Aus LinuxUser 01/2002

Die aktuelle StarOffice-Beta auf dem Prüfstand (Seite 2)

 

Abbildung 1: Menü "Datei" in StarOffice 6.0 und 5.2
Abbildung 1: Menü „Datei“ in StarOffice 6.0 und 5.2

Aber nicht nur die Menüeinträge, sondern die meisten Dialoge sind auf diese Weise überarbeitet worden und fallen übersichtlicher aus als vorher. Der Laden- und Speichern-Dialog zeigt nun die Dateien in einer Liste an. Früher zeigte StarOffice 5.2 eine Symbol-Ansicht. Die musste umständlich zur Seite gescrollt werden, wenn zu viele Dateien in einem Verzeichnis waren. Der Mauszeiger, der in StarOffice 5.2 durch seine ungewöhnlich lange und steife Form auffiel, ist jetzt dem Standard-Unix-Mauszeiger ähnlich.

Die Hilfe wurde scheinbar völlig neu geschrieben, sie erscheint modern und wirkt kompetent; doch als wie hilfreich sie sich im Endeffekt erweisen wird, kann nur die Praxis zeigen. Nett gelungen ist jetzt der Hilfs-Assistent, der sich früher – oft genug zum Ärgernis des Anwenders – ungefragt in den Vordergrund drängelte, um sein Wissen an den Mann zu bringen.

Das hat sich geändert: Jetzt erscheint ganz unten links ein kleines Quadrat mit einer Glühbirne, die auf Klick hin die Hilfe öffnet (Abb. 2). Ignoriert man es, verschwindet es nach einer halben Minute von selbst wieder. Es bewegt sich nicht und macht keine Geräusche wie der bekannte „Karl Klammer“ von der Konkurrenz.

Abbildung 2: Der neue Hilfs-Assistent gibt sich sympathisch ruhig
Abbildung 2: Der neue Hilfs-Assistent gibt sich sympathisch ruhig

Nur augenscheinlich zu den Face-Liftings zählt die volle Unterstützung von TrueType-Schriftarten. Sie ist von so fundamentaler Bedeutung, dass sie eine genauere Begutachtung wert ist.

TrueType- und UTF-Unterstützung

Im Gegensatz zur Windows-Variante, die durch die Windows-API schon immer mit TrueType-Fonts umgehen konnte, hatte StarOffice 5.2 unter Linux damit große Probleme. TrueType-Schriften ließen sich nicht ohne Weiteres anzeigen, Ausdrucken war gar nicht möglich.

Das hat sich jetzt vollständig geändert: StarOffice 6.0 zeigt und druckt ohne Probleme alle vorhanden Truetype-Fonts. Selbst ein chinesischer Zeichensatz machte im Test keine Probleme. Für Europäer und Amerikaner eher unscheinbar erscheint die angepasste Unterstützung für asiatische Schrifttypen und deren Eigenarten.

So ist es zum Beispiel möglich, Betonungszeichen auf chinesische Buchstaben zu setzen, doppelzeilig zu schreiben (Abbildung 3), für gemischte Texte auch zwei Standard-Schriftarten für asiatischen und westlichen Zeichensatz zu wählen.

Natürlich unterstützt OpenOffice und damit StarOffice 6.0 jetzt auch Unicode (UTF-8) und somit prinzipiell alle Sonderzeichen. Um Europäer nicht mit den Dialog-Einstellungen für asiatisch-typographische Eigenheiten zu verwirren, ist die angepasste Unterstützung bei der deutschen Version als Vorgabe deaktiviert, und alle speziellen Optionen sind versteckt.

Die Bemühungen um die Einbindung internationaler Typographie sind wohl nicht der Gutmütigkeit und Solidarität der Entwickler mit der Welt zu verdanken. Eher kann man davon ausgehen, dass sie Suns Firmenpolitik widerspiegeln, das heißt dem Wunsch entsprungen sind, Microsoft-Software von ihrem Platz zu verdrängen. Und gerade in asiatischen Ländern gibt es da große Chancen: Es ist nicht zwei Jahre her, da erklärte die chinesische Staatsführung, sie wolle alle ihre Rechner mit einem eigenen Linux ausstatten, um etwaigen Hintertürchen (besonders vom amerikanischen Geheimdienst) zu entgehen.

Abbildung 3: Unterstützung asiatischer Typographie
Abbildung 3: Unterstützung asiatischer Typographie

Verbesserte Im-/Export-Filter

Für die Verbreitung von StarOffice im westlichen Raum sind die Import- sowie Export-Filter von Bedeutung. Da unvollkommene Filter von und zu Microsoft-Office-Anwendungen nicht von den OpenOffice-Entwicklern verschuldet sind, sondern von Microsoft selbst, da diese nur unzureichende Dokumentation zu ihren Formaten herausgeben, kann man die Filter in OpenOffice 6.0 in der Tat als sehr gut bezeichnen.

Solange Microsoft Office so weit verbreitet ist wie im Augenblick und Microsoft sich den Markt nicht mit guten Filtern erkaufen muss, sondern im Gegenteil von der schlechten Dokumentation ihrer eigenen Formate profitiert, wird es keine perfekten Filter zu Microsoft-Produkten geben. Es ist somit normal, dass konvertierte Dokumente nochmal geringfügig nachbearbeitet werden müssen. Die Nacharbeit hängt dabei im Wesentlichen von der Komplexität des Word-Dokumentes ab, welches zu konvertieren war.

Abbildung 4: Autopilot für Konvertierung
Abbildung 4: Autopilot für Konvertierung

E-Mail und Termine

Einen E-Mail-Client wird es in der neuen Office-Suite nicht mehr geben. Ebenso keinen Terminkalender, obwohl hier das Gerücht umgeht, es sei ein Programm in Arbeit. Das Mail-Programm hatte schon immer Schwierigkeiten mit großen Mailboxen, konnte aber StarOffice-Dokumente direkt in der Nachricht anzeigen. Stattdessen muss der Benutzer nun auf anderen Programme ausweichen, um seine Dokumente zu versenden.

LinuxUser 01/2002 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS
Deutschland

Hinterlasse einen Kommentar

  E-Mail Benachrichtigung  
Benachrichtige mich zu: