Aus LinuxUser 12/2001

3D-Grafik unter X: Die Konfiguration (Seite 4)

Bei allen neueren Voodoo-Karten erfolgt die Einrichtung der Karte zunächst mit dem Konfigurationsprogramm Ihrer Distribution, wie z. B. SaX2. Gleiches gilt für die Aktivierung der 3D-Beschleunigung. In den Fällen, wo dies nicht möglich ist, müssen Sie die bereits bekannten Zeilen Load „dri“ und Load „glx“ in die Konfigurationsdatei XF86Config-4 (bzw. XF86Config) im Verzeichnis /etc/X11 eintragen.

Problemfälle Matrox und ATI

Während unserer Tests mit verschiedenen Grafikkarten, kristallisierten sich schnell zwei Hersteller heraus, deren Produkte sehr instabil und problematisch reagierten. Dies waren die Karten der Firmen Matrox und ATI.

Matrox

Die Matrox Millenium G450 bereitete keine Schwierigkeiten. Die neuere Millenium G550 konnte nur mit Hilfe der neuesten Treiber von der Matrox-Homepage aktivert werden. Insbesondere im Zusammenspiel mit Mandrake traten Probleme auf, die sogar die ansonsten funktionierende G450 betrafen.

Um die G550 doch noch ans Laufen zu bekommen, sollten Sie sich zunächst unter http://www.matrox.com/mga/support/drivers/latest/home.cfm den neuesten Treiber herunter laden.

Abbildung 6: Die Internetseite von Matrox. Hier finden Sie stets die aktuellsten Treiber zu den Matrox-Grafikkarten
Abbildung 6: Die Internetseite von Matrox. Hier finden Sie stets die aktuellsten Treiber zu den Matrox-Grafikkarten

Ein Tipp: Laden Sie sich das Programm PowerDesk herunter. Mit Hilfe dieser englischsprachigen Anwendung erhalten Sie Zugang zu weiteren interessanten Funktionen Ihrer Matrox-Grafikkarte.

Kopieren Sie die Treiberdatei auf eine Diskette. Richten Sie die Grafikkarte bei der Installation Ihrer Distribution nach den Vorgaben des Setup-Programms ein. Sollte es hierbei Probleme geben, überspringen Sie die grafische Einrichtung und wählen statt dessen den Textmodus bzw. Text bei der Installation als Installationstyp aus.

Melden Sie sich nach dem ersten Bootvorgang als Benutzer root am System an. Kopieren Sie die Datei von der Diskette in das Heimatverzeichnis (z. B. per mtools mit dem Befehl mcopy a:<Dateiname>). Entpacken Sie dort das Archiv mit einem Packprogramm Ihrer Wahl oder alternativ an der Kommandozeile per

 tar xvcz mga-<version>.tgz

Hierbei steht <version> für die Versionsnummer des Treibers. Sie sollten nun ein Unterverzeichnis namens mgadrivers vorliegen haben. Sofern Sie sich auf der grafischen Oberfläche befinden, öffnen Sie nun ein Terminal-Fenster. Wechseln Sie in jedem Fall per

 cd mgadrivers

in das Unterverzeichnis. Dort rufen Sie durch die Eingabe des Befehls

 sh install.sh

die Installationsroutine auf. Beantworten Sie beide Fragen mit y. Starten Sie anschließend das Konfigurationsprogramm Ihrer Distribution (unter Red Hat Xconfigurator, unter SuSE sax2) und dort als Grafikkarte die G450 oder, sofern dies direkt möglich ist, als Treiber mga aus. Nun sollte die G550 nach einem Neustart korrekt arbeiten. Auf eine 3D-Beschleunigung sollten Sie allerdings verzichten: Jeglicher Versuch, diese zu aktivieren endete bei uns in einem Komplettabsturz des Systems.

Mandrake-Besitzer müssen wesentlich mehr Basteleifer entwickeln: Schon bei der Installation des Systems richtet die aktuelle Mandrake-Version ohne Nachfrage das alte XFree86 3.3.6 ein. Da dieses für einen Betrieb der G550 gegen XFree86 4.0 ausgetauscht werden muss, sollten sich nur erfahrene Linuxianer an diese Arbeit wagen. Sofern Sie unter Mandrake mit der G450 arbeiten, achten Sie bei der Installation des Systems darauf, dass vom Setup-Programm die korrekte Grafikkarte ausgewählt wurde.

ATI

Auf verschiedenen Internet-Seiten wird bereits das propagiert, was uns prompt wiederfahren ist: Der Einsatz einer ATI-Grafikkarte kommt unter Linux einem Glücksspiel gleich. Obwohl unsere Test-Karten in der Liste als funktionsfähig eingestuft wurden, konnten wir keine zu einer stabilen Arbeit bewegen. Der Grund hierfür liegt in den verschiedenen Kartenversionen verborgen. So verbaute ATI eine Vielzahl unterschiedlicher Chips auf ein und demselben Grafikkartenmodell. Hinzu kommen Inkompatibilitäten mit einigen früheren VIA-Hauptplatinen-Chipsätzen.

Wenn Sie eine ATI-Grafikkarte Ihr eigen nennen, bleibt Ihnen leider nichts anderes übrig, als auszuprobieren, ob diese Karte unter Ihrer Distribution läuft. Leider ist eine korrekt verlaufene Einrichtung noch kein Garant für ein stabiles System. In unseren Tests rissen die ATI Karten oft erst beim Start eines 3D-Programms das System mit in den Tod.

