Aus LinuxUser 02/2002

Internet-Plattformen für Software-Entwickler und Anwender

SourceForge & Co.

Viele freie Projekte werden im Internet auf einem zentralen Server gehostet. Diese dienen nicht nur der Dateiablage, sondern auch der Kommunikation zwischen Anwender und Entwickler. Wir geben Ihnen einen Überblick über die Funktionen.

Ohne die Mithilfe tausender Anwender und Entwickler hätte Linux nicht weltweit die breite Akzeptanz errungen, die es heute genießt. Doch wie koordinieren Autoren umfangreicher Open-Source-Projekte die vielen Aufgaben und das User-Feedback? Linus Torvalds, der Vater von Linux, tut das über seine Mailbox und ein geniales Verständnis der Materie.

Oftmals geschieht dies jedoch durch sehr spezielle Werkzeuge, die unentgeltlich von Dritten zur Verfügung gestellt werden, wie beispielsweise Internet-Foren. Eine beliebte Plattform, die von Entwicklern und Anwendern gleichermaßen genutzt wird, ist die amerikanische Internet-Domain SourceForge. Sie ist zu einem Quasi-Standard geworden; es gibt jedoch Alternativen.

Wie die meisten Projekte, die auf SourceForge verwaltet werden, ist die Plattform selbst teilweise Open-Source. Ihr wichtigstes Interface ist die Schnittstelle zum World Wide Web (http://sourceforge.net/). Darüber werden Mailing-Listen eingerichtet, Quelltexte aktualisiert, Feedback entgegengenommen und noch unzählige andere Aufgaben erledigt. Im Hintergrund verwaltet eine Datenbank die Einträge der Entwickler.

SourceForge bietet insgesamt mehr als 27.000 verschiedenen Projekten Platz: Bekannte Beispiele sind MiKTeX, der Window Manager Enlightenment oder die Implementierung der Programmiersprache Python. Diesen und allen anderen stehen weitere Dienstleistungen kostenlos zur Verfügung.

Abbildung 1: Eine typische Projekt-Seite auf SourceForge
Abbildung 1: Eine typische Projekt-Seite auf SourceForge

Leider ist es gerade für Neulinge und Nicht-Programmier-Profis manchmal schwierig, nicht in der Funktionsvielfalt von Projekt-Seiten zu ertrinken. Da die einzelnen Seiten allerdings stets gleich aussehen (siehe Abbildung 1), gewöhnen Sie sich mit ein wenig Hintergrundinformationen schnell an SourceForge.

Artenvielfalt

Bevor wir damit beginnen, die wichtigsten Funktionen von SourceForge vorzustellen, sollten die Alternativen erwähnt werden, denn mittlerweile gibt es ähnliche Dienstleistungen von anderen Anbietern und in anderen Ländern, wie beispielsweise in Deutschland mit BerliOS (http://www.berlios.de/). Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie ebenfalls die SourceForge Software einsetzen und somit im Grossen und Ganzen die gleichen Werkzeuge und Schnittstellen bieten. Für Projekte der Free Software Foundation gibt es unter anderem Savannah (http://savannah.gnu.org/), das dem Original zum verwechseln ähnlich sieht. Wenn Sie sich also in einer der Plattformen zurechtfinden, ist es genauso einfach, jedes andere Derivat zu bedienen, denn sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip und bauen auf den gleichen Komponenten auf.

Nicht nur für Profis

Doch nicht nur Entwickler von Software sollten sich mit den frei verfügbaren Tools auskennen – auch die Anwender sind gefordert, sich auf den umfangreichen Web-Oberflächen der Internet-Plattformen zu orientieren. Immer dann, wenn es um Updates oder Bug-Reports zu Programmen geht, die von SourceForge & Co. gehostet werden. Feedback dieser Art wird beispielsweise von einem Bug-Tracker entgegengenommen, wohingegen ein Update meistens über ein CVS-Repository abgewickelt wird. Ähnlich wie in diesen beiden Fällen gibt es für nahezu alle Aufgaben, die bei einem Software-Projekt anfallen, spezialisierte Werkzeuge.

Abbildung 2: Die übliche "Werkzeugkiste"
Abbildung 2: Die übliche „Werkzeugkiste“

In Abbildung 2 sehen Sie die üblichen Auswahlmöglichkeiten eines Projekts, das auf den freien Entwickler-Plattformen zu Hause ist. Am Häufigsten jedoch werden Sie als Anwender auf die diversen Kommunikationsmechanismen zurückgreifen wollen. Dazu zählen das Einschreiben in Mailing-Listen, Foren und die erwähnten Tracker. Um sich beispielsweise bei einer Mailing-Liste anzumelden, folgt man dem Link unter Public Areas und verwendet das entsprechende web-basierte Formular, welches sich dahinter verbirgt. Einige andere Dienste erfordern allerdings die Registrierung des Anwenders bei dem zugrundeliegenden Dienstleister. Doch das ist keine echte Einschränkung, da die Anmeldung ebenfalls kostenlos ist und die neuen Mitglieder zudem zu nichts verpflichtet. Eine gültige E-Mail-Adresse reicht völlig aus.

Etwas aus dem Rahmen fällt der Link Project Home Page (Siehe Kasten „Project Home Page“) in dieser Werkzeugkiste. Nicht jedes Projekt hat eine zusätzliche Internet-Seite und wenn, dann ist diese sicher sehr individuell gestaltet ist, denn es obliegt den Autoren, was sie dort anbieten und wie sie die Inhalte optisch gestalten.

Project Home Page

Die „Project Home Page“ ist nicht zwingend integraler Bestandteil von Projekten der SourceForge-ähnlichen Plattformen. Die gängigen Schemata zur Unterscheidung der funktionalen Projekt-Seite (also dem Teil, den wir in diesem Artikel besprechen) von der frei gestaltbaren Internet „Home Page“ des Projekts sieht dabei so aus: Unter der Adresse http://sourceforge.net/projects/Projektname/ befindet sich die Werkzeugkiste und alle damit verbundenen Dienste, während die Adresse http://Projektname.sourceforge.net/ normalerweise auf die individuelle Internet-Präsenz verweist. Was dort zu finden ist, hängt einzig und allein vom Ideenreichtum der Software-Entwickler ab.

Download neuer Programme

Wollen Sie ein neues Programm von einer der Entwickler-Plattformen beziehen, so bieten sich mehrere Möglichkeiten. Entweder Sie folgen den Latest File Releases (siehe Abbildung 1), um die Dateien direkt auf den eigenen Rechner zu übertragen, oder aber Sie bedienen sich des Anonymous-FTP. Eine weitere Möglichkeit ist, eine ältere Programm-Version aus dem Archiv zu laden.

Das ist möglich, da zu einer guten Entwicklungsumgebung auch Platz für alte Dateien gehört. Zudem ist die aktuellste Version einer Software nicht automatisch die stabilste, so dass dieses Feature durchaus Sinn ergibt. Erreichbar ist das Archiv über die horizontale Funktionsleiste am oberen Rand der Seite unter dem Eintrag Files.

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