehlversuch herrührende) ssh-Kommando ssh bashir :p hieß. Das :p brauchen wir aber nicht. Wer jetzt nicht ohnehin entnervt ssh bashir tippt, sondern lieber ein wenig puzzelt, lässt sich mit

pjung@chekov:~$ !ssh:0-1:p
ssh bashir

das Kommando anzeigen, das entsteht, wenn wir aus dem zuletzt benutzten ssh-Befehl das nullte (ssh) und das erste Wort (bashir) abgreifen.

!ssh:0-1

riefe diese Kommandozeile jetzt auf.

Einblicke in die Geschichte

Leider speichert die Bash die Ausrufezeichen-Variationen der Kommandos so nicht in ihrer History ab. Stattdessen findet man mit den Pfeiltasten oder dem Shell-Builtin (vgl. Kasten 1) history nur die bereits von der Shell ersetzte Version wieder (die history-Funktion interpretiert ein numerisches Argument als die Anzahl der aufzulistenden letzten Kommandos):

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