Eine Besserung der Situation zeichnet sich nur langsam ab: Mit jeder neuen Unterversion von XFree86 4.x werden mehr ATI-Karten unterstützt, bis diese aber ihren Weg in die Distributionen finden, dürfte einige Zeit vergehen.

Abschlussarbeiten

Damit die Änderungen an der Konfiguration wirksam werden, müssen Sie zum Abschluss ihrer Einrichtungsarbeiten den X-Server neustarten. Dies geht entweder über eine Option im Anmeldebildschirm oder per Neustart des Systems. Damit wäre die Aktivierung der 3D-Beschleunigung Ihrer Grafikkarte endgültig abgeschlossen.

Fehlerverfolgung

Bei korrekt eingerichteten NVidia-Karten erscheint während des Starts des X-Servers kurz das NVidia-Logo. Sollte dies bei Ihnen nicht der Fall sein, weil z. B. die grafische Oberfläche nicht startet oder die 3D-Darstellung gar nicht oder nur zu langsam erfolgt, so sollten Sie nach der Konfiguration (unter SuSE z. B. mit SaX2) noch einmal die beiden RPM-Pakete installieren. Dies betrifft insbesondere SuSE. Dort dürfen Sie nicht vergessen, in einem Terminal-Fenster switch2nvidia_glx aufzurufen.

Bei anderen Grafikkarten, wie der Matrox Millenium G450, flackert beim Start der Bildschirm zweimal kurz auf. Bei einigen Karten bleibt der Bildschirm für ein paar Sekunden komplett schwarz. Diese Verhaltensweisen sind normal, wobei insbesondere die Startgeschwindigkeit des X-Servers (die Zeit ohne Bildschirmanzeige) stark von der Gesamtleistung des Computers abhängig ist.

Bei Problemen, die auf eine falsche Hardware-Erkennung zurückzuführen sind, hilft es, die Grafikkarte ohne 3D-Unterstützung einzurichten. Die Aktivierung der 3D-Beschleunigung sollten Sie anschließend per Hand durch die Modifikation der angesprochenen Konfigurationsdatei XF86Config-4 (bzw. XF86Config) vornehmen.

Dies betrifft insbesondere die Einrichtung mit SaX2: Dort hilft es in vielen Fällen die Eingangsfrage auf der Textkonsole mit no zu beantworten. Vergessen Sie nicht, später die Module glx und dri zu aktivieren. Paradoxerweise gibt es nach dem Einspielen der NVidia-Treiber Situationen, in denen Sie hier stets yes angeben müssen – ansonsten verweigert SaX2 den Start. SuSE 7.2 Benutzer sollten sich in diesem Zusammenhang das mit 5,5 MB nicht gerade kleine Update-Paket zu SaX von den SuSE-Seiten herunter laden.

Erkennungsprobleme bei der Hardware haben ebenfalls die Installationsprogramme der Distributionen. In den meisten Fällen überlassen sie dem Benutzer die Wahl, ob die grafische Oberfläche von Linux automatisch gestartet werden sollen (grafischer Login) oder nicht (oft als Textmodus bezeichnet). Bei Problemen kann es helfen, hier nein oder Textmodus zu wählen und das X Window System nach dem ersten Start mit dem Konfigurationsprogramm einzurichten.

Hierbei handelt es sich um drakxconf unter Mandrake, Xconfigurator bei Red Hat und sax2 unter SuSE. Melden Sie sich zuvor als Benutzer root an.

Andere Probleme, die sich insbesondere in einer zu langsamen Grafikausgabe bemerkbar machen, sind meistens auf falsch installierte OpenGL-Bibliotheken zurückzuführen. Einige Distributionen installieren Mesa-Bibliotheken, die nicht für DRI bzw. XFree86 4.x ausgelegt sind.

Das Ergebnis spiegelt sich in einer schleichenden 3D-Ausgabe oder Abstürzen wieder. Prüfen Sie in einem solchen Fall mit einem Paket-Manager, welche Bibliotheken verwendet werden und tauschen Sie sie aus.

Drei interessante Diagnose-Programme sind 3ddiag, 3dinfo und glean. Die ersten beiden geben nach ihrem Aufruf in einem Terminal-Fenster per 3Ddiag (Groß- und Kleinschreibung beachten) bzw. 3dinfo Informationen über die Grafikkarte und die installierte OpenGL-Bibliothek aus. Glean ist ein Programm, das prüft, ob die OpenGL-Bibliothek dem Standard von Silicon Graphics entspricht. Es wird ebenfalls in einem Terminal-Fenster aufgerufen.

Fazit

Insbesondere Besitzer exotischer oder brandneuer Kartenentwicklungen (z. B. der Radeon oder der Kryo II) schauen in die Beschleuniger-Röhre. Wer unter Linux schnelle 3D-Grafik benötigt, kommt zur Zeit nicht um die Karten von NVidia herum. Obwohl dieser Kartenhersteller für seine verschlossene Entwicklungspolitik von der Linux-Gemeinde bereits einige Kritik erntete, verhelfen die proprietären Treiber 3D-Programmen und Spielen zu wahren Höhenflügen.

